Wachstum durch Übernahmen
Niedersachsen gibt grünes Licht für Piechs Finanzstrategie

Das Land Niedersachsen gibt VW-Chef Ferdinand Piech grünes Licht für seine Finanzstrategie. Der größte Einzelaktionär wird auf der Hauptversammlung am 7. Juni nicht nur der beantragten Kapitalerhöhung zustimmen, sondern auch dem Rückkauf von bis zu 10 % der eigenen Aktien.

dpa-afx HANNOVER/WOLFSBURG. Das hat die Landesregierung nach Angaben der Staatskanzlei am Dienstag in Hannover entschieden. Allerdings wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass "die Umsetzung konkreter Kapitalmaßnahmen der Zustimmung des Aufsichtsrats" bedürfe.

Die Wolfsburger Volkswagen AG will sich von der Hauptversammlung die Option auf eine Erhöhung des Kapitals um 130 Mill. Euro einräumen lassen. Dafür könnte VW 26 Mill. Stammaktien mit einem derzeitigen Börsenwert von rund 1,5 Mrd. Euro (knapp 3 Mrd. DM) ausgeben. Niedersachsen müsste trotz engen finanziellen Spielraums nach heutigem Kurs rund 600 Mill. DM aufbringen, um seinen VW - Anteil von rund 20 % und damit eine Sperrminorität zu halten. Regierungssprecher hatten dies in der Vergangenheit als "nicht einfach" eingestuft.

Rückkauf eigener Aktien soll genehmigt werden

VW will sich von der Hauptversammlung neben der Kapitalerhöhung auch den Rückkauf weiterer 10 % eigener Aktien als Option genehmigen lassen. Der Autokonzern hatte bereits 2000 10 % eigene Aktien erworben. Diese müssten vor weiteren Rückkäufen entweder eingezogen oder als "Währung" für Unternehmenskäufe genutzt werden, da deutsche Unternehmen nicht mehr als 10 % der eigenen Aktien halten dürfen. Mit einer neuen Rückkaufaktion und Kapitalerhöhung würde VW je nach Börsenkurs insgesamt über "Akquisitionswährung" im Wert von weit mehr als 10 Mrd. DM verfügen.

VW hatte seine Kapitalmaßnahmen in der Einladung zur Hauptversammlung damit begründet, dass in den kommenden Jahren das Wachstum von VW möglicherweise durch Erwerb von Unternehmen oder Beteiligungen abgesichert werden müsse. Dies könnte unter anderem durch Abgabe eigener Aktien geschehen, zum Beispiel bei der Übernahme der Mehrheit beim skandinavischen Lkw-Hersteller Scania. Hier hält bislang noch Volvo die meisten Aktien, muss diese jedoch auf Geheiß der EU-Kartellwächter in den nächsten Jahren abgegeben.

Absicherung gegen feindliche Übernahmen

Gleichzeitig könnte VW aber auch versuchen, sich über den Tausch größerer Aktienpakete in "freundliche Hände" gegen feindliche Übernahmen abzusichern. Der Börsenwert der Wolfsburger ist mit 17,3 Mrd. Euro (33,9 Mrd. DM) im Vergleich zu anderen Autoherstellern eher gering. Bislang schützt gegen feindliche Übernahmen das VW - Gesetz, nach dem kein Aktionär mehr als 20 % der Stimmrechte ausüben kann, auch wenn er mehr Aktien besitzt. Das Gesetz gibt damit dem Land Niedersachsen überproportionalen Einfluss. Doch die EU hat in der vergangenen Woche erneut deutlich gemacht, dass sie das Gesetz kritisch unter die Lupe nehmen will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%