Wachstumsraten zwischen 2,5 und 3 Prozent
HWWA: 2003 lässt Wachstumsdynamik nach

Das Hamburger HWWA-Institut erwartet im zweiten Halbjahr 2002 eine deutliche Beschleunigung des Konjunkturwachstums, prognostiziert für das nächste Jahr aber wieder eine nachlassende Wachstumsdynamik.

Reuters HAMBURG. HWWA-Konjunkturforscher Eckhardt Wohlers sagte am Montag in Hamburg, er gehe im zweiten Halbjahr von Wachstumsraten zwischen 2,5 und drei Prozent aus. Diese dürften aber wegen der niedrigen Wachstumswerte zu Jahresanfang nicht ausreichen, um das durchschnittliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im gesamten Jahr 2002 über die bereits prognostizierten 0,7 Prozent zu heben.

Der Aufschwung werde sich im kommenden Jahr fortsetzen, doch dürfte er wegen einer ruhigeren Gangart der Weltwirtschaft, nachlassenden Impulsen der Geldpolitik sowie eines forcierten Sparkurses der Bundesregierung im Jahresverlauf 2003 an Schwung verlieren. Seine Prognose für das kommende Jahr senkte Wohlers daher nach eigenen Angaben auf 2,3 Prozent von zuvor 2,7 Prozent.

Der Leiter des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Thomas Straubhaar, sprach von einem "Auf ohne viel Schwung". Als Risiken nannten er und Wohlers unter anderem den schwachen Dollarkurs. Sollte dessen Talfahrt anhalten, wären davon dämpfende Effekte auf die Weltkonjunktur zu erwarten. Bei dem gegenwärtigen Dollar-Kurs hielten sich die Beeinträchtigungen noch in Grenzen. Zwar belaste die Aufwertung des Euro die Exporte. Die von der Belebung der Weltkonjunktur ausgehenden positiven Effekte fielen aber stärker ins Gewicht.

Zudem dämpfe die Euro-Aufwertung den Preisauftrieb und stärke so die Binnennachfrage. Dadurch nehme der Druck auf die Europäische Zentralbank ab, die Zinsen frühzeitig zu erhöhen. Gleichwohl werde das HWWA die Zinssätze im Herbst dieses und Anfang nächsten Jahres voraussichtlich um insgesamt einen halben Prozentpunkt erhöhen.

Widersprüchliche Einschätzung der Lohnerhöhungen

Wohlers kritisierte die bisher zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften geschlossenen Lohnabschlüsse als zu hoch. Durch den Lohnauftrieb werde der Aufschwung zwar nicht abgewürgt, doch werde er damit weniger beschäftigungsintensiv sein. Außerdem könne der Preisauftrieb dadurch wieder zunehmen.

Andererseits wird das Konjunkturwachstum im nächsten Jahr dem HWWA zufolge auch von höheren Konsumausgaben in Folge der Lohnerhöhungen getragen. So geht das Hamburger Institut in den Eckdaten seiner Prognose von einer Zunahme der Konsumausgaben in 2003 um 1,8 Prozent nach einem Nullwachstum in 2002 aus und begründet dies ausdrücklich mit den höheren Tarifabschlüssen. Die Investitionen der Unternehmen sollen um 2,7 Prozent zulegen nach einem Rückgang um den gleichen Wert in 2002 .

Am Arbeitsmarkt werde die konjunkturelle Erholung erst gegen Ende des laufenden Jahres eine Wende zum Besseren auslösen, doch werde auch die 2003 nicht ausreichen, um die Zahlen deutlich unter vier Millionen zu senken, sagte Wohlers. Im Jahresdurchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen voraussichtlich bei 3,96 Millionen liegen. In der Prognose seien die Vorschläge der Hartz-Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes allerdings noch nicht berücksichtigt.

Hartz-Vorschläge: "Beschäftigungsillusion"

Straubhaar bezeichnete die Hartz-Vorschläge als in der Stoßrichtung zwar richtig, aber nicht weit genug gehend. Damit werde die Regulierung etwas verringert, der "Teufelskreis" aber nicht wirklich durchbrochen, in dem der deutsche Arbeitsmarkt stecke. Dies sei eine mangelnde Orientierung an den Bedürfnissen des Marktes. "Deutschland braucht mehr Arbeitsmarkt und nicht mehr Beschäftigungspolitik", sagte Straubhaar. Das erhoffte Hartz'sche Beschäftigungswunder drohe daher "eher kurzfristige Illusion, als nachhaltige Realität" zu werden, sagte Straubhaar.

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