Wachstumsmarkt gerät ins Stocken
Telekom-Firmen streichen jeden fünften Job

Beschäftigungsrückgang, kaum noch Umsatzwachstum - das waren die schlechten Nachrichten, die Telekom-Regulierer Matthias Kurth am Mittwoch bei der Vorlage seines Jahresberichts überbrachte. Er gab sich dennoch optimistisch und hofft, dass der Start der neuen UMTS-Mobilfunktechnik dem Markt neue Impulse gibt.

slo BONN. Der Wachstumsmarkt Telekommunikation gerät ins Stocken: Zum ersten Mal seit der Liberalisierung des Marktes vor fünf Jahren ist die Beschäftigung zurückgegangen, und die Umsätze der Unternehmen sind nur noch leicht gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hervor, den Behördenpräsident Matthias Kurth gestern vorlegte.

Demnach arbeiteten Ende 2002 rund 230 000 Menschen in der Telekommunikationsbranche und damit 5 % weniger als im Vorjahr. Der Grund: Bei Konkurrenzunternehmen der Deutschen Telekom sind 12 000 und damit 20 % der Jobs weggefallen. Die Umsätze der Branche stiegen laut Regulierer um 3 % auf 61 Mrd. Euro - das ist der geringste Zuwachs seit Marktöffnung.

Trotz allem geht Kurth weiter von einem funktionierenden Wettbewerb im Markt aus. Wenn in Hamburg 12 %, in Köln 21 % und in Oldenburg sogar 23 % aller Telefonkanäle von Wettbewerbern bereitgestellt würden, dann sei bewiesen, dass die Telekom-Konkurrenten nennenswerte Marktanteile erobern könnten. Im Schnitt entfallen allerdings nur 4,4 % aller Telefonanschlüsse auf die Wettbewerber. Das ist immerhin ein kleiner Fortschritt gegenüber dem Vorjahr: Im Jahr 2001 kam die Konkurrenz auf einen Marktanteil von 3 %.

Auch auf dem Markt für schnelle Internet-Zugänge mit DSL-Technik konnten die Wettbewerber zulegen: Sie verdoppelten ihren Anteil auf 6 %. Insgesamt gab es laut Regulierungsbehörde Ende vergangenen Jahres knapp 3,3 Millionen DSL-Anschlüsse, davon entfielen 3 Millionen auf die Telekom.

Solche kleine Fortschritte seien aber nach mehr als vier Jahren Liberalisierung nicht zufriedenstellend, sagte Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Verbandes der regionalen Netzbetreiber Breko. Er kritisierte, der Jahresbericht der Behörde beschönige die Lage der Branche.

Kritik kam auch von dem Branchenverband VATM: Man dürfe nicht von den Erfolgen einzelner Unternehmen in Städten wie Köln, Hamburg und Oldenburg auf die Branche schließen, sagte Geschäftsführer Jürgen Grützner. Schaue man nicht nur auf einzelne Regionen, sondern auf den Gesamtmarkt, könne man nicht von einem funktionierenden Wettbewerb sprechen. Grützner: "Vielmehr wird klar, dass die Verdrängungsstrategie der Telekom weiter funktioniert." Die Konkurrenten sprechen daher von einer Rückkehr des Monopols.

Eine Besserung der Lage sehen sie noch nicht. Für das laufende Jahr geht der Branchenverband Bitkom ebenfalls wieder nur von einem leichten Umsatzwachstum im deutschen Telekommarkt aus: 2,6 %. Für die westeuropäischen Länder ist der Verband optimistischer und erwartet ein Plus von 4,4 %. Kurth hofft, dass künftig vor allem die drahtlosen Internetzugänge (WLAN) und der Start der neuen Mobilfunktechnik UMTS dem deutschen Markt Impulse geben.

Häufig haben die Telekom-Konkurrenten dem Regulierer vorgeworfen, Entscheidungen zugunsten des Ex-Monopolisten zu treffen. Dabei erhalten Sie jetzt Schützenhilfe von wissenschaftlicher Seite. Die wichtigsten Entscheidungen der Regulierungsbehörde hätten eher positiven Einfluss auf den Aktienkurs der Telekom gehabt. Das geht aus einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Studie des Kapitalmarktforschers Bernd Rudolph hervor. Auftraggeber der Studie ist eine Rechtsanwaltskanzlei, die unter anderem Telekom-Wettbewerber berät.

In diesem Jahr stehen erneut einige wichtige Entscheidungen der Regulierungsbehörde an: Kurth muss in den nächsten Wochen darüber entscheiden, ob und wie der Wettbewerb im Ortsnetz funktionieren soll. Er muss die Gebühren festlegen, die die Wettbewerber an die Telekom zahlen müssen, wenn sie Ortsgespräche anbieten und dabei Telekom-Leitungen nutzen wollen. Nach Informationen aus der Branche erwägt die Telekom einen Aufschlag von 0,3 Cent pro Minute auf die bisherige Gebühr. Das höhere Entgelt soll dann aber grundsätzlich gelten - nicht nur für Ortsgespräche. Mit einem entsprechenden Antrag beim Regulierer ist nächste Woche zu rechnen.

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