Wachstumserwartungen der Gasbranche
Müller soll Eon Ruhrgas-Übernahme erlauben

Das Bundeskartellamt hat die Fusion von Eon und Ruhrgas untersagt. Doch wird die Bundesregierung die Übernahme wohl per Ministererlaubnis gestatten. Die Konzentration in der europäischen Energiebranche geht weiter. Stromkonzerne haben ihre Vorliebe für Gasunternehmen entdeckt.

HB DÜSSELDORF. Der blaue Brief aus Bonn wurde zum Wochenende in Düsseldorf zugestellt: Das Bundeskartellamt untersagt den ersten Schritt der Eon AG zur Übernahme der Macht bei der Essener Ruhrgas AG. Der Gelsenberg-Anteil von 25,5 % an der Ruhrgas bleibt vorerst im Besitz der BP AG.

Damit ist die Mehrheit beim größten privaten Gashändler in Europa für die Düsseldorfer scheinbar blockiert. Und auch die RWE AG, Vodafone Plc. und Thyssen-Krupp AG, die ihre Ruhrgasanteile ebenfalls verkaufen wollen, müssen noch auf die Millionen aus der Eon-Kasse warten. Doch Eon kündigte sogleich an, dass der Konzern bei der Bundesregierung eine Ministererlaubnis beantragen wird.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller könnte für eine Erlaubnis gute Gründe anführen: Bei Zusammenschlüssen kann er gesamtwirtschaftlich positive Aspekte würdigen. Der parteilose Minister wünscht sich international starke deutsche Energiekonzerne, die die Versorgungssicherheit gewährleisten. Müller hebt hervor, Ruhrgas sei europaweit mit gerade einmal 13 % Marktanteil kein dominierender Wettbewerber.

Dagegen muss Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamts, allein auf nationale marktbeherrschende Verstärkungen achten. Seine Prognose berücksichtigt dabei nur einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren - was zu wenig sei, erklärte der Essener Professor Dieter Schmitt, Moderator der Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft 2002", in Berlin. In spätestens fünf Jahren gebe es auf dem europäischen Markt aber keine Integrationshemmnisse mehr, prognostiziert Schmitt.

Voraussetzungen für Durchleitungswettbewerb

Vor rund 850 Branchenvertreter resümierte Schmitt in Berlin: "Nur wenn die Gasbranche endlich ihrer Bringschuld genügt, die Voraussetzungen für einen bundesdeutschen Durchleitungswettbewerb zu schaffen, dürfen weitere Zusammenschlüsse von Strom und Gas hier zu Lande kurzfristig genehmigt werden." Der Konzentrationsprozess sei nicht aufzuhalten, weil der Investitionsbedarf bei Erdgas stabile und finanzstarke Akteure erforderlich mache, meinte der Essener Hochschullehrer. Im Zentrum des Interesses stehen dabei die Gasunternehmen, denn Erdgas ist der Wachstumsmarkt schlechthin. Während der gesamte Energieverbrauch in den nächsten zehn Jahren um 1 % pro Jahr wachsen soll, sind es nach der Prognose von Patrice de Vivies, Vizepräsident der Totalfina Elf, bei Erdgas jährlich 5 %. Dies erfordere "einen gigantischen Investitionsbedarf". Dabei stünden die Unternehmen mitten in einer großen Herausforderung: der Liberalisierung ihrer bisher abgeschotteten Märkte.

Die Strombranche hat auf stagnierende Strom-Märkte in Europa längst reagiert. Weiteres Wachstum soll das Erdgasgeschäft bringen - per Einstieg oder Ausbau. Walter Hohlefelder, Vorstand der Eon Energie AG, hob hervor, dass die Liberalisierung der Märkte die volle Integration der Wertschöpfungskette notwendig mache. Nur so könnten Unternehmen die künftig stark schwankenden Erlöse bei gleichzeitig kapitalintensiven Investments verkraften. Der Kapitalmarkt begrüße und honoriere die Vollintegration, betonte Johannes Maret, persönlich haftender Gesellschafter vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Das Thema Vollintegration schreibt auch die Gaswirtschaft groß. Für den Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann und für den Spitzenmanager der italienischen Snam, Domenico Dispenza, steht fest, dass Gasversorger, die von der Quelle bis zum Endkunden gut positioniert sind, stark im Wettbewerb sein werden. Bergmann meinte, man müsse angesichts der finanziellen Dimension dieser Aufgabe akzeptieren, wenn finanzkräftige große Stromunternehmen in den Wachstumsmarkt Erdgas drängten. "Kapital ist nicht branchengebunden", sagte Bergmann - und begrüßte damit schon indirekt die Fusion von Eon und Ruhrgas.

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