Wachstum um 0,6 Prozent
Schwächeres Bruttosozialprodukt im dritten Quartal

Wirtschaftswachstum hat sich im dritten Quartal erwartungsgemäß vor allem wegen des schwächeren privaten Verbrauchs verlangsamt. Zwar stiegen die Ausrüstungsinvestitionen, aber der private Konsum legte nur unterdurchschnittlich zu und das Minus bei den Bauinvestitionen vergrößerte sich.

Reuters WIESBADEN. Das deutsche Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Wert der erwirtschafteten Leistung, sei zum zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt um 0,6 % nach 1,1 % im Vorquartal gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Zum Vorjahr legte das BIP in Preisen von 1995 um 2,8 % zu, nach revidiert 3,3 % im Vorquartal. Analysten rechnen für das vierte Quartal mit einer weiteren Abschwächung und erwarten von der EZB zunächst keine weiteren Zinsanhebungen. Für die ersten drei Quartale betrug das Wirtschaftswachstum 3,2 %.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem BIP-Wachstum von 0,6 % zum Vorquartal und 3,3 % zum dritten Quartal 1999 gerechnet.

Konsumausgaben unterdurchschnittlich

Zum Vorjahresquartal stiegen die privaten Konsumausgaben den Angaben zufolge mit 1,8 % nur noch unterdurchschnittlich. Die Bauausgaben gingen sogar um 5,0 % zurück. Neben einem wiederum positiven realen Außenbeitrag wiesen den Angaben zufolge lediglich die Ausrüstungsinvestitionen mit plus 8,8 % und die Investitionen in sonstige Anlagen sowie Vorräte einen kräftigen Zuwachs aus.

Analysten erwarten angesichts der hohen Ölpreise zumindest im nächsten Quartal erneut ein schwächeres Wachstum. "Wenn im vierten Quartal nochmals solche schwachen Zahlen beim Konsum vorliegen, gehen wir von einem BIP-Wachstum von 2,9 % für das Gesamtjahr aus, ansonsten rechnen wir mit einem Gesamt-BIP von 3,0 %", sagte Hans-Jürgen Meltzer von der Deutschen Bank Research in Frankfurt. Nach den schwachen Einzelhandelsumsätzen sei die Entwicklung im Privaten Konsum nicht überraschend.

Langsames Wachstum liege im Trend

Auch nach Einschätzung von Klaus Schrüfer von der BfG Bank bestätigt sich der Trend einer Wachstumsverlangsamung. "Die Verlangsamung wird also im Winterhalbjahr andauern, danach wird das Wachstum jedoch voraussichtlich wieder an Fahrt gewinnen. Holger Fahrinkrug schließt für das vierte Quartal eine Stagnation beim Wachstum nicht aus. Einerseits dürfte der private Konsum weiter abnehmen. Zugleich werde sich der Außenbeitrag, also die Differenz aus Exporten und Importen ebenfalls zurück gehen, und zwar hauptsächlich weil die Ölpreisentwicklung die Importe verteuern werde.

Einig sind sich die Experten darin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zunächst die Leitzinsen unverändert lassen sollte, um nicht durch eine zu straffe Geldpolitik das Wachstum abzuwürgen. "Aus deutscher Sicht sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass die EZB die Zinsen nicht weiter erhöhen sollte", sagte Fahrinkrug.

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