Während andere Bundesländer um UMTS-Sendemasten streiten, schafft Bremen Fakten in Sachen Mobilfunk.
Strahlemänner an der Waterkant

Bis zum vierten Quartal 2003 muss fast ein Viertel der Bevölkerung auf das Mobilfunknetz UMTS zugreifen können - so wollen es die Verträge der Lizenznehmer mit der Bundesregierung. Die Bremer Landesregierung hat sich dabei ehrgeizige Ziele gesetzt: Die Hanse-Stadt soll Pilotstadt für das multimediafähige Netz werden.

Einen Teil der 50 Mill. Euro Fördergeld aus dem Programm "Bremen in t.i.m.e" stellt das von einer großen Koalition aus CDU und SPD regierte Bundesland in den nächsten fünf Jahren bereit, damit die Wesermetropole bald neben Standorten wie Hamburg, Berlin, München oder Köln auf der deutschen Multimedialandkarte zu finden ist.

"Man darf aber den Faktor Geld nicht überschätzen", meint Dirk Petrat, Referatsleiter Informations- und Medienwirtschaft beim Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen "Wichtiger ist: Wir moderieren die Interessen der Wirtschaft, sich in Bremen anzusiedeln. Das ist für uns eine neue Form von Standortförderung." Mit der Deutschen Telekom hat das Land einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Die Vereinbarung bedeutet in der Praxis, dass der magenta-farbene Riese der Hansestadt garantiert, dass sie als eine der ersten auf ein UMTS-Netz zugreifen und so Startups und Investoren anlocken kann. "Wir ziehen bei dem Thema UMTS in Bremen alle an einem Strang", sagt Petrat.

Der Streit um die Antennenstandorte beginnt

Genauer gesagt: Fast alle. Schon bevor der erste Sendemast am einzigen Test-Standort in Deutschland für die neue Mobilfunk-Technologie steht, gibt es auch in Bremen Streit um die Antennenstandorte. Dort, wo das Bauamt zuständig ist für die Auswahl der Standorte, sind nicht alle mit der Arbeit der Behörde zufrieden. Beispiel Scharnhorststraße: Auf einem Bunker im von Einfamilienhäuser geprägten Stadtteil Schwachhausen stehen mittlerweile 16 Sendeantennen. "Uns bedrückt, dass uns kein Mensch garantieren kann, dass wir durch die Strahlung keine Schäden davon tragen." kritisiert Barbara Schneider, Mitglied einer Anwohnerinitiative in Schwachhausen.

Jüngste Messungen hätten gezeigt, dass an mehreren Stellen im Stadtgebiet bereits durch das bestehende Mobilfunknetz die empfohlenen Strahlen-Grenzwerte überschritten werden, erklärt die Bremer Bürgerschaftsfraktion von Bündnis90/Die Grünen. Ihre umweltpolitische Sprecherin Karin Matthes vermisst eine "Strategie, die sich daran orientiert, Strahlenbelastung zu minimieren. In erster Linie werden die Vorgaben der Mobilfunkbetreibern umgesetzt. Wo bereits Sendemasten stehen, werden einfach UMTS-Stationen drauf gesetzt."

Siemens-Vorstand Volker Jung, zugleich Präsident des Telekommunikationsbranchenverbandes Bitkom warnt, die Bürgerinitiativen könnten noch ein "großer Stolperstein" für den neuen Mobilfunkstandard werden. "Es gibt eine grundsätzliche Verunsicherung beim Thema Sendemasten", weiß auch T-Mobile-Sprecher Schindera. "70 Prozent der Menschen nutzen Mobilfunk, aber fast ebenso viele haben Vorbehalte gegen die Antennen. Aber noch sind wir, was den Ausbau angeht, voll im Plan."

Klares Bekenntnis zu UMTS fehlt

Für die Netzbetreiber ist viel entscheidender, dass es in Bremen neben einer klaren Strategie, wie sich das Bundesland den Netzausbau vorstellt, auch einen amtsübergreifender Konsens zwischen Wirtschaftsbehörde, Gesundheits- und Bauamt gibt. In Hessen oder Nordrhein-Westfalen machten vielfach Beamte den Netzbetreibern den Ausbau schwerer als nötig, klagt Schindera: Im hessischen Allendorf verfügte die Kommune wegen Gesundheitsbedenken die Abschaltung der Mobilfunk-Antennen. Kölner Bauamtsmitarbeiter wollen die Netzbetreiber dazu verpflichten, für jede einzelne Antenne eine Baugenehmigung einzuholen. Insgesamt 200 Genehmigungen wären dazu nötig, schimpft der T-Mobile-Sprecher. "Vielerorts vermissen wir ein klares Bekenntnis zu UMTS."

Die Bremer Bündnisgrünen favorisieren ein zentrales, über das Internet zugängliches Kataster, in dem alle Sendemasten mit Standorts-, Strahlungs- und Betreiberinformationen abrufbar wären. "Dann müsste man nicht umständlich recherchieren und 50 Stellen anrufen, um zu erfahren, wie viel Strahlung von den Anlagen ausgeht", sagt Karin Matthes.

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