Wachstum verliert an Schwung
Spanische Wirtschaft wächst langsamer

Die Konsumzurückhaltung der Verbraucher bremst die Konjunktur

ost/Bloomberg DÜSSELDORF. Die spanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal an Schwung verloren. Gegenüber dem Vorquartal wuchs die Wirtschaft saisonbereinigt um 0,4 %. Im ersten Vierteljahr lag das Wachstum noch bei 0,5 %, berichtete die spanische Statistikbehörde gestern.

Ökonomen hatten im Schnitt für das zweite Quartal ein Wachstum von 0,5 % erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr legte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2 % zu. Für das zweite Halbjahr sind Volkswirte nun nicht mehr besonders optimistisch: "Auch in der zweiten Jahreshälfte wird sich die Dynamik nicht deutlich erhöhen", so die Ökonomen der Commerzbank.

Im europäischen Vergleich hat sich die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im zweiten Quartal aber gar nicht so schlecht geschlagen: In Deutschland wuchs die Wirtschaft zum Vorquartal nur um 0,3 %, in Italien um 0,2 % und in den Niederlanden gar nur um 0,1 %.

Hauptgrund für das schwächere Wachstum waren die lahmenden Konsumausgaben. Der private Verbrauch stieg zwischen April und Juni im Quartalsvergleich gerade einmal um 0,3 %. "Die Leute geben auf jeden Fall nicht mehr so viel Geld aus wie früher", bestätigt Luis Peraita, Inhaber eines Hifi-Geschäfts in Madrid. Im Jahresvergleich ist die gesamte Inlandsnachfrage nur noch um 1,6 % gewachsen, zwischen Januar und März lag das Plus noch bei 2,2 %. Ökonomen erklären die Konsumzurückhaltung vor allem damit, dass immer mehr Spanier Angst vor dem Verlust ihres Jobs haben. Mit einer Arbeitslosenquote von 11,5 % ist Spanien in der Job-Statistik das Schlusslicht in der Euro-Zone.

Zudem laufen die Geschäfte in der Tourismus-Branche, auf die 12 % der gesamten Wirtschaftsleistung entfällt, derzeit alles andere als gut. Allein aus Deutschland kamen im Juli 20 % weniger Urlauber als ein Jahr zuvor. "Das aktuelle Marktumfeld ist schwierig", berichtet Jaime Puig de la Bellacasa, hochrangiger Manager bei der Hotelkette Sol Melia SA.

Relativ positiv entwickelten sich in Spanien im zweiten Quartal dagegen die Exporte: Sie stiegen mit 1,3 % gut doppelt so stark wie die Importe. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen schrumpften im Quartalsvergleich um 0,2 %, die Bauinvestitionen waren dagegen 1,4 % größer als in der Vorperiode.

Die spanische Regierung hatte bereits kürzlich ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr auf 2,2 von 2,4 % gesenkt. Die Europäische Zentralbank rechnet in Spanien im laufenden Jahr mit 2,1 % Wachstum, während sie für die gesamte Euro-Zone 1,4 % erwartet.

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