Wachstumsschwäche der Pharmadivsion
Roche-Aktionäre hoffen auf Ende der Flaute

Die Erwartungen für das erste Halbjahr des Pharmakonzerns Roche Holding AG sind niedrig. Die Analysten haben ihre Prognosen wegen der schwachen Entwicklung der Roche-Pharmasparte in den ersten drei Monaten bereits reduziert. In diesem Zeitraum erzielte der Pharmabereich real betrachtet ein Nullwachstum - stagnierte also.

HB ZÜRICH. Aber nicht die Zahlen des ersten Halbjahres sind für die weitere Kursentwicklung entscheidend. Viel wichtiger wird am morgigen Mittwoch der Ausblick von Verwaltungsrats- und Konzernleitungspräsident Franz B. Humer sein. Im Frühjahr hatte er gesagt, dass es Roche ab dem zweitem Halbjahr gelingen sollte, die Wachstumsrate der Pharmasparte allmählich wieder an den Marktschnitt heran zu führen.

Kann er diese Aussage und die Erwartung, dass im nächsten Jahr die Zuwachsraten des Weltpharmamarktes wieder erreicht werden, bestätigen, würden die Roche-Titel möglicherweise schon bald wieder optimistischer eingestuft. Dies gilt um so mehr, als der Lokalrivale Novartis AG zuletzt Rückschläge bei der Einführung neuer Medikamente hinnehmen musste.

Derzeit bewertet über die Hälfte der Analysten Roche-Aktien bzw. die liquideren Genussscheine (GS) mit dem vorsichtigen Urteil "Neutral". Neun der 49 erfassten Anlageurteile lauten sogar "Verkaufen", meldet die Agentur Bloomberg.

Der alleinige Blick auf die Pharma-Wachstumsraten greift indes zu kurz. Denn mit Diagnostika und Vitaminen haben die Basler zwei weitere aussichtsreiche Geschäftssparten. In beiden Bereichen ist Roche Weltmarktführer. Bei Diagnostika brachte die gelungene Integration des deutschen Zukaufs Boehringer Mannheim den Durchbruch. Roche-Chef Humer gibt sich überzeugt, dass diese Sparte mittelfristig das Zeug hat, die Nettorenditen des Pharmageschäfts zu erreichen. Bei Vitaminen ist es Roche gelungen, die Kostenführerschaft zu erobern, obwohl die chinesische Konkurrenz über immense Vorteile bei den Personalkosten verfügt.

Auf die Wachstumsschwäche der Pharmadivsion hat der Roche-Chef mit einer Schlankheitskur reagiert: Produktion und Forschung werden rationalisiert, 3 000 Arbeitsplätze gestrichen. Kooperationen mit innovativen, kleinen Biotech- Unternehmen sollen dem Roche - Konzern Chancen eröffnen. Und schließlich ist die Mehrheit am erfolgreichen US-Biotech-Unternehmen Genentech ein weiterer Trumpf für die Schweizer.

Kurs ging deutlich zurück

Der Kurs der Roche-GS sank im Vorjahr um knapp 10 % auf 165 Schweizer Franken. Im bisherigen Jahresverlauf war das Minus mit mehr als 20 % noch größer. Voraussetzung für eine Kurserholung sind gute Meldungen aus dem Konzern. Zudem zeigt das jüngste Bayer-Debakel, dass Pharmakonzerne mit spezifischen Risiken zu kämpfen haben.

Einzelne Analysten sehen jedoch wieder Kurspotenzial für die Roche-GS, die im Stoxx-50-Index europäischer Top-Titel vertreten sind. Die stimmrechtslosen GS, die materiell den allein stimmberechtigten Inhaberaktien gleich gestellt sind, haben eine höhere Liquidität: Roche besitzt 160 Mill. Aktien, aber über 700 Mill. GS. Von den Inhaberaktien befinden sich über 70 % in festen Händen - gut 50 % bei der Gründerfamilie, 20 % bei Novartis.

Novartis übernahm sein Roche - Paket vor einigen Wochen von der BZ Gruppe des Bankiers Martin Ebner. Nach einem jahrelangen Kampf, der die Schaffung einer Einheitsaktie zum Ziel hatte, gab Ebner entnervt auf. Auch Novartis wird in dieser Hinsicht vorläufig kein Durchbruch gelingen, wie Sprecher der Familienaktionäre immer wieder betonen. Deshalb sollten Anleger in absehbarer Zeit nicht auf einen Umtausch der GS in reguläre Aktien spekulieren.

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