Wachstumsprognosen werden reihenweise gesenkt
Banken rechnen mit leichter Rezession

Die Großbanken beobachten die Konjunktur in Deutschland mit wachsender Sorge. Nun glaubt auch die Deutsche Bank, dass die Wirtschaft zum Jahresende wie 2001 in eine leichte Rezession rutscht.

Reuters FRANKFURT. Doch nicht alle Institute gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpft. "In diesem und im nächsten Quartal erwarten wir negatives Wachstum - dies würde also eine Mini-Rezession bedeuten", sagte Volkswirt Ulrich Beckmann von der Deutschen Bank am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Für das Gesamtjahr 2002 erwartet die größte deutsche Bank nur noch den Hauch eines Wachstums von 0,1 Prozent, nachdem es in den vergangenen Monaten seine Prognose schon mehrfach gesenkt hatte. Wie auch viele andere Experten erwarten die Bankvolkswirte, dass ein Irak-Krieg den Ölpreis weiter in die Höhe treiben und das Wirtschaftsvertrauen schwächen würde.

Die Regierungsprognose von rund 0,75 Prozent Wachstum für dieses Jahr gilt damit als immer unwahrscheinlicher. Erst im November wird jedoch die offizielle Prognose im Rahmen der Steuerschätzung revidiert. Im kommenden Jahr rechnet Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) trotz einer Prognose von 2,5 Prozent inzwischen bei der Haushaltsplanung mit einem Wachstum von nur noch 1,5 Prozent. Auch diese Zahl betrachten mehr und mehr Experten als Wunschdenken: Die Deutsche Bank erwartet nur ein Plus des BIP von 0,6 Prozent. Andere Banken gehen von etwas mehr als einem Prozent aus.

Zu Beginn des Jahres hatte die Deutsche Bank mit einer Prognose von 1,6 Prozent zu den Konjunkturoptimisten gezählt - jetzt führt das Institut die wachsende Liste der Pessimisten an. Auch die Commerzbank hat erst in dieser Woche ihre Voraussagen wegen der anhaltenden Aktienmarktschwäche und der schlechten Stimmung in der Industrie gesenkt. Für dieses Jahr gehen die Volkswirte nur noch von 0,3 Prozent BIP-Zuwachs aus. Damit wird nach Einschätzung der Banken noch nicht einmal das geringe Wachstum von 0,6 Prozent des vergangenen Jahres erreicht. 2003 sieht die Commerzbank einen BIP-Anstieg von 1,3 Prozent. "Noch vor Kurzem lag der Konsens für das nächste Jahr noch bei 2,5 Prozent", sagte Analyst Christoph Hausen.

Ob die deutsche Wirtschaft zum Jahresende erneut in die Rezession abrutscht, ist allerdings umstritten. Neben der Deutschen Bank geht auch die ING Bank-BHF wegen der Unsicherheit um den Irak-Konflikt zum Jahreswechsel von einer leichten Rezession aus. Die deutsche Wirtschaft wird ihrer Einschätzung zufolge nach einem minimalen Plus von 0,2 Prozent in diesem gerade mal ein Wachstum von 0,4 Prozent im kommenden Jahr erreichen.

Sollten die Konjunkturindikatoren in der kommenden Woche keinen merklichen Aufschwung signalisieren, plant auch die Münchener Hypovereinsbank eine erneute Abwärtsrevision ihrer derzeitigen Prognose von nur 0,25 Prozent in diesem Jahr.

Nach Ansicht der Commerzbank wird die deutsche Wirtschaft einer Rezession entgehen. Stattdessen erwarten sie ein "ganz schlappes Wachstum bis zum Frühjahr 2003". Auch die Volkswirte der Dresdner Bank sind noch optimistischer als ihre Kollegen von der Deutschen Bank, haben allerdings auch kürzlich ihre Prognose für 2002 deutlich gesenkt auf 0,5 nach 1,0 Prozent. Für das kommende Jahr lautet die Vorhersage jetzt 2,0 statt 2,3 Prozent. Doch auch diese Rate wird nach Worten von Dresdner-Volkswirt Harald Jörg demnächst noch einmal überprüft.

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