Wachstum bleibt schwach
Landeszentralbanken skeptisch

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nach den Worten von Franz-Christoph Zeitler, dem Präsidenten der Landeszentralbank (LZB) in Bayern voraussichtlich nur relativ schwach wachsen.

Reuters MÜNCHEN. Für das erste Quartal rechne er "nicht mit zunehmenden Wachstumsraten", sagte Zeitler am Freitag in München. Die Prognose der Bundesregierung für 2002 werde wohl erreicht: "Ich glaube, dass die Annahme der Bundesregierung, 0,75 % Wachstum in Deutschland zu erreichen, realistisch ist." Im vergangenen Jahr habe die Wirtschaft hier zu Lande eine scharfe Wachstumsabschwächung verzeichnet, fügte Zeitler hinzu. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hatte in der vergangenen Woche ein "bescheidenes Wachstum" für 2002 vorausgesagt, dabei aber keine Zahlen genannt.

Zeitler verwies auf ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 % im vergangenen Jahr nach plus 3,0 % im Vorjahr. Damit habe Deutschland das schwächste Wachstum in der Euro-Zone verzeichnet: "Dies bedeutet im Euro-Raum erneut Schlusslicht." Im Bundesbank-Jahresbericht, der am Dienstag veröffentlicht worden war, hatte Welteke festgestellt: "Innerhalb des Euro-Raums hinkt Deutschland wirtschaftlich hinterher."

Binnenwirtschaftliche Dynamik nicht zu erwarten

Der bayerische LZB-Chef bekräftigte die Erwartung der Bundesbank, dass die deutsche Wirtschaft vor allem von den Exporten und von dem erwarteten Aufschwung in den USA Impulse erhalten werde. "Eine größere binnenwirtschaftliche Dynamik ist aber nicht, jedenfalls noch nicht, in Sicht." Darauf deutete jedenfalls die Situation der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie die schwache Entwicklung des Privaten Verbrauchs hin.

Risikofaktoren für die Inflation und für die konjunkturelle Erholung in Deutschland könnten hohe Tarifabschlüsse sowie Preissteigerungen am Öl- und Energiemarkt sein, sagte Zeitler weiter. Eine Gefahr gehe von Tarifabschlüssen aus, die höher als das Produktivitätswachstum ausfielen. Hohe Tarifabschlüsse und Ölpreiseffekte könnten seiner Einschätzung nach der Funken für eine Weitergabe von Preiserhöhungen auf die gesamte Volkswirtschaft sein. Auf den am Donnerstag erzielten Tarifabschluss in der westdeutschen Chemie-Branche ging Zeitler nicht ein.

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