Wachstumstempo ist mittelfristig nicht zu halten
USA: Nimmt der Boom des Konsums kein Ende?

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die amerikanischen Verbraucher auf schlechte Nachrichten reagieren. Weder der Einbruch der Aktienkurse nach dem Platzen der High-Tech-Blase, noch die Terroranschläge vom 11. September haben die US-Bürger vom Shoppen abgehalten.
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DÜSSELDORF. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres steigerten die Konsumenten ihre Ausgaben - mit einer laufenden Jahresrate von 3,5 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2001. Der private Verbrauch, auf den 70 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts entfallen, erwies sich damit erneut als wichtigste Stütze der US-Konjunktur.

Und ein Ende des Konsumbooms ist nicht absehbar. Im April legten die Einzelhandelsumsätze um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zu und übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich.

Trotzdem fürchten manche Ökonomen, dass das Wachstumstempo beim privaten Konsum mittelfristig nicht zu halten ist. Einige Pessimisten erwarten sogar einen Einbruch des privaten Verbrauchs in den nächsten Monaten. Den Grund sehen sie in der hohen Verschuldung der privaten Haushalte. Weil diese nicht endlos erhöht werden kann, müssten sich die Bürger beim Einkaufsbummel früher oder später drastisch einschränken, argumentieren sie.

Tatsächlich hat sich die Verschuldung der privaten Haushalte seit Anfang der Neunzigerjahre mehr als verdoppelt. Ende 2001 beliefen sich die Verbindlichkeiten der US-Bürger auf knapp 8,1 Billionen Dollar. 1990 waren es erst 3,3 Billionen Dollar gewesen. Auch in Relation zum verfügbaren Einkommen haben sich die ausstehenden Schulden deutlich erhöht. Lasteten auf jedem Dollar verfügbarem Einkommen im Jahr 1953 nur 35 Cents an Verbindlichkeiten, so waren es 1990 bereits 80 Cents. Im vergangenen Jahr waren die Schulden bereits genauso hoch wie die Einkommen. Den größten Anteil an den Außenständen haben mit 70 Prozent die Hypothekenkredite, auf die Konsumentenkredite entfallen rund 21 Prozent.

Mit den gestiegenen Verbindlichkeiten hat sich auch der Schuldendienst kräftig erhöht. Mussten die privaten Haushalte Anfang der Neunzigerjahre zwölf Prozent ihrer Einkünfte für Zins- und Tilgungszahlungen aufbringen, so waren es im vergangenen Jahr mehr als 14 Prozent.

Gleichwohl wäre es verfehlt, wegen der gestiegenen Verschuldung einen Einbruch des Konsums zu prognostizieren. Denn nicht nur die Schulden der US-Bürger sind gestiegen, sondern auch ihr Vermögen. 1990 verfügten die Amerikaner über ein Bruttovermögen von 24 Billionen Dollar, das sich bis 2001 auf 48 Billionen Dollar verdoppelt hat. Der größte Batzen (66 Prozent) entfällt auf Finanzanlagen wie Aktien, 27 Prozent ihres Vermögens halten die Haushalte in Form von Immobilien. Der kräftige Anstieg der Immobilienpreise - jährlich rund fünf Prozent - hat den Kurseinbruch bei den Aktien mehr als wettgemacht.

Insgesamt übersteigt der Wert des Bruttovermögens die Verbindlichkeiten der Bürger. Der Saldo beider Größen, das Nettovermögen, belief sich daher im vergangenen Jahr auf 40,3 Billionen Dollar. Gegenüber 1990 hat es sich damit etwa verdoppelt. Da sich weder am Aktien- noch am Immobilienmarkt derzeit ein Preiseinbruch abzeichnet, dürfte die günstige Nettovermögensposition anhalten und die Konsumlaune der Bürger in den nächsten Monaten weiter stützen.

Eine größere Gefahr für den privaten Verbrauch geht dagegen von der ungünstigeren Lage auf dem Arbeitsmarkt aus. Im April schnellte die Arbeitslosenquote auf 6,0 Prozent in die Höhe. Für die nächsten Monate ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, da viele Unternehmen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit die Personalkosten senken werden. Daher ist es nicht die hohe Verschuldung der Bürger, sondern die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die dem Konsumboom ein jähes Ende setzen könnte.

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