Wachstumsstarker Energiemarkt
Deutsche Versorger drängen auf Spaniens Strommarkt

rtr ESSEN/MADRID. Der wachstumsstarke Energiemarkt Spaniens gerät zunehmend in das Blickfeld der beiden größten deutschen Stromkonzerne. RWE konkretisierte am Donnerstag seine Bemühungen um einen Übernahme des kleinsten spanischen Anbieters, der Hidroelectrica del Cantabrico, für die auch der Karlsruher Energiekonzern EnBW gemeinsam mit dem spanischen Maschinenbauer Ferroatlantica bietet. Nach Angaben aus Branchenkreisen ist E.ON an einer Übernahme von Iberdrola, dem zweitgrößten spanischen Stromkonzern, interessiert. E.ON kommentierte dies aber nicht. Die Aktienkurse von E.ON und RWE gaben gegen den Trend teils deutlich nach.

Der deutsche Marktführer RWE bemüht sich schon seit einiger Zeit um Cantabrico und hatte am Dienstag 26 Euro je Aktie oder 2,94 Mrd. Euro geboten. Damit hatte der Essener Konzern das Angebot der Karlsruher EnBW und der Ferroatlantica über 25,80 Euro je Aktie (korrekt) überboten und die bisher höchste Offerte vorgelegt.

RWE-Chef Dietmar Kuhnt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Konzern sei zuversichtlich einen Großteil der Aktionäre von Cantabrico zu gewinnen. Der Konzern spreche mit der spanischen Banca Cajastur über eine Unterstützung seines Übernahmeangebots. Cajastur, die 10 % an Cantabrico hält und vier der 16 Board-Mitglieder stellt, stand bisher auf der Seite der portugiesischen Electridade de Portugal, die 24 Euro je Aktie für Cantabrico bietet.

In einer in Madrid am Mittwochabend vorgelegten Stellungnahme begründet RWE sein Interesse an Contabrico mit dem Wachstumspotenzial des Unternehmens und lud alle nicht-industriellen Aktionäre als Partner ein. Größter Aktionär Cantabricos ist mit 19 % die in den USA ansässige TXU Corp, die sich in der Vergangenheit dem EDP-Angebot angeschlossen hat. RWE erwähnte TXU allerdings nicht. Cajastur-Vertreter äußerten sich ebenfalls nicht.

Nach einem Bericht der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagsausgabe) kontrolliert RWE bereits 10 % von Cantabrico. Unzählige Anteilseigner von Cantabrico hätten sich für das Angebot entschieden, darunter auch einige Board-Mitglieder. Diese Aktionäre verpflichteten sich zum Verkauf ihrer Anteile an RWE, es sei denn, die spanische Börsenaufsicht genehmige ein Konkurrenzangebot, das sich ebenfalls auf 100 % des Unternehmenskapitals erstrecke und die von RWE gebotenen 26 Euro um mindestens fünf Prozent übertreffe.

Anfang der Woche hatten die spanischen Branchenführer Endesa und Iberdrola ihre seit Monaten geplante Fusion abgesagt. Sie hatten dies mit den Auflagen der Regierung für eine Genehmigung des Zusammenschlusses begründet. Der spanische Markt gilt mit einer Wachstumsrate von sechs Prozent im vergangenen Jahr als attraktiv. Die Nummer Drei in Spanien ist die Union Fenosa.

Analysten haben den Preis für Cantabrico als hoch bezeichnet, da das Unternehmen nur fünf Prozent des Marktes kontrolliert. Der attraktivere Übernahmekandidat sei Iberdrola. Einige Analysten äußerten Zweifel an der RWE-Strategie, einen so hohen Preis für die Nummer vier zahlen zu wollen, anstatt für einen der Branchenriesen zu bieten. Über einen Zeitraum von 12 Monaten bedeute das RWE-Angebot einen Bonus von 23,4 % auf den Aktienkurs von Cantabrico. Der Kurs von Cantrabico notierte am Mittwoch mit 0,3 % im Trend. RWE gaben gegen den Trend leicht auf 42,19 Euro nach.

Iberdrola kontrolliert dagegen fast 40 % des spanischen Strommarktes. Zudem hat das Unternehmen eine starke Präsenz in Lateinamerika, darunter auch in Brasilien und Mexiko. In Spanien hat Iberdrola acht Mill. Kunden, in Lateinamerika fünf Mill.. Aus Branchenkreisen in London verlautete am Mittwochabend, E.ON, Nummer Zwei in Deutschland, sei wegen eines möglichen Übernahmeangebots an Iberdrola herangetreten. Das Übernahmeangebot betrage mehr als 18 Euro je Aktie. Dies würde einer Bewertung von rund 16,2 Mrd. Euro entsprechen.

Die Marktkapitalisierung von E.ON beträgt 45,38 Mrd. Euro. E.ON wäre den Experten zufolge in der Lage ein reines Barangebot vorzulegen. Die Verhandlungen seien aber noch in einem sehr frühen Stadium und könnten noch scheitern. Ein E.ON-Sprecher wollte sich nicht zu den Spekulationen äußern. Das Unternehmen kommentiere solche Gerüchte nicht, hieß es in Düsseldorf. Iberola ließ die spanische Börsenaufsicht wissen, dem Konzern sei nichts von einem Angebot der E.ON bekannt.

Der Kurs der Iberdrola-Aktie kletterte am Donnerstag in Madrid um sieben Prozent auf 17,08 Euro, der Kurs von E.ON gab dagegen knapp vier Prozent auf 55,91 Euro nach.

E.ON bemüht sich derzeit auch um eine Übernahme der britischen Powergen, einer der großen britischen Energiekonzerne. Sollte E.ON auf Powergen verzichten, könnte die Scottish Power zum Zuge kommen. Die Schotten hatten erst kürzlich Morgan Stanley Dean Witter engagiert, um sich bei einem Angebot für Powergen beraten zu lassen. Branchenexperten vermuten, dass E.ON Iberdrola der Powergen vorziehen könnte. Derzeit bemüht sich E.ON zudem um eine vollständige Übernahme von Sydkraft AB, dem größten börsennotierten schwedischen Stromanbieter. An diesem hält E.ON bereits 42,8 % der Stimmrechte und 29,4 % des Kapitals.

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