Wachstum kommt aus den Schwellenländern
Automanager werden 2001 erst richtig gefordert

Der PKW-Weltmarkt soll weiter wachsen, prognostizieren Marktforscher. Allerdings erwarten sie keine Zuwächse auf vertrautem Terrain, sondern in Schwellenländern. In den USA sind die Aussichten hingegen eher düster. Verkaufen lassen sich Autos dort nur mit kräftigen Preisabschlägen.

Reuters FRANKFURT. Beim Rückblick auf das Jahr 2000 werden viele Auto-Manager erschöpft durchatmen, doch das kommende Jahr dürfte angesichts verhaltener Marktprognosen nicht weniger knifflig werden. So erwarten Branchenbeobachter in Europa einen stagnierenden oder allenfalls leicht wachsenden Markt, während für den größten Automarkt der Welt, die USA, eine nach Meinung von Experten mehrjährige Abschwächung bevorsteht. Das Prognose Marketing Systems-Institut erwartet, dass in den kommenden Jahren der Pkw-Weltmarkt im Schnitt um 1,5 bis zwei Prozent wächst. Das Wachstum komme aber sicher nicht aus den USA, Europa oder Japan, sondern aus den Schwellenländern, sagt Marketing-Systems-Analyst Thomas Mawick.

Börsenentwicklung unabhängig von Segmenten erwartet

Die regionale Aufteilung des Geschäfts der Autohersteller wird daher neben der Aufstellung mit den Produkten eine große Bedeutung für Erfolg oder Misserfolg haben. Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank glaubt, dass es auch an den Börsen keine einheitliche Tendenz der Automobilaktien geben wird. "Es wird keine Sektorentwicklung geben, sondern man muss nach den einzelnen Entwicklungen der Unternehmen suchen." Luxusanbieter wie Porsche oder BMW seien dabei - da von Konjunkturschwankungen nicht so stark abhängig - im Vorteil.

Geradezu wie unter einem Brennglas summieren sich derzeit die Tendenzen der Branche bei der Daimler-Chrysler AG: Vor zwei Jahren krempelte Firmenchef Jürgen Schrempp mit der Fusion von Daimler mit Chrysler die Branche förmlich um. Seine Vision: Der Konzern soll weltweit der führende und profitabelste Autohersteller werden. Hierfür ging Daimler in diesem Jahr noch Allianzen mit den asiatischen Herstellern Hyundai und Mitsubishi Motors ein.

Doch zugleich stürzte die zuvor hochprofitable US-Tochter Chrysler - 1999 hatte der operative Gewinn 5,2 Mrd. Euro betragen - wegen des scharfen Wettbewerbs auf dem US-Markt und ungünstig in den Abschwung fallender Modellwechsel in wenigen Monaten in die roten Zahlen. Die Milliardenverluste bei Chrysler könnten im Schlussquartal 2000 sogar den ganzen Konzern operativ ins Minus drücken. Zugleich erzielt das Pkw-Geschäft der Marke Mercedes - als Luxusmarke mehr produkt- als konjunkturgetrieben - Rekordgewinne, obwohl der deutsche Pkw-Markt im bisherigen Jahresverlauf um elf Prozent nachgegeben hat.

Angesichts der verhaltenen Aussichten insbesondere für den US-Markt hat Konzernchef Schrempp zuletzt angekündigt: "Sollte sich die Nachfrage an den Automobilmärkten abschwächen, wovon wir insbesondere in den USA ausgehen müssen, wird das Jahr 2001 insgesamt noch schwieriger als das laufende Jahr werden." Und Marketing Systems geht davon aus, dass der US-Automarkt nach einem für 2000 erwarteten Rekord von 17,5 Mill. Fahrzeugen im kommenden Jahr um zwei und 2002 um bis zu neun Prozent schrumpfen dürfte. Langfristig dürfte sich der Markt dann auf dem "Normalniveau" von 15 bis 15,5 Mill. Autos einpendeln. Branchenexperten gehen aber davon aus, dass die Schwächephase auf dem US-Markt kürzer ausfallen könnte, falls die US-Notenbank - wie erwartet - ihre Zinsen wieder senkt und damit auch Fahrzeugkäufe per Kredit wieder günstiger werden.

Auch Ford und General Motors leiden unter Kaufzurückhaltung

Der hohe Absatz in den USA in diesem Jahr wurde, da sind sich die Experten einig, vor allem durch Preisnachlässe der großen Hersteller erreicht. Und nach Chrysler haben zuletzt auch die beiden Branchenführer Ford und General Motors starke Produktionskürzungen angekündigt. Ford und GM mit seiner Tochter Opel wiederum leiden in Europa unter hohen Verlusten und haben dort stärker als der Markt an Absatz verloren.

Beim Vergleich der drei größten Autokonzerne der Welt, GM, Ford und Daimler-Chrysler, meinen einige Analysten daher, dass die derzeit mit den größten Problemen kämpfende Daimler-Chrysler bald besser dastehen könnte als ihre Konkurrenten. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagt, in den USA "hilft den Herstellern nur die Kostensäge, mit feinen Werkzeugen kann man da nicht mehr drangehen". Ford und GM hätten noch zwei schlechte Jahre vor sich. Chrysler werde sich vielleicht Ende 2001 fangen, und zusammen mit dem erfolgreichen Mercedes-Geschäft könnte Daimler-Chrysler dann besser dastehen als Ford und GM.

Pieper schätzt, dass 2001 vor allem für den VW-Konzern ein gutes Jahr werden dürfte. Der deutsche Markt werde sich nach dem Einbruch des Jahres 2000 erholen - Prognosen gehen von fünf bis acht Prozent Plus aus -, und davon werde VW profitieren. Auch sei VW stark in Lateinamerika und China präsent, während die Abhängigkeit des Wolfsburger Autoherstellers von den USA nicht so groß sei.

Fusionslust ist gesunken

Ob sich im kommende Jahr das einst von Daimler maßgeblich angestoßene Fusionskarussell in der Branche weiterdrehen wird, scheint unklar. "Die Erfahrungen von Daimler-Chrysler oder BMW (mit dem Verkauf der verlustreichen Tochter Rover im Frühjahr) haben die Begeisterung schon deutlich gedämpft", sagt Analyst Stürzer. Dagegen meint der Leiter des Forschungszentrums für Automobilwirtschaft der Fachhochschule Gelsenkirchen, Ferdinand Dudenhöffer, dass der Druck zu Allianzen bestehen bleibe, "Es geht darum, bei den Produkten Einsparungen durch hohe Stückzahlen zu erzielen", sagt er. Für das Verteilen der Fixkosten brauche jede Firma eine bestimmte Größe. "Langfristig gibt es gute Gründe dafür, dass die Konzentration weitergeht.

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