Wachstum fordert seinen Preis
DiBa-Direktbank vom Erfolg überrollt

Die Allgemeine Deutsche DirektBank AG (DiBa) wird derzeit vom Erfolg überrollt. Während fast die gesamte Branche über Gewinneinbrüche klagt und massiven Stellenabbau ankündigt, geht es beim Branchenführer im Direktbankgeschäft weiter aufwärts. "Wir bekommen mehr Kunden als wir wollen", berichtete der Vorstandsvorsitzende Bernhard Hafner am Mittwoch in Frankfurt.

dpa/Reuters FRANKFURT/M. Vor allem das stark beworbene Extra-Konto, das den Kunden vom ersten Euro an 4 Prozent Zinsen bringt, erweist sich als Renner. Allein im ersten Quartal 2002 konnte die Zahl der Kundenkonten um 31 Prozent auf 1,15 Millionen gesteigert werden. Etwa 750 000 davon entfallen auf Extra-Konten. Gleichzeitig stiegen die Kundeneinlagen um 58 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro.

"Uns quillt die Liquidität aus den Ohren", beschrieb Hafner den derzeitigen Boom. Negativ wirkt sich dabei allerdings aus, dass die Warteschleifen der Telefonkunden immer länger werden. Deshalb wird im Gegensatz zur Gesamtbranche mit Einstellungen dem Personalengpass entgegengewirkt. An den beiden Standorten Frankfurt und Hannover wurde 2002 die Belegschaft von 725 auf 828 Personen aufgestockt. 107 (94) Mitarbeiter kommen aus Zeitarbeitsfirmen.

Die inzwischen mit 70 Prozent beteiligte Muttergesellschaft, das niederländische Finanzhaus ING, hat sogar auf die Dividende verzichtet, um die finanzielle Basis für das starke Wachstum zu verbessern. Auf Grund der hohen Reservebildung wird nur ein Gewinn vor Steuern von 8,4 (15,3) Millionen Euro ausgewiesen. Der Minderheitsaktionär, die Gewerkschaftsholding BGAG, hat dagegen ihre achtprozentige Ausschüttung erhalten.

Das Wachstum hat seinen Preis, daher rechnet die DiBa nach einem deutlichen Gewinnrückgang im vergangenen Jahr erneut mit einem Ergebnis unterhalb des Vorjahreswertes. "Für das Jahr 2002 planen wir ein Ergebnis leicht unter dem Niveau des Vorjahres", schreibt DiBa-Vorstand Bernhard Hafner in dem am Mittwoch in Frankfurt vorgestellten Geschäftsbericht. 2001 hat die Bank den Angaben zufolge beim Vorsteuergewinn einen massiven Rückgang auf 8,4 Millionen Euro nach 15,3 Millionen Euro verbucht. Der Jahresüberschuss ging auf 6,58 (Vorjahr 8,63) Millionen Euro zurück.

Den deutlichen Ergebnisrückgang führte der DiBa-Vorstandschef unter anderem auf einen erheblich gestiegenen Marketingaufwand und eine gestiegene Risikovorsorge zurück. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft gab die Bank mit 57,4 Millionen Euro an. Dies entspricht einer Aufstockung um 12,1 Millionen Euro zum Vorjahr. Der Zinsüberschuss stieg 2001 um 26,9 Prozent auf 122,7 Millionen Euro, der Verwaltungsaufwand erhöhte sich um 6,9 Prozent auf 106 Millionen Euro.

Die Bilanzsumme der Bank stieg um 36 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen erhöhten sich den Angaben zufolge auf 6,37 (Vorjahr 3,515) Milliarden Euro deutlich. Hafner zufolge will die Bank auch 2002 unter dem Dach des ING-Konzerns ihre Wachstumsstrategie fortsetzen. Im ersten Quartal 2002 habe die Bank ihr Wachstumstempo noch steigern können. "Wir setzen auch in diesem Jahr unsere Wachstumsoffensive konsequent fort, um unsere Marktposition weiter zu stärken", sagte Hafner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%