Währung fällt auf Allzeittief – Wirtschaftsverbände warnen vor importierter Inflation
Euro-Schwäche treibt Preise

Die Verbraucher bekommen den Verfall des Euros nicht nur an den Tankstellen zu spüren: Am 1. November erhöht die Deutsche Lufthansa ihre Preise. Andere Branchen werden nachziehen.

HB DÜSSELDORF. Fast alle deutschen Unternehmen verfolgen die Euro-Schwäche mit zunehmender Sorge. Zwar schlagen die höheren Importpreise noch nicht gravierend auf die deutsche Inflationsrate durch, doch sind Preiserhöhungen für einige Branchen unausweichlich. Am Donnerstag hatte der Euro mit 0,822 Dollar ein neues historisches Tief erreicht.



Die Deutsche Lufthansa sieht sich bereits zum Handeln gezwungen. Sie erhöht zum 1. November ihre Preise im innerdeutschen Flugverkehr. Wie ein Lufthansa-Sprecher dem Handelsblatt bestätigte, werden die Tickets durchschnittlich um rund 4 % teurer.



Auch die Touristikbranche reagiert. Die Katalogpreise für den kommenden Sommer werden zum Teil kräftig erhöht. So hat der Veranstalter FTI Touristik, München, die Preise für den Reisesommer 2001 um 3 bis 5 % angehoben. Bei LTU steigen die Preise für USA-Reisen um etwa 4 %. Dass Pauschalreisen nicht noch teurer werden, liegt vor allem daran, dass der harte Wettbewerb unter den Charterfluggesellschaften auf deren Preise drückt.



Belastend wirkt sich die Euro-Schwäche auf die Mineralölindustrie aus. Denn in Euro-Land werden Einfuhren von Ölprodukten auf Dollarbasis abgerechnet. Dies gilt auch für Gas- und Heizöllieferanten. "Der Euro-Verfall hat die Importe für uns stark verteuert. Wir konnten dies bei weitem nicht auf die Konsumenten abwälzen", sagt Rainer Winzenried, Sprecher der Deutschen Shell GmbH.



Inzwischen macht der Euro-Wertverlust selbst weltweit agierenden US-Unternehmen wie Coca-Cola zu schaffen. So warnte der Finanzchef des Konzerns, Gary Fayard, jetzt die US-Regierung: Ein schwächelnder Euro werde spätestens im kommenden Jahr voll auf die Erträge von Coca-Cola durchschlagen. Denn der weltgrößte Limonadenhersteller erwirtschaftet 16 % seiner Erträge in Europa.



Werner Koepf, Europa-Chef des US-Computerkonzerns Compaq, erwartet Preiserhöhungen für PC noch in diesem Quartal. Sein Unternehmen habe den Umsatz in Europa zwar um 21 % steigern können, in US-Dollar seien davon unter dem Strich jedoch nur 8 % Wachstum übrig geblieben. Der US-Softwarekonzern Microsoft hat bereits angekündigt, seine Preise in Europa im Dezember um durchschnittlich 6 % anzuheben.



Selbst in Nischen macht sich der Kursverfall bemerkbar: "Preiserhöhungen für die kommende Saison sind unumgänglich", kündigte der Verband der Spielwaren-Industrie an. Zwar werde es im Weihnachtsgeschäft kaum teurer, da die Preise bereits seit Februar vereinbart seien. Umso stärker sei der Druck in der neuen Saison.



Dagegen profitiert die europäische Luftfahrtindustrie vom hohen Dollarkurs. Denn Flugzeuge werden weltweit in Dollar verkauft, die Kosten fallen aber im Falle Airbus nur zur Hälfte in Euro an. Das bringt den US-Konkurrenten Boeing zunehmend unter Druck. So berichtet die Airbus-Mutter EADS, der starke Dollar schlage mit einem positiven Effekt von 440 Mill. Euro in der Bilanz zu Buche.



Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Michael Fuchs, warnte unterdessen in Berlin vor einer importierten Inflation: "Der schwache Euro wirkt wie Doping mit erheblichen Nebenwirkungen. Zwar verbessere der billige Euro die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure, doch sei dies ein zweischneidiges Schwert. Denn gleichzeitig vernachlässigten Unternehmen nötige Anstrengungen zur Rationalisierung.

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