Wachstumsrate von 3,4 % im Quartal
Deutsche Wirtschaft im Frühjahr mit Rekordwachstum

Analysten erwarten, dass sich die EZB mit einer Zinserhöhung am Donnerstag etwas leichter tut.

Reuters WIESBADEN. Die deutsche Wirtschaft ist auch im zweiten Quartal des Jahres 2000 stark gewachsen, wobei deutliche Impulse vom privaten Konsum und vom Außenhandel kamen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm von April bis Juni gegenüber dem Vorquartal kalenderbereinigt um 1,1 % nach 0,8 % im ersten Quartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Im Jahresvergleich lag das BIP um 3,1 % höher, nachdem im ersten Quartal eine Wachstumsrate von 3,4 % erreicht wurde. Bundesbankpräsident Ernst Welteke hält für das Gesamtjahr eine Rate von drei Prozent für möglich, Bundesamtsleiter Johann Hahlen sieht die Konjunktur in guter Verfassung. Volkswirte sagten, die Daten würden der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zinserhöhung weiter erleichtern.

Im ersten Halbjahr 2000 nahm das BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,3 % zu. Hahlen sagte nach der Datenveröffentlichung vor der Presse, dabei handele es sich um den stärksten Anstieg seit der deutschen Vereinigung. Bundesbankpräsident Ernst Welteke sagte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe), Deutschland könne in diesem Jahr ein Wachstum von drei Prozent erreichen. Dies sei weit mehr als in den 90er Jahren. Das Bundesamt gab keine Wachstumsprognose ab. Die Schätzungen anderer Quellen lägen jedoch mit Werten zwischen 2,75 und 3,25 % eng beieinander, hieß es.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einer realen Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,1 % gegenüber dem Vorquartal und 3,3 % gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Petra Köhler, Volkswirtin bei der Dresdner Bank sagte, entscheidend sei, dass sich mit den Daten der Ifo-Test der vergangenen Woche nicht bestätigt habe, der ein abgeschwächtes Wachstum angedeutet habe.

Analysten anderer Banken sagten, nach den Daten werde sich die EZB bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag wohl leichter tun, die Zinsen zu erhöhen. Nach den schwachen Ifo-Zahlen habe die Zentralbank etwas in der Klemme gesteckt. Einerseits sei es notwendig, mögliche Inflationsgefahren in der Euro-Zone rechtzeitig zu bekämpfen. Andererseits dürfe die EZB aber auch das Wirtschaftswachstum nicht durch Zinserhöhungen bremsen. Dies gelte vor allem, wenn es Hinweise auf eine Wachstumsverlangsamung gebe. Dies sei aber offensichtlich in Deutschland, das etwa ein Drittel der Wirtschaftskraft der Euro-Zone ausmacht, nicht der Fall.

Der gegen das erste Quartal etwas schwächere BIP-Anstieg ist nach Angaben des Bundesamtes kalenderbedingt. Im ersten Quartal habe es zwei Arbeitstage mehr und im zweiten Quartal einen Arbeitstag weniger als im Vorjahr gegeben. Kalenderbereinigt ergab sich nach den Angaben des Amtes ein Wachstum von rund 3,5 % im zweiten Quartal und rund 2,5 im ersten Quartal.

Auch hinsichtlich der Wachstumsentwicklung im Jahresverlauf müsse berücksichtigt werden, dass das vierte Quartal drei Arbeitstage weniger habe, als das entsprechende Vorjahresquartal. Bei der Ermittlung der Wachstumsrate könne dies einen halben Prozentpunkt ausmachen.

Wie das Amt weiter mitteilte, belasteten im zweiten Quartal die rückläufigen Bauinvestitionen, wodurch insgesamt die Bruttoinvestitionen nur um 2,6 % zunahmen. Eine etwas stärkere Erhöhung des Konsums und ein deutlich höherer Außenbeitrag hätten zu dem insgesamt positiven Ergebnis beigetragen.

Das Finanzministerium in Berlin beurteilte die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland als gut. Erfreulich sei, dass die Wirtschaftsentwicklung auch auf dem Arbeitsmarkt immer stärker Wirkung zeige. Die Zahl der Erwerbstätigen lag im zweiten Quartal nach den Angaben des Statistischen Amte mit 38,42 Mill. um 731 000 oder 1,9 % über dem Vorjahresstand. Das Ministerium erklärte, dies sei die stärkste Zunahme seit der Wiedervereinigung.

Der Euro reagierte auf die Wachstumszahlen zunächst mit Kursgewinnen. Nachdem die Gemeinschaftswährung vor der Datenveröffentlichung unter 0,90 $ notiert hatte, stieg sie danach in der Spitze bis auf 0,9022 $. Zu Handelsbeginn in New York sackte der Euro dann aber wieder ab und notierte am Abend (MESZ) mit Kursen um 0,8968/70 $.

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