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Wachstum in der Eurozone verliert im 2. Quartal an Tempo

Die Wirtschaft in den zwölf Euro-Ländern hat im zweiten Quartal trotz des boomenden Exports überraschend an Schwung verloren. Die hohen Ölpreise und der erwartete Rückgang im Welthandel dürften die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte weiter abkühlen, sagen Volkswirte. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Leitzinsen deshalb bis Jahresende stabil halten.

dpa-afx LUXEMBURG/BRÜSSEL. Die Wirtschaft in den zwölf Euro-Ländern hat im zweiten Quartal trotz des boomenden Exports überraschend an Schwung verloren. Die hohen Ölpreise und der erwartete Rückgang im Welthandel dürften die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte weiter abkühlen, sagen Volkswirte. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Leitzinsen deshalb bis Jahresende stabil halten.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von April bis Juni um 0,5 % zum Vorquartal nach 0,6 % in den ersten drei Monaten, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in einer Schnellschätzung mitteilte. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit 0,6 % gerechnet. Verglichen mit dem Vorjahresquartal betrug das Wirtschaftswachstum wie erwartet 2,0 %.

Die Experten von Goldman Sachs führen die Abkühlung im zweiten Quartal auf die enttäuschende Entwicklung in Italien und in den Niederlanden zurück. Dies habe den Aufschwung in Deutschland und Frankreich, den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, überdeckt. Das deutsche BIP war im zweiten Quartal wegen des anhaltenden Exportbooms mit 0,5 % so stark gestiegen wie seit drei Jahren nicht mehr. Frankreich verzeichnete dank der guten Binnennachfrage sogar ein Wachstum von 0,8 %.

Stabile Zinsen

Volkswirt Ed Teather von UBS sagt für das dritte Quartal nur noch ein Wachstum von 0,4 % in der Eurozone voraus. Auch Allianz-Analystin Claudia Broyer rechnet mit einer nachlassenden Dynamik und verwies auf hohe Ölpreise und einen schwächer werdenden Welthandel. Die EU-Kommission in Brüssel geht nach einer ebenfalls am Freitag veröffentlichten Modellrechnung von einem Wachstum von jeweils 0,3 bis 0,7 % im dritten und vierten Quartal aus.

Wegen der erwarteten Konjunkturabkühlung im zweiten Halbjahr wird die EZB nach Ansicht von Volkswirten ihren Leitzins bis Jahresende unverändert bei 2,0 % belassen. "Aufgrund der konjunkturellen Risiken (...) gehen wir weiter davon aus, dass die EZB mit dem ersten geldpolitischen Straffungsschritt bis ins erste Quartal 2005 wartet", sagte Allianz-Expertin Broyer.

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