Wachstumsvorhersagen werden nach unten korrigiert
Schwächere Prognosen vom Frühjahrsgutachten erwartet

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland werden am Dienstag in ihrem Frühjahrsgutachten ihre Wachstumsprognosen 2001 für Deutschland von bislang 2,7 % vermutlich fühlbar nach unten korrigieren. Die meisten der Institute haben das in den vergangenen Wochen bereits getan.

rtr BERLIN. Verbände und Experten erwarten eine entsprechende Korrektur auch im Gemeinschaftsgutachten der Institute. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beugte in einem Interview der "Bild"-Zeitung schon vor: "Wenn die Institute im Frühjahresgutachten ihre Prognosen etwas nach unten korrigieren, ist das kein Anlass zur Sorge", sagte er.

Einen Zeitungsbericht von Anfang voriger Woche, in dem von Basisannahme bei den Beratungen der Institute von rund 2,1 % die Rede gewesen war, hatten diese umgehend als unbegründet zurückgewiesen. Allerdings haben vier der sechs am Frühjahresgutachten beteiligten Institute inzwischen die eigenen Schätzungen für 2001 revidiert. Deutlich nach unten ging das Berliner DIW, das nur noch von ungefähr 2,1 % Wachstum 2001 nach zuvor 2,5 % spricht. In der Spanne zwischen dem DIW-Wert und 2,4 % bewegen sich inzwischen auch das Hamburger Institut für Weltwirtschaft (HWWA), das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IFW) und das Ifo-Institut.

Nur die Experten des Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) halten noch an älteren Schätzungen von 2,8 beziehungsweise 2,7 % fest.

Schröder will sich Aufschwung nicht kaputtreden lassen

Eine Zurücknahme der Instituts-Schätzungen dürfte den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, ihre aus dem Herbst 2000 stammende Prognose ebenfalls zu überprüfen. Darin wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund zwei drei viertel Prozent vorausgesagt, was nach den Worten von Finanzminister Hans Eichel (SPD) eine Spanne von gut 2,6 bis knapp 2,7 % umfasst. Allerdings hatte Eichel in den zurückliegenden Wochen erklärt, angesichts der US-Konjunkturabkühlung und anderer weltwirtschaftlicher Beeinträchtigungen und Risiken sei es möglich, dass das Wachstum und Steuereinnahmen ungünstiger als ursprünglich erwartet liegen könnten.

Schröder rechnet, wie er der "Bild-Zeitung" sagte, dennoch mit einem robusten Wachstum im laufenden Jahr. Mit Blick auf die vielen Prognosekorrekturen warnte er davor, den Aufschwung kaputt zu reden. Er wies darauf hin, dass das Wachstum des vergangenen Jahres von 3 % und auch die aktuell diskutierten Raten immer noch deutlich höher lägen, als das durchschnittliche Wachstum der 90er-Jahre von 1,4 %.

Bankenverband ist pessimistisch

Ein Grund für die derzeitigen Korrekturen der Prognosen ist die Revision der 2000er-Wachstumsrate von zunächst 3,1 % auf 3,0 %. Diese leichte Änderung bedeute, dass die Startbasis für das Jahr 2001 niedriger liege und ein Korrekturbedarf entstehe, erklärten die Institute.

Viele Wirtschaftsverbände sind aber inzwischen insgesamt weniger zuversichtlich. So nannte es der Bankenverband kürzlich sogar schwierig, die von ihm erwartete Wachstumsrate von 2,1 % zu erreichen. Andererseits gehen alle Experten davon aus, dass die deutsche Wirtschaft trotz der Konjunkturdelle auf Wachstumskurs bleibt.

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