Wachstums- und Ertragsziele konkretisiert: Neuer Beru-Chef bleibt auf altem Kurs

Wachstums- und Ertragsziele konkretisiert
Neuer Beru-Chef bleibt auf altem Kurs

Der neue Vorstandschef des auf Diesel-Technologie spezialisierten Autozulieferers Beru, Marco von Maltzan, will den Kurs seines Vorgängers Ulrich Ruetz fortführen. Für die anvisierten Zukäufe gibt sich der bisherige Chef der Motorradsparte von BMW aber etwas länger Zeit.

Reuters LUDWIGSBURG. "Wir müssen das Tempo eher noch steigern", sagte von Maltzan der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag auf die Frage nach einer Kurskorrektur. Das sei beim Geradeausfahren leichter als in der Kurve. Dabei setzt der neue Beru-Chef weiter auf den Diesel-Boom. Die Selbstzünder-Motoren hinkten in der Entwicklung noch hinter den Benzinmotoren her. Bei Verbrauch und in der Abgasreinigung gebe es noch viel zu tun. Chancen für Beru sieht von Maltzan etwa in der Reinigung der vielfach geforderten Partikelfilter. Das sei durch Zuheizsysteme möglich, wie sie Beru schon anbietet, um den Innenraum von Diesel-Fahrzeugen zu wärmen. Auch in den USA werde sich der Diesel durchsetzen. "Das wird kommen", sagte der seit 1. April amtierende Vorstandschef.

Von Maltzan konkretisierte die Wachstums- und Ertragsziele von Ruetz, der Beru 20 Jahre geführt hatte. 2003/04 wolle Beru den Wachstumskurs wieder aufnehmen. "Ich bin optimistisch, ein Umsatzwachstum von zehn Prozent realisieren zu können", sagte er. Im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2002/03 (zum 31. März) habe Beru das Ziel eines Umsatzes auf dem Vorjahresniveau von 303 Mill. ? erreicht. Zum Gewinn wollte er sich nicht äußern. Das im MDax gelistete Unternehmen hatte - bereinigt um Sondereffekte - ein konstantes Ergebnis vor Steuern anvisiert. Die operative Umsatzrendite soll auch künftig oberhalb des für die Branche ungewöhnlich hohen Niveaus von 15 % bleiben. "Dem Ziel verschreibe ich mich auch", bekräftigte von Maltzan.

Auf kurzfristige Zukäufe will sich von Maltzan nicht mehr festlegen. "Die Größenordnung, die wir 2004/05 erreichen wollen, sind 500 Mill. ? Umsatz", betonte der 48-Jährige. "Aber auf Teufel komm raus machen wir keine Akquisition." Ruetz hatte mehrfach Zukäufe angekündigt, die Termine aber angesichts der zu hohen Preise oder des Umfeldes verstreichen lassen. Derzeit sehe man sich zwei Unternehmen an, sagte von Maltzan. "Aber das geht nicht von heute auf morgen."

Dennoch setzt er sich unter Druck: Wenn man die rund 120 Mill. ? an liquiden Mitteln in spätestens zwei Jahren nicht sinnvoll ausgegeben habe, müsse man überlegen, ob man das Geld nicht besser an die Aktionäre zurückgebe - etwa über eine Sonderausschüttung. Das Verhältnis zum Großaktionär Carlyle (37 %) will von Maltzan entspannen. "Es bringt nichts, sich in der Öffentlichkeit gegen einen Aktionär zu positionieren", sagte er. Für die befürchtete feindlichen Übernahme von Beru gebe es keine Anzeichen. "Aber dass ein Fonds andere Zielsetzungen hat, ist legitim", fügte er hinzu.

Im Visier hat von Maltzan den US-Markt und das lukrative Ersatzteil-Geschäft. In den USA spreche Beru zurzeit über einen Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Zulieferer Lear. Dabei gehe es um die in den USA ab Herbst 2003 verlangten Systeme zur Reifendruck-Kontrolle. Beru selbst war angesichts der teureren Technik dort mit einem Millionenauftrag bei Ford nicht zum Zug gekommen. Jetzt wollen die Ludwigsburger nur die Entwicklung übernehmen und Lizenzgebühren von Lear kassieren.

Von Maltzan war nach 16 Jahren bei BMW Anfang des Jahres zu dem Hersteller von Glüh- und Zündkerzen gestoßen. In München hatte er seit dreieinhalb Jahren die 1,1 Mrd. ? Umsatz starke Motorrad-Sparte geführt. Den Chefposten bei Beru habe er einem möglichen Aufstieg in den BMW-Vorstand vorgezogen: "Mich interessiert die Gesamtverantwortung", sagte von Maltzan.

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