Wachstumsprognosen werden gesenkt: Institute halten Rezession für möglich

Wachstumsprognosen werden gesenkt
Institute halten Rezession für möglich

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland schließen nicht aus, dass die deutsche Wirtschaft bereits in einer leichten Rezession steckt. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) kündigte an, seine Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich zu senken.

Reuters BERLIN. "Die Wirtschaft durchläuft eine Zitterpartie - ich halte eine technische Rezession nicht mehr für unwahrscheinlich", sagte Udo Ludwig, Konjunkturexperte beim Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle, der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die meisten Forscher wollten jedoch eher von einer Stagnation als einer Rezession sprechen, die nach technischer Definition durch mindestens zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung gekennzeichnet ist.

BIP-Rückgang Ende 2002 und Anfang 2003 möglich

Das Statistische Bundesamt wird in der kommenden Woche seine erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal vorlegen. Die Bundesbank hat bereits einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) errechnet, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet ein Minus von 0,2 %. "Gegenwärtig ist die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland kraftlos und droht in eine Rezession abzugleiten", resümierten die DIW-Forscher die konjunkturelle Lage. Nachdem die Binnenkonjunktur schon lange schwer angeschlagen sei, schwächten sich nun wegen der Kriegsgefahr im Irak auch noch die außenwirtschaftlichen Impulse ab.

Neben dem DIW, dem RWI und dem IWH halten auch das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo), das Hamburgische Welt-Wirtschaftsarchiv (HWWA), und das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel ein negatives Wachstum im laufenden und im vergangenen Quartal für möglich. Allerdings betonten die meisten Forscher, dass die derzeitige Wirtschaftslage eher eine Stagnation als eine Rezession sei. "Ich würde etwa bei zwei Quartalen mit minus 0,1 % eher von einer Stagnation sprechen", sagte beispielsweise der HWWA-Konjunkturexperte Eckhart Wohlers.

RWI will Prognose in Richtung 0,5 Proeznt senken

Nach dem DIW schätzt inzwischen auch das RWI die Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr pessimistischer als noch vor wenigen Monaten ein. "Wir werden unsere Prognose Anfang März in Richtung 0,5 % senken", sagte RWI-Volkswirt Ullrich Taureg am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Im Dezember hatte das Institut noch ein Wachstum von 1,1 % erwartet. Das DIW hatte im Januar als erstes der führenden Institute in diesem Jahr seine Prognose auf 0,6 % von zuvor 0,9 % gesenkt.

Im vergangenen Jahr war das reale BIP um 0,2 % gewachsen. Die Bundesregierung rechnet für 2003 mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass Deutschland bei einem Wachstum von unter einem Prozent erneut die europäische Defizitobergrenze von drei Prozent des BIP verfehlen wird.

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