Wachstumsmotor Auto- und Mobilfunk-Industrie: Sprachtechnologie auf dem Vormarsch

Wachstumsmotor Auto- und Mobilfunk-Industrie
Sprachtechnologie auf dem Vormarsch

Moderne Sprachtechnologie hat mittlerweile viele Kinderkrankheiten hinter sich gelassen. Die Auto- und Mobilfunkbranche treiben hier zu Lande die Entwicklung neuer Anwendungen voran.

HB/dpa HANNOVER. Neueste Navigationssysteme "verstehen" den Fahrer und müssen nicht mehr per Tastatur gefüttert werden. Und vor allem das Handy soll künftig von den neuen Entwicklungen profitieren. Die Bedienung der immer kleineren Tastaturen könnte dank "Sprachbegabung" künftiger Mobiltelefone bald komplett überflüssig werden. Auf der CeBIT in Hannover zeigten zahlreiche Unternehmen ihre aktuellsten Anwendungen.

Die Verknüpfung von Sprache mit der Verarbeitung digitaler Informationen könnte sich als der großer Renner erweisen. Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan wird allein der US-Markt für Sprachtechnologiesoftware von 200 Millionen in 2001 auf 700 Millionen Dollar in 2006 wachsen. In zwei Jahren wird die Hälfte aller Handys mit Spracherkennung ausgerüstet sein, prognostiziert eine Studie der VDI/VDE Informationstechnik GmbH. -Technologiezentrum

Mercedes-Fahrer brauchen die Hände nicht mehr vom Lenkrad zu nehmen, um das Telefon oder das Radio zu bedienen. Ein Wort genügt und das Telefonbuch wird aufgeschlagen oder der Sender gewechselt. Auch Honda hat einige seiner Modelle der Accord-Serie in den USA bereits mit einem Navigationssystem ausgestattet, das auf Zuruf den schnellsten Weg beschreibt.

Noch vor wenigen Jahren war es oft mühsam, Spracherkennungssoftware etwa zur Steuerung des PCs zu trainieren und erfolgreich einzusetzen. Mit neuen Anwendungen wie der Software Voice Pro von Linguatec soll aufwendiges Sprechertraining künftig der Vergangenheit angehören. Auch Erkennungsfehler soll ein USB-Headset an Stelle des analogen Mikrofons bis zu 50 Prozent reduzieren. Das Produkt basiert nach Angaben des Unternehmens auf der neuesten Technologie von IBM Via-Voice Pro 10.

Bislang regten maschinelle Übersetzungen eher zum Schmunzeln als zum Staunen an. IBM will auf der CeBIT demonstrieren, dass sich Menschen künftig in Echtzeit in verschiedenen Sprachen unterhalten können. In Hannover zeigt der Softwarekonzern als Prototyp ein universell einsetzbares Übersetzungssystem, das erstmals Spracherkennung, maschinelle Übersetzung und Sprachausgabe in Echtzeit verbindet. Der "IBM Mastor" (Multilingual Automatic Speech- to-Speech Translator) wurde vom IBM Watson Research Center in New York entwickelt und übersetzt in Echtzeit zunächst die Sprachen Englisch und Mandarin.

In großem Maßstab sind moderne Sprachdialog-Systeme vor allem bei Banken Versicherungen, Luftfahrtgesellschaften, im Versandhandel, aber auch in Kinos und Theatern erfolgreich im Einsatz. "In erster Linie werden Sprach-Dialog-Systeme im hochgradig standardisierten Auskunftsbereich verwendet", sagt der Vize-Präsident des Call Center Forums Deutschland, Manfred Stockmann. Soll ein Anrufer durch Kundennummer identifiziert oder der Reisende über die nächsten Verbindungen informiert werden, findet längst ein Computer seinen Einsatz. "Der Computer wickelt die Telefonate durchschnittlich 10 Sekunden schneller ab. Bei 10 000 Anrufern täglich ist das deutlich preisgünstiger", so Stockmann.

Bis zum Siegeszug der Sprachtechnologie in der Unterhaltungsindustrie wird nach Meinung von Experten jedoch noch einige Zeit ins Land gehen. Sprachsteuerung für Videorecorder und TV- Geräte sei derzeit "kein Hauptthema" für Panasonic, so Peter Weber, Pressesprecher des Unternehmens in Deutschland. "Die Spracherkennungssoftware muss absolut perfekt sein und jederzeit funktionieren. Davon ist man allerdings noch ein Stück entfernt."

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