Wachstum bleibt weiter schwach
Konjunktur: Hoffen auf das zweite Halbjahr

Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr nur langsam vom Abschwung des vergangenen Jahres erholt. Nun hoffen Volkswirte auf etwas mehr Dynamik im zweiten Halbjahr.

Reuters FRANKFURT. Die deutsche Wirtschaft hat sich im ersten Halbjahr nur langsam vom Abschwung des vergangenen Jahres erholt. Nun hoffen Volkswirte auf etwas mehr Dynamik im zweiten Halbjahr, damit im Gesamtjahr zumindest die bescheidene Rate von rund einem halben Prozent aus dem Vorjahr erreicht wird.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei von April bis Juni real um 0,3 Prozent zum Vorquartal gewachsen nach einem Plus von ebenfalls 0,3 Prozent im ersten Vierteljahr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Eine stabile Inlandsnachfrage und ein erneuter Zuwachs der Exporte machen Volkswirte aber zuversichtlich.

Auch die Bundesregierung geht von einer Beschleunigung im zweiten Halbjahr aus und bekräftigte ihre Prognose von rund 0,75 Prozent Wachstum für das Gesamtjahr. Zum Vorjahresquartal erhöhte sich das BIP um 0,5 Prozent. Kalenderbereinigt ergab sich allerdings nur noch ein Plus von 0,1 Prozent, da es im zweiten Quartal einen Arbeitstag mehr gab als vor einem Jahr.

Konsum leicht erholt, Investitionen noch schwach

"Bisher haben wir ein sehr verhaltenes, fast mikroskopisches Wachstum", sagte Bernd Weidensteiner, Volkswirt von der DZ Bank. "Die große Hoffnung ist weiter, dass es sich zum Jahresende hin beschleunigt." Analysten hatten nach der Schätzung der Deutschen Bundesbank von rund 0,25 Prozent Wachstum mit keiner Überraschung gerechnet.

Alle Wirtschaftsbereiche außer dem Baugewerbe trugen zu dem leichten Anstieg bei. Das BIP nahm zum Vorquartal wegen eines geringen Zuwachses des privaten Konsums und der Investitionen in sonstige Anlagen wie etwa Software zu. Der Lageraufbau trug am meisten zum Wachstum bei. Ohne diesen Impuls wäre das BIP nach Schätzung von Jörg Krämer von Invesco Asset Management um 0,5 Prozent geschrumpft.

Ausrüstungsinvestitionen schrumpfen weiter

Investitionen in Ausrüstungen und Bauten gingen abermals deutlich zurück. Die Ausrüstungsinvestitionen sind damit seit fast zwei Jahren geschrumpft. "Das ist erschütternd, und wegen der schlechten Finanzierungsbedingungen angesichts der Aktienmarktschwäche wird sich das auch nicht deutlich verbessern", sagte Thomas Hueck von der HypoVereinsbank. Die Bank gehört mit einer Prognose von nur 0,25 Prozent Wachstum 2002 zu den Pessimisten. Nach seiner Ansicht wird auch der Konsum kaum zulegen und die Investitionsschwäche ausgleichen.

Dass der private Konsum erstmals seit neun Monaten wieder etwas zunahm, werteten andere Volkswirte dagegen als gutes Zeichen. "Sowohl der private Verbrauch als auch die Importe zeigen, dass die Binnennachfrage zunimmt", sagte Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank. Die Importe stiegen erstmals seit mehr als einem Jahr um 1,5 Prozent. Die Exporte legten um 1,1 Prozent zu. Der Konsum werde von Lohnerhöhungen und niedriger Inflation profitieren, niedrige Zinsen nützten zudem den Investitionen.

Da das erste Quartal bei der jährlichen Datenrevision auf 0,3 von 0,2 Prozent nach oben revidiert wurde, sieht Andreas Scheuerle von der DekaBank gute Chancen für ein Wachstum im Gesamtjahr auf dem Vorjahreshöhe von 0,6 Prozent. Die leichte Exportbeschleunigung sei ein gutes Zeichen und entscheidend für ein Anspringen der Binnenkonjunktur. Auf einen Schub bei den Exporten kommt es auch nach Worten von Joachim Scheide, dem Chefvolkswirt des Instituts für Wirtschaftsforschung, an. Dafür müsste die Konjunktur in den USA und der Euro-Zone im zweiten Halbjahr mehr Schwung gewinnen.

Hoffen auf mehr Dynamik im zweiten Halbjahr

Auch das Bundesfinanzministerium geht wie das IfW von einer deutlichen Beschleunigung des Wachstums im zweiten Halbjahr aus und betrachtet seine Wachstumserwartung von rund 0,75 Prozent in diesem Jahr noch immer als gültig. Viele Banken und Forschungsinstitute prognostizieren inzwischen allerdings nur noch rund ein halbes Prozent Wachstum, weil der langsame Aufschwung in den USA und die bisher schwache Binnennachfrage die Wirtschaft nur im Schneckentempo wachsen lässt. Das Finanzministerium erwartet einen Umschwung am Arbeitsmarkt im Lauf des Jahres. Die Flutwasserkatastrophe trübe die wirtschaftlichen Aussichten nicht ein. IfW-Volkswirt Scheide bezeichnete dagegen die wegen der Flutschäden geplante Verschiebung der Steuerreform als großes Problem für die Konjunktur im kommenden Jahr, weil sie den Konsum dämpfen könne.

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung in die Rezession geraten und nur um 0,6 Prozent gewachsen. Bei seiner jährlichen Revision änderte das Amt die Wachstumsrate für 2000 auf 2,9 von 3,0 Prozent.

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