Wachstumsprognosen gesenkt
Deutsche Bank sieht Konjunkturerholung gefährdet

Nach Meinung von Chefvolkswirt Norbert Walter erlebt Deutschland einen Krisensommer und steht vor einem wenig erfreulichen Herbst. Dennoch sind für ihn Aktien die beste Altersvorsorge.

Reuters FRANKFURT. "Mein Urteil ist, dass wir einen Krisensommer haben und dass der Herbst nicht richtig erfreulich wird", sagte Walter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Von der europäischen Wirtschaft gehe keine eigenständige Dynamik aus. Die Wirtschaftserholung in Europa sei im ersten Halbjahr 2002 zudem so schwach gewesen, dass nicht von einem Aufschwung, sondern bestenfalls von einer Erholung nach einer ausgeprägten Krise im Herbst 2001 die Rede sein könne. Die jüngsten Verluste an den internationalen Aktienmärkten bedrohten die Realwirtschaft zwar kaum direkt, wirkten aber psychologisch negativ. Trotz der Krise hielt Walter Aktien weiterhin für eine lohnende Anlageform für die Altersvorsorge.

Die Deutsche Bank hatte erst vor wenigen Wochen ihre Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Hatte sie im Frühjahr mit einer Prognose 1,6 Prozent noch die Optimisten angeführt, so geht sie nun in diesem Jahr nur noch von einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,7 Prozent aus. Am Donnerstag hatte auch die Hypo-Vereinsbank ihre Prognose drastisch auf 0,25 Prozent von zuvor 1,0 Prozent gesenkt. Die Dresdner-Bank-Prognose liegt bei 1,0 nach zuvor 1,3 Prozent, die Bundesregierung geht weiterhin von etwa 0,75 Prozent aus.

Walter: Aktienverluste drücken den Konsum kaum

Einen direkten und nachhaltigen Einfluss der Aktienkursverluste auf den privaten Konsum erwartet Walter nicht, weil der Anteil der Aktienbesitzer an der Gesamtbevölkerung in Deutschland noch immer vergleichsweise gering sei. "Aber wir haben andere Belastungsfaktoren", sagte Walter und nannte eine weniger ermutigende Wirtschaftspolitik als in den USA sowie die hohe Zahl der Arbeitslosen. "Das zusammengenommen bedeutet, dass wir wahrscheinlich eben so schwache Konsumausgaben haben, wie das in anderen Ländern auch der Fall ist."

In Europa sei die Inlandsnachfrage nicht nur beim Konsum schwach, sondern auch bei den Investitionen. "Das kann man sich aber denken: Wenn die Erwartungen über die Gesamtnachfrage enttäuscht wurden, dann hat man natürlich zuviele Kapazitäten und diese zu großen Kapazitäten sind kein Anlass, jetzt zu investieren." Als zusätzlicher Belastungsfaktor komme in Deutschland die Schwäche im Baugewerbe hinzu.

Walter: Aktien weiter beste Altersvorsorge

Trotz der Krise sah Walter die Aktien als Anlageform für die Altersvorsorge nicht als diskreditiert an, obwohl das Platzen der Blase nach dem enormen Kursauftrieb am Ende der neunziger Jahre und zu Beginn des Jahres 2000 das Misstrauen verstärkt habe. "In Deutschland ist Spekulation ein Schimpfwort...und natürlich fragen jetzt viele: 'Jetzt wollt ihr auch noch unsere Altersvorsorge auf einen so schwankenden Boden stellen?' Nein, das will niemand." Aber die Aktie sei über längere Zeiträume weltweit die Anlage mit den höchsten Renditen. Deshalb solle ein Teil der Altersvorsorge auch in Zukunft in Aktien gehen. Dabei komme es jedoch auf eine sektorale und internationale Diversifizierung an. Und wenn man sich dem Pensionsalter nähere, gelte es umzuschichten in Anlagen, die nicht so hohe Kursschwankungen haben.

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