Wachstumsaussichten
Kommentar: Eichels späte Erkenntnis

Was die Spatzen längst von den Dächern gepfiffen hatten, ist nun offiziell: Finanzminister Hans Eichel (SPD) senkt seine Wachstumserwartungen für Deutschland drastisch.

Mit seiner nach unten korrigierten Prognose passt er sich dem allgemeinen Stand der Erwartungen nach den Terroranschlägen vom 11. September an. Eichel kommt damit den Forschungsinstituten zuvor, die in der kommenden Woche ein mit Sicherheit recht pessimistisches Herbstgutachten vorlegen werden. Danach hätte der Minister seinen bislang verkündeten Zweckoptimismus ohnehin nicht mehr aufrechterhalten können.

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Rezessionsangst fällt es Eichel nicht schwer, die Wachstumsschwäche in Deutschland der Weltkonjunktur und dem Schock der Terroranschläge zuzuschreiben. Das ist natürlich nicht falsch - aber eben nur die halbe Wahrheit. Man erinnere sich, dass zum Beispiel der Internationale Währungsfonds schon vor dem 11. September für 2001 nur noch 0,8 Prozent Wachstum in Deutschland prognostiziert hatte - und damit zum Teil deutlich weniger als in allen anderen Staaten der Euro-Zone. Die deutsche Volkswirtschaft hat also offensichtlich ganz unabhängig von den Anschlägen den weltweiten Konjunktureinbruch besonders schlecht verkraftet. Das sollte für die rot-grüne Koalition jedenfalls Anlass zum Nachdenken sein.

Haben oder bekommen wir nun eine Rezession? Die zahlreichen revidierten Wachstumsprognosen geben das nicht wirklich her. Sie bilden zunächst einmal ab, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal kaum gewachsen ist. Nur Optimisten rechnen derzeit mit nennenswertem Wachstum im vierten Quartal, das mag man dann zusammengenommen als Rezession bezeichnen. Viel entscheidender ist aber: Niemand, auch nicht der größte Pessimist unter den Prognostikern, erwartet, dass sich diese Stagnationsphase länger als bis Mitte 2002 hinzieht. Auch wenn die Aussichten alles andere als rosig sind: Grund zur Panik sind sie auch nicht.

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