Wachstum nähert sich der Marke von zwei Prozent
HB-Frühindikator: Die Abkühlung setzt sich fort

Die Auftragseingänge und das Ifo-Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands sind zuletzt eingebrochen. Bei weiter schwacher Nachfrage im Einzelhandel und am Bau besteht jetzt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Konjunkturschwäche in Deutschland in die zweite Jahreshälfte hineinzieht.

HB DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Frühindikator hat nach kurzer Unterbrechung im Vormonat seinen Abwärtskurs im April weiter fortgesetzt. Mit 2,1 % nach revidierten 2,2 % in den beiden Vormonaten in Folge korrigierter Ausgangsdaten der amtlichen Statistik liegt der von dem Indikator angezeigte Wachstumstrend um mehr als einen Prozentpunkt unter seinem letzten Höchststand vom Oktober. Auch das Konjunkturbarometer für Ostdeutschland gab im April von 3,1 % auf 2,9 % nach. Damit dürfte sich die Konjunkturabkühlung bis in die zweite Jahreshälfte hineinziehen. Derzeit nähert sich das deutsche Wachstum dem Niveau im Durchschnitt der 80er-Jahre an.



Frühindikator West:
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Konjunkturbarometer Ost:
>>Tabellen und Grafik

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe haben im Januar saisonbereinigt 3 % gegenüber dem Vormonat eingebüßt. Damit ist die Nachfrage erstmals wieder gesunken, nachdem sie in den vier Monaten zuvor um insgesamt mehr als 5 % gestiegen war, Eine Trendumkehr muss darin allerdings nicht unbedingt gesehen werden. So war der Auftragseingang Ende vergangenen Jahres durch Großaufträge aus dem Ausland begünstigt, was den aktuellen Rückgang relativiert. Zudem blieb die Inlandsnachfrage zuletzt mit einem minimalen Minus von 0,5 % weiterhin robust.

Der Einbruch der Auslandsnachfrage um insgesamt gut 6 % konzentrierte sich vor allem auf den Investitionsgütersektor und die Vorleistungsgüter. Dagegen erfreuten sich die Hersteller von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern weiterhin eines regen Auslandsgeschäfts.

Rückgänge im Osten

Obwohl die ostdeutsche verarbeitende Industrie weit weniger exportorientiert ist als die westdeutsche, musste sie im Januar mit minus 5,8 % einen überdurchschnittlichen Rückgang der Bestellungen hinnehmen. Auch dies hängt mit den Großaufträgen im Dezember zusammen, von denen die ostdeutsche Industrie stark profitiert hatte. Somit geben die schwachen Januarzahlen allein noch keinen Anlass für übertriebene Konjunktursorgen.

Das Ifo-Geschäftsklima für das westdeutsche verarbeitende Gewerbe ist allerdings im Februar ebenfalls stark eingebrochen. Der Saldo der positiven und negativen Stimmenanteile verlor gegenüber Januar auf einen Schlag fast fünf Punkte und erreichte mit 2,9 Prozentpunkten den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren. Neben den weiter eingetrübten Geschäftserwartungen (-5,8 nach-1,9 Punkten) hat sich jetzt erstmals auch die aktuelle Lage merklich verschlechtert (12,0 nach 17,1 Punkten).

Dagegen hält sich das Ifo-Geschäftsklima im ostdeutschen verarbeitenden Gewerbe weiterhin gut. Mit 14,6 Punkten erreichte es im Februar zwar nicht ganz den Stand des Vormonats, blieb aber auf dem vergleichsweise hohen Niveau des vergangenen Jahres. Im Osten haben sich in den letzten Monaten auch die Exporterwartungen weniger stark eingetrübt als im Westen.

Trübe Aussichten in der Baubranche

In der Bauwirtschaft sieht es immer noch trübe aus. Im Westen sank der saisonbereinigte Auftragseingang im Januar um 3,1 %, im Osten gar um fast 11 %. Zwar war der Ordereingang im Vormonat durch das milde Dezemberwetter begünstigt worden, worauf die Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom März hinweist.

Gleichwohl ist noch kein Ende der anhaltenden Flaute im Baugewerbe absehbar. Nur der lange Zeit besonders stark gebeutelte westdeutsche Wohnungsbau konnte im Januar ein kräftiges Plus von gut 27 % gegenüber Dezember verbuchen. Die mittelfristigen Zeichen stehen weiterhin nicht gut. Sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern bleibt das Ifo-Geschäftsklima des Baugewerbes weiterhin sehr frostig.

Nicht sehr gut ist es nach wie vor um die Einzelhandelskonjunktur bestellt. Ungeachtet der steuerlichen Erleichterungen, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten sind, scheinen die Verbraucher die Taschen weiterhin zugeknöpft zu halten. Entsprechend trübe ist die Stimmung bei den Kaufleuten: Der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel gab zuletzt in beiden Teilen Deutschlands weiter nach. Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze blieben im Januar saisonbereinigt zumindest annähernd stabil. Ein Ende der Nachfrageflaute, welche die gesamte zweite Hälfte des Jahres 2000 bestimmt hatte, ist noch nicht in Sicht.

Bei den Zinssätzen gab es im Februar wenig Bewegung. Sowohl der Zinssatz für Dreimonatsgeld Euribor als auch die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere blieben mit 4,76 % bzw. 4,9 % praktisch auf ihrem Vormonatsstand. Dementsprechend hat sich auch die in den Handelsblatt-Frühindikator eingehende Differenz zwischen den lang- und kurzfristigen Zinsen nicht verändert.

Trotz der zuletzt durchweg schlechter gewordenen Konjunkturdaten signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator mit den zuletzt kleiner gewordenen Rückgängen keineswegs einen ungebremsten Fall des Wirtschaftswachstums. Wie es im späteren Jahresverlauf weitergehen wird, hängt nicht zuletzt von den geldpolitischen Weichenstellungen in nächster Zeit ab.

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