Wachstum in Euro-Land schwächer als erwartet
Wim Duisenberg lehnt rasche Zinssenkung ab

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen in den nächsten Monaten nicht verändern. Dies hat EZB-Präsident Wim Duisenberg am Wochenende unmissverständlich deutlich gemacht.

dpa/rut/noh KOPENHAGEN. "Den aktuellen geldpolitischen Kurs halten wir für angemessen - jetzt und für die absehbare Zukunft", sagte Duisenberg im Anschluss an die Sitzung des informellen Ecofin-Rates der europäischen Finanzminister in Kopenhagen.

Damit wies der oberste Währungshüter Forderungen zurück, die Notenbankzinsen noch einmal deutlich zu ermäßigen, um die erhoffte wirtschaftliche Belebung zu beschleunigen. Der wichtigste Leitzins der EZB liegt seit November 2001 bei 3,25 Prozent. Spekulationen über eine Senkung waren entstanden, weil das Wachstum im Euro-Raum schwächer als erwartet ausgefallen war. Das mussten auch die EU-Finanzminister und die EU-Kommission bei ihrem Treffen zugeben. Die Wirtschaft werde dieses Jahr um weniger als 1 % wachsen, räumten sie ein. Bislang war die EU von einer Wachstumsrate von 1,4 % in diesem Jahr ausgegangen.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte noch am Freitag auf einer Konferenz der Bundesbank die Zinsphantasien genährt, als er die Perspektiven der globalen Konjunktur äußerst skeptisch beurteilt hatte. Nach Einschätzung Duisenbergs verfügt die europäische Wirtschaft trotz der bislang enttäuschenden Entwicklung über ausreichend Wachstumspotenzial. Allerdings korrigierte er auch die Erwartungen der EZB: Die wirtschaftliche Erholung werde im zweiten Halbjahr 2002 einsetzen, aber später als erwartet. Auch die allgemeine Preisentwicklung lege einen vorsichtigen Kurs der EZB nahe. Die erreichte Teuerung in Euro-Land von zwei Prozent werde bis zum Jahresende nicht mehr deutlich überschritten, prognostizierte der EZB-Chef.

Bundesbankpräsident Ernst Welteke betonte in Kopenhagen, dass auch der wegen der Kriegsgefahr im Irak stetig steigende Ölpreis zu den konjunkturellen Risikofaktoren gehöre.

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