Wachstumseuphorie ist vorbei
Karriere in Zeiten des Abschwungs

Wird aus dem Kampf um Talente ein Kampf der Talente? In einer Phase des abgeflachten Wirtschaftswachstums nimmt der "war for talents" zum Teil absurde Züge an. Beinahe täglich kündigen internationale Unternehmen die Entlassung Hunderter oder Tausender von Mitarbeitern an und begründen dies mit zurückgehenden Gewinnen. Auf der anderen Seite besteht - wenn man den Veröffentlichungen glauben kann - in Deutschland nach wie vor ein Mangel an hochqualifizierten Fachkräften. Insgesamt hat diese Situation sicherlich Auswirkungen auf die Karriere- und Verdienstmöglichkeiten von Mitarbeitern, insbesondere in der zurzeit arg gebeutelten High-Tech Branche.

Die Internet-Euphorie ist vorüber. Diese Erkenntnis ist nicht neu, betrifft aber inzwischen auch die etablierteren Unternehmen. Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass das Bezahlungsniveau im High-Tech-Bereich nach heftigen Steigerungsraten im Durchschnitt nunmehr stagniert, in Teilbereichen sogar zurückgeht. Sicher gilt diese Entwicklung nicht für alle Mitarbeiter, Leistungsträger werden auch in Zukunft mit Einkommenssteigerungen rechnen können. Berücksichtigt man aber die gegenwärtige Welle des Stellenabbaus, die Flaute in der New Economy sowie das zurückhaltende Verhalten von Unternehmen bei Gehaltserhöhungen und Tantiemen, kommt man zu der Erkenntnis, dass die Wachstumseuphorie vorbei ist: Mitarbeiter mit relativ hohen Einkommen verlieren ihren Job, jüngere mit niedrigeren Einkommen rücken nach, der Durchschnitt sinkt ab.

Welche Auswirkungen hat das auf die Karriere? Für Mitarbeiter und Nachwuchskräfte, die jetzt in den Arbeitsmarkt drängen, wird dies Konsequenzen haben:

>> Die Einstiegsgehälter werden nicht mehr in den Himmel wachsen. Mit einigen wenigen Ausnahmen werden sie in der nahen Zukunft auf dem gegenwärtigen Niveau verharren, unter Umständen sogar zurückgehen. Die Zeiten, in denen mit einem durchschnittlichen Universitätsabschluss Anfangsgehälter von 85 000 bis 90 000 DM gefordert und auch gezahlt wurden, sind wahrscheinlich vorläufig vorbei.

>> Unternehmen werden in der Auswahl ihrer Mitarbeiter wählerischer sein. Ausbildung, berufliche Erfahrung und Geradlinigkeit des Werdegangs werden wieder mehr zählen. Dies heißt nicht, dass Job- und Unternehmenswechsel im Lebenslauf kritisch betrachtet werden, wohl aber wird man darauf achten, ob hinter den Wechseln eine konsequente Entwicklung steht.

>> Für Mitarbeiter und Bewerber wird es deshalb wichtig sein, die persönliche Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen - und nicht unbedingt die kurzfristige Gehaltsperspektive.

>> In diesen Zeiten ist fachliche Kompetenz gefordert, bei Führungskräften und auch schon beim Führungsnachwuchs. Für Spezialisten wird die Halbwertzeit des Wissens immer kürzer. Dies bedeutet, dass Fortbildung absolut notwendig ist, in vielen Fällen allerdings allein schon nicht mehr ausreicht.

Wie reagieren Unternehmen auf die Situation? Untersuchungen zeigen, dass erfolgreiche Unternehmen ein paar Dinge anders machen als durchschnittlich erfolgreiche:

>> Sie kommunizieren eindeutig ihre Visionen und die damit verbundenen Werte.

>>Sie legen großen Wert auf die Entwicklung ihrer Mitarbeiter und verfügen über entsprechende Programme.

>> Sie sind konsequent leistungsorientiert und verankern diese Einstellung auch in ihren Vergütungssystemen.

Die gegenwärtige Situation bietet für viele Unternehmen die Chance, Vergütungssysteme endlich so zu nutzen, wie sie wirklich gedacht waren. Boni werden nach Leistungsbeiträgen differenziert, die wirklich guten Leute erhalten deutlich mehr als Mitarbeiter, die Durchschnitt leisten, oder diejenigen, die hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das Risiko wird größer, allerdings auch die Chancen für die Leistungsträger.

Fallen Gehaltserhöhungen aus? In vielen Fällen nicht, allerdings wird man sich insbesondere in der High-Tech-Branche auf magerere Zeiten einstellen müssen. Saftige Gehaltserhöhungsbudgets werden auf echte Engpässe beschränkt bleiben: Vertrieb, IT-Consulting, Entwicklung, Netzwerktechnik. Hier liegen zurzeit die "hot skills".

In anderen Bereichen haben Unternehmen deutlich geringere Budgets (zwei bis vier Prozent), zum Teil sogar Nullrunden oder Verschiebungen der Gehaltsrunde angekündigt, um mehr Spielraum zu bekommen und möglicherweise über Sonderboni die wirklich guten Mitarbeiter für ihre Beiträge zu honorieren. Besonders hart wird es wahrscheinlich die Telekommunikationsbranche treffen. Waren hier in der Vergangenheit überdurchschnittliche Erhöhungen drin, werden die Budgets drastisch zurückgenommen, zum Teil auf die Hälfte des in der Vergangenheit gewohnten.

Was ist in der Zukunft zu erwarten? Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass magere Zeiten anbrechen. Es wird jedoch zunehmend darauf ankommen, dass der fachliche Hintergrund stimmt, Initiative bei der Weiterbildung und Realismus in der Einschätzung der wirtschaftlichen Situation des Arbeitgebers gezeigt wird. In jedem Fall führt die gegenwärtige Situation zu einer Konsolidierung des High-Tech-Marktes. Wer schon immer realistisch die Entwicklung der Märkte analysiert hat, wird von dieser Entwicklung nicht überrascht. Entwicklungspotenzial für Karriere und Einkommen wird es weiterhin geben, nur wird Beides in naher Zukunft nicht mehr mit dem Füllhorn über alle ausgeschüttet werden, die sich in diesem Markt tummeln.

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