Wachstumsträger des US-Immobilienbooms geraten unter Beschuss
Freddie Mac und Fannie Mae droht schärfere Regulierung

Die umstrittene Bilanzierungspraxis des zweitgrößten US-Hausfinanzierers Freddie Mac könnte gravierende Änderungen für die Immobilienfinanzierung in den USA nach sich ziehen. Politiker fordern eine schärfere Regulierung von Freddie Mac und dem größeren Schwesterunternehmen Fannie Mae.

NEW YORK. Langfristig droht eine Schwächung oder gar Zerschlagung der Giganten, die eine zentrale Rolle für den amerikanischen Immobilienmarkt spielen. US-Hausbauer hätten es dann schwieriger, an günstige Hypothekenkredite zu kommen. Dies hätte gravierende Folgen für die US-Konjunktur, die zuletzt vom Boom im Wohnungsbau gestützt wurde.

Vorige Woche waren drei Spitzenmanager von Freddie Mac überraschend zurückgetreten, darunter Ex-Chef Leland Brendsel. Grund war der mangelnde Fortschritt bei der Bilanzprüfung. Diese wurde nö-tig, weil Freddies neuer Wirtschaftsprüfer Price-Waterhouse-Coopers sich weigerte, die Zahlenwerke anzuerkennen. Bis heute hat Freddie Mac keine gültigen Bilanzen für 2002, 2001 und 2000 vorgelegt.

Strittig ist die Verbuchung von Derivatgeschäften zur Risikoabsicherung. Nach bisherigen Erkenntnissen hat Freddie damit seine Gewinne "geglättet". Das heißt, in besonders guten Jahren wurden die Bilanzerträge künstlich gedrückt, um Reserven für schlechte Zeiten aufzubauen. Ein Firmensprecher sagte, Revision würde zu höheren, nicht niedrigeren Bilanzgewinnen führen.

Die Staatsanwaltschaft, die Börsenaufsicht SEC und die zuständige Aufsichtsbehörde OFHEO haben jeweils Ermittlungen eingeleitet. Der Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses im US-Repräsentantenhaus, Richard Baker, kündigte eine öffentliche Untersuchung an. Zudem deuten Aussagen von US-Finanzminister John Snow auf eine künftig schärfere Kontrolle hin: "Die richtige Reaktion in diesem Fall ist mehr Offenlegung, mehr Transparenz und wahrscheinlich auch effektivere Regulierung."

US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte zuvor erklärt, Freddie und Fannie sollten wie andere Unternehmen von der SEC überwacht werden. Bislang genießen die staatlich gegründeten Firmen einen Ausnahmestatus. Sie unterstehen einem Amt des US-Wohnungsbauministeriums (OFHEO), das nach dem Skandal als zu lax kritisiert worden ist.

Die Debatte rührt an einem wun-den Punkt für Hausfinanzierer und Investoren. Denn bislang genießen Freddie und Fannie eine implizite Staatsgarantie. Das heißt, Investoren erwarten, dass die US-Regierung einspringt, falls eine der Firmen in Schwierigkeiten gerät. Nur deshalb gelten die Anleihen der Hausfinanzierer als fast genauso sicher wie US-Staatsanleihen.

Der günstige Zugang zum Kapitalmarkt durch die implizite Staatsgarantie ist für Freddie und Fannie überlebenswichtig. Ihr Geschäft besteht darin, Hypothekenkredite von anderen Banken aufzukaufen. Einen Teil davon bündeln sie in hypothekengesicherten Anleihen, die sie am Kapitalmarkt platzieren. Einen anderen Teil halten sie in den eigenen Büchern.

"Durch ihr rasantes Wachstum haben die beiden Firmen für viele Amerikaner Baudarlehen erschwinglich gemacht und dem US-Wohnungsmarkt einen mächtigen Schub gegeben", sagte Eileen Fahey, verantwortliche Analystin der Ratingagentur Fitch. Laut Reuters finanzieren oder garantieren Freddie und Fannie 44 % des Marktes für private US-Baukredite mit einem Gesamtvolumen von 6,7 Billionen $.

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