Während Aktienkurse in den Keller rauschten, haben sich Rohstoffpreise von ihrem Tiefpunkt deutlich erholt
Bei Rohstoff-Anlagen haben Banken Nachholbedarf

Mit dem Thema "Anlageklasse Rohstoffe" können Analysten vieler deutscher Banken nur wenig anfangen. Dies mag nicht zuletzt an ihrem Alter liegen. Dass Rohstoffe in den 70er Jahren eine gefragte Kapitalanlage waren, wissen die meisten von ihnen lediglich aus Aufzeichnungen.

FRANKFURT/M. Aber Analysten kommen heute nicht daran vorbei, dass Anleger Rohstoffe auf der einen Seite als eigene Anlageklasse erkennen und dass sie auf der anderen Seite wieder interessant geworden sind. Denn seit ihrem letzten Tiefpunkt vom Oktober 2001 erholten sich die Rohstoffindizes in den vergangenen 18 Monaten um mehr als 30 %.

Für Marc Faber ist das keine Überraschung. Der in Hongkong ansässige und weltweit bekannte Investment-Berater gilt als einer der großen Rohstoff-Bullen. "Die entscheidenden Impulse für höhere Rohstoffpreise werden in den kommenden Jahren aus dem asiatischen Raum, vor allem aus China kommen", sagt Faber. Ganz ähnlich sieht es Hans Klisch vom Finanzhaus Raymond James & Associates: "Bevölkerungsreiche Staaten des Fernen Ostens wie China und Indien entwickeln sich nach und nach zu Industrieländern und werden zum bestimmenden Faktor der Rohstoffnachfrage."

Hohe staatliche Investitionen in die Verbesserung der Infrastruktur und massive Ausgabensteigerungen der privaten Wirtschaft und der Verbraucher in Dinge des täglichen Lebens würden zu einem starken Anstieg der Rohstoff-Nachfrage und zu nachhaltig steigenden Preisen führen, sagt Stefan Kunze von ABN Amro in Frankfurt. Auch der Münchener Vermögensverwalter Jens Ehrhardt sieht, wie seine Kollegen, die Rohstoffpreise erst am Beginn eines längerfristigen Aufschwungs: "Die Investitionen in die Erschließung neuer Rohstoffvorkommen wurden im vergangenen Jahr wegen niedriger Preise stark zurückgefahren. Das rächt sich jetzt."

Bei deutschen Banken ist das Research über die Rohstoffmärkte noch stark unterentwickelt. Zwar beschäftigen sich die volkswirtschaftlichen Abteilungen mit dem Einfluss von Rohstoffen auf die ökonomische Entwicklung einzelner Staaten. Rohstoff-Research mit dem Ziel, Produkte für ihre Anleger-Kundschaft zu entwickeln und anzubieten, findet jedoch kaum statt.

"Die Banken sind sehr gegen Rohstoffe", bestätigt Günter Wudy von der Commerzbank in Frankfurt. Es gebe nur wenige deutsche Banken, die Rohstoffe selbst handeln. Und in diesem Fall würden gerade einmal die "gängigsten Rohstoffe" wie Öl und Gold gehandelt. Dies sei kaum zu verstehen, sagt Wudy. Denn Deutsche Banken seien beispielsweise die größten Kreditgeber sowohl für den größten Kupferproduzenten der Welt, die staatliche chilenische Gesellschaft Codelco, wie auch für Cargill, den größten privaten Getreidehändler der Welt. "Es scheint, als hätten die Banken die in der Kreditvergabe an die Rohstoffgesellschaften liegenden Risiken niemals so richtig erkannt", sagt Wudy. Deutsche Banken müssten sich endlich stärker mit Rohstoffen beschäftigen: Zum einen unter dem Aspekt des Risikomanagements und zum anderen, indem sie auf Rohstoffen basierende Anlageprodukte entwickeln.

Häuser wie die BW Bank in Stuttgart, die Dresdner Bank in Frankfurt und ABN Amro sowie UBS Warburg zählen zu den wenigen Ausnahmen, die sich zumindest unter dem Aspekt der Kapitalanlage stärker mit Rohstoffen beschäftigen. Diese Häuser haben börsengehandelte derivative Produkte am Markt, deren Basiswerte aber lediglich Edelmetalle und Rohöl sowie Heizöl sind. Entsprechend erleben die hiesigen Banken, dass ihnen die australische Macquarie Bank mit Rohstoff-Trackern (Produkten, die exakt die Preisentwicklung von Rohstoffen wie Kakao und Weizen nachvollziehen) den Rang abläuft.

Einen physischen Rohstoffhandel ermöglichen deutsche Banken nach Aussagen von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein nur ausgewählten guten industriellen Kunden. Das Führen von Edelmetall-Konten bleibe lediglich den so genannten vermögenden Privatkunden vorbehalten.

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