Wachstumsschub im vierten Quartal räumt Rezessionsängste nicht aus
Japans Premier dementiert Rücktrittsabsichten

In Japan lassen sich weder in der Politik noch in der Wirtschaft klare Zeichen für ein Ende der Krise erkennen: Premier Mori machte gestern klar, dass er nun doch nicht an Rücktritt denkt. Die Wirtschaft wuchs zwar im vierten Quartal überraschend stark, doch wird dies allenfalls als Zwischenhoch gewertet.

ga HB TOKIO. Der Strom widersprüchlicher Meldungen aus Japan hält an. So dementierte der umstrittene Ministerpräsident Yoshiro Mori am Montag angebliche Rücktrittsabsichten. Die Medien hatten gemeldet, er habe bei einem Treffen mit Spitzenvertretern seiner Liberaldemokratischen LDP de facto seinen Rücktritt angekündigt, als er hinter verschlossenen Türen den Wunsch äußerte, die Wahl zum Parteichef vorzuverlegen.

Da der Parteichef in Japan wegen der LDP-Parlamentsmehrheit stets Regierungschef wird, hatten die Medien Moris Worte als Rücktrittsankündigung interpretiert - und gingen auch am Montag weiterhin davon aus, dass ein Nachfolger für Mori als Parteipräsident und damit auch als Ministerpräsident im April im Anschluss an die Verabschiedung des Staatshaushalts gewählt wird. Dennoch reagierten die Finanzmärkte in Tokio und auch der Yen-Kurs äußerst negativ auf Moris Rückzug vom Rückzug.

Relativ starkes Wirtschaftswachstum

Ebenfalls am Montag legte die Regierung Zahlen über ein relativ starkes Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal 2000 vor. Nach dem starken Wachstumseinbruch im dritten Quartal habe die Wirtschaft um 0,8 % gegenüber dem Vorquartal zugelegt; das entspricht einem Wachstum auf Jahresbasis von real 3,2 %. Maßgeblich für den Wachstumsschub war die starke Zunahme der privaten Investitionen um 6,8 % gegenüber dem Vorquartal. Regierung und Analysten wiesen aber sofort darauf hin, dass damit die Rezessionsgefahr keineswegs ausgeräumt sei.

Der für Wirtschafts- und Finanzpolitik zuständige Staatsminister Taro Aso erklärte, damit sei die Erreichung des offiziellen Wachstumsziels im Fiskaljahr 2000/01 (April bis März) von 1,2 % gesichert. Im kommenden Fiskaljahr gebe es aber größere Unwägbarkeiten. Er beabsichtige aber nicht, die Regierungsprognose eines Realwachstums von 1,7 % zu revidieren.

Privater Verbrauch kommt nicht in Gang

Angesichts des schwachen Auftragseingangs im Maschinenbau, der sich mit einer Verzögerung von sechs Monaten in der Investitionskonjunktur niederschlage, bestehe jedoch kein Anlass zu Optimismus, warnte Aso. Hinzu komme der Kursverfall am US-Aktienmarkt. Zentrales Problem aber sei die Tatsache, dass der private Verbrauch in Japan nicht in Gang komme. Die Unternehmensgewinne stiegen zwar. Dies führe jedoch nicht zu einer Ausweitung von Beschäftigung und Investitionen, sondern allein zum Abbau der Fremdverschuldung. Nach den noch vorläufigen Angaben ging der private Verbrauch gegenüber dem Vorquartal um 0,6 % zurück. Der Export weist angesichts der Wachstumsverlangsamung in den USA sowie in anderen asiatischen Staaten nur noch eine Zunahme von 0,6 % auf Quartalsbasis auf.

Yuji Shimanaka, Chef-Ökonom des Sanwa Research Institute, warnte gegenüber dem Handelsblatt gar vor einem Sturz der japanischen Wirtschaft in eine Deflationsspirale. Die Zunahme der Investitionen im vierten Quartal sei lediglich vorübergehend. Da der BIP-Deflator, der in Japan als Inflationsmaßstab verwendet wird, im vierten Quartal einen Wert von minus 1,7 % erreichte, befinde sich das Land in einer echten Deflation. Da sich dieser Trend verstärke, stehe die Wirtschaft am Eingang einer Deflationsspirale, sagte Shimanaka.

Er fordert daher die Bank von Japan auf, bei ihrer Sitzung am 19. März zur Nullzins-Politik zurück zu kehren. Gleichzeitig müssten die Offenmarktgeschäfte verdoppelt werden, um die Geldmenge gezielt auszuweiten. Ziel sei eine Steigerung des Aktienkursniveaus und Verstetigung der Yen-Abwertung.

Aber auch damit wäre nach Meinung des Ökonomen das Wachstumsziel der Regierung für das Fiskaljahr 2001/02 von 1,7 % nicht erreichbar. Um zumindest ein Realwachstum von 1 % zu erreichen, sei ein weiterer Nachtragshaushalt mit einem effektiven Nachfragevolumen von 4 Bill. Yen (rund 36 Mrd. Euro) unerlässlich.

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