Wachstumstempo verlangsamt
Deutscher Einkaufsmanager-Index sinkt auf 53,7 Punkte

Das Wachstumstempo in der deutschen Industrie hat sich weiter verlangsamt. Zugleich stiegen die Einkaufspreise weniger stark an.

Reuters FRANKFURT. Das Wachstumstempo in der deutschen Industrie hat sich nach einer Umfrage unter Einkaufsmanagern weiter verlangsamt. Im Januar sei der BME/Einkaufsmanager-Index Deutschland (EMI) saisonbereinigt auf 53,7 (54,0) Punkte gesunken, teilte die Forschungsgruppe NTC, die den Index zusammen mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) für Reuters ermittelt, am Donnerstag mit. Obwohl sich das Wachstumstempo zum siebten Mal in Folge verlangsamt habe, signalisiere der Index mit einem Wert von mehr als 50 Punkten nach wie vor eine Expansion in Deutschlands Industrie. Im Januar habe sich der Personalzuwachs weiter abgeschwächt. Die Lieferzeiten seien länger. Zugleich stiegen die Einkaufspreise weniger deutlich an.

Die deutsche Industrie ist der Umfrage zufolge trotz des leichten Auftragsanstiegs um den geringsten Wert seit 17 Monaten gewachsen. Verstärkte Verkaufs- und Marketingaktionen sowie die Einführung neuer Produkte sorgten den Angaben nach für einen leichten Zuwachs bei den Neuaufträgen. Der stärkste Anstieg sei auf dem heimischen Markt zu verzeichnen. Dennoch blieb der Index Neuaufträge mit 54,5 Punkten auf dem Niveau vom Dezember und damit weit unter den Werten der meisten Monate des Vorjahres.

Der Index Exportaufträge ging den Angaben nach mit 52,2 (54,0) Punkten auf den niedrigsten Stand seit Juli 1999 zurück. Als Gründe für die schwache Zuwachsrate nannten die Befragten den zuletzt höher bewerteten Eurokurs gegenüber dem $ und das langsamere US-Wirtschaftswachstum. Dennoch berichteten einige Einkaufsmanager neben Mehraufträgen aus Europa auch von Auftragseingängen aus den USA. Auf Grund der höheren Nachfrage legte die Produktion der Umfrage zufolge im Januar erneut zu. Der entsprechende Index deutet mit 56,1 Punkten auf Wachstum hin, das allerdings unter dem über weite Strecken in 2000 beobachteten Niveau liegt.

Wie bereits in den vergangenen Monaten verlängerten sich NTC zufolge auch im Januar die Lieferzeiten. Mit 48,1 (46,1) Punkten verweist der entsprechende Index zwar bereits zum zwanzigsten Mal in Folge auf verlängerte Lieferzeiten, deutete jedoch mit einem schwächeren Wert auf ein weiteres Nachlassen der Beschaffungsengpässe hin. Als Gründe für die Lieferverzögerungen wurden die weltweit hohe Güternachfrage, Materialengpässe und eine hohe Kapazitätsauslastung bei den Zulieferbetrieben genannt.

Die Zuwachsrate der Einkaufspreise fiel laut NTC auf den schwächsten Wert seit August 1999. Der Preisindex lag mit 58,1 Punkten zwar unter dem im Dezember beobachteten Wert von 60,8 Punkten, jedoch noch immer signifikant über der 50-Punkte-Referenzlinie. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen nannte einen Preisanstieg auf Grund der weltweiten Materialverknappungen, vor allem bei elektronischen Bauteilen. Gleichwohl berichteten mehr Firmen als noch im Vormonat von rückläufigen Preisen wegen des stärkeren Eurokurses zum $ und der sinkenden Ölpreise.

Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und um Auftragsrückstände abzuarbeiten, stellten die Unternehmen den Angaben zufolge mehr Personal ein. Gleichzeitig hätten viele Unternehmen wegen Umstrukturierungen Personal abgebaut, deshalb sei die Zuwachsrate zum dritten Mal in Folge niedriger ausgefallen. Der saisonbereinigte Index Beschäftigung lag bei 52,2 (52,7) Punkten.



Erläuterung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum in der Verarbeitenden Industrie im Vergleich zum Vormonat hin, Werte unter 50 signalisieren ein Schrumpfen. Je weiter die Werte von 50 abweichen, desto stärker sind die Wachstums- beziehungsweise Schrumpfungstendenzen. Als Frühindikator spiegelt der Index mit hoher Aktualität die wirtschaftliche Lage und das Wachstum in der Verarbeitenden Industrie Deutschlands wider.



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