Wachstum trotz Marktschwäche
Microsoft schafft neue Stellen in Deutschland

Weil der PC-Absatz in diesem Jahr fast stagniert, drängt Microsoft auch hier zu Lande verstärkt ins Geschäft mit Betriebssystemen für Netzwerkcomputer. Der neue Chef der deutschen Tochter, Kurt Sibold, will das Servergeschäft mit 100 zusätzlichen Leuten auf Trab bringen.

MÜNCHEN. Der neue Chef von Microsoft in Deutschland, Kurt Sibold, hat große Pläne: Mit 100 neuen Stellen will er das Geschäft mit Netzwerkcomputern (Server) hier zu Lande ankurbeln. Mit einem Marktanteil von mehr als 90 % ist das amerikanische Software-Haus bei Betriebssystemen für PC dominierend. Bei Systemen für Server kommt das Unternehmen hingegen auf 40 % - und sieht deshalb großes Wachstumspotenzial. Derzeit beschäftigt Microsoft in Deutschland 1 200 Mitarbeiter.

Die Tochter des größten Software-Konzern der Welt hat allen Grund, sich nach neuen Märkten umzuschauen. Der PC-Verkauf in Deutschland lahmt. Das traditionelle Feld für das Microsoft Betriebssystem Windows und die Büro-Software Office wird sich in 2001 kaum vergrößern. Sibold rechnet mit einem durchschnittlichen Wachstum des PC-Marktes von 4 % - wenig im Vergleich zu den zweistelligen Zuwachsraten der vergangenen Jahren.

Kaufzurückhaltung belastet

Da so gut wie jeder neu verkaufte PC mit Windows ausgerüstet ist, spürt Microsoft die Kaufzurückhaltung unmittelbar. Einen Verkaufsschub verspricht sich der 52jährige allerdings durch die jüngst eingeführte und sehr umstrittene Registrierungspflicht für Office und künftig auch für Windows XP. Dabei kann die Software dauerhaft nur nutzen, wer sich bei Microsoft anmeldet. Wie viel Software Microsoft dadurch mehr verkaufen kann als bisher, will Sibold nicht sagen. In Deutschland, schätzt die Industrie, ist jedes vierte Software-Produkt eine nicht autorisierte Kopie.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für den Software-Konzern aus Redmond im US-Bundesstaat Washington. Nach den USA, Japan und Großbritannien setzt das Unternehmen hier die meisten Programme ab. Über Umsatz und Gewinn hält sich das Unternehmen allerdings bedeckt. Klar ist jedoch, dass sich Microsoft durch die Einführung der neuen Office-Version XP im vergangenen Mai und Windows XP im Oktober einen Wachstumsschub verspricht. Office XP verkaufe sich gut. Sibold: "Die Ergebnisse können sich sehen lassen". Details verrät der Manager, der seit 1. Juli an der Spitze der Ländergesellschaft steht, nicht.

Politische Unterstützung für Linux

Sibold will wieder engere Kontakte zu deutschen Politikern knüpfen, schließlich ist die öffentliche Verwaltung einer der größten Kunden von Microsoft. "Es geht zu weit, dass sich die Regierung offen für Linux einsetzt." Der Hintergrund: Zuletzt hatten sich zahlreiche deutsche Politiker für so genannte Open-Source-Lösungen stark gemacht, also Betriebssysteme wie Linux, deren Grundlagen offen zugänglich sind und die von jedermann weiterentwickelt werden können. Im Gegensatz zu Windows ist Linux auch gebührenfrei zu bekommen. So hatte das Bundeswirtschaftsministerium erst vor zwei Wochen seine Unterstützung für Linux signalisiert.

"Für die aufstrebende Open-Source- und Linux-Industrie ist die Unterstützung der Politik von großer Wichtigkeit", jubelte daraufhin Dirk Hohndel vom führenden Linux-Anbieter Suse jüngst beim Branchentreff in Stuttgart. Sibold kontert: Rechne man die Kosten über die gesamte Lebensdauer, sei Windows nicht teurer als Linux. Hartnäckig wie Microsoft in der Vergangenheit war, wird das Unternehmen den Großkunden Staat kaum kampflos aufgeben.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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