Währungseffekte überlagern solide Resultate im ersten Quartal
Pharma-Branche wächst stärker als erwartet

Die Pharmabranche hat im ersten Quartal ihr Wachstum des Vorjahres wieder erreicht. Dabei profitierten US-Unternehmen vom fallenden Dollar, der europäische Konzerne bis zu 12 Prozent Umsatz kostete.

FRANKFURT/M. Patentabläufe und die massive Dollarabwertung haben bei etlichen Pharmaherstellern im ersten Quartal zwar deutliche Spuren hinterlassen. Insgesamt jedoch zeigt die Branche weiterhin ein überraschend solides Wachstum. Dafür sprechen sowohl Marktforschungsdaten als auch die bisher vorliegenden Quartalszahlen der führenden Pharmakonzerne. Bereinigt um die Wechselkurseffekte sind die Umsätze bei diesen Unternehmen nach unseren Schätzungen im ersten Quartal im Schnitt um etwa 7 % gewachsen und damit ebenso stark wie im vergangenen Jahr. Der Gesamtmarkt legte nach Daten des Marktforschungs-Unternehmens IMS Health nicht ganz so kräftig zu. Für die zwölf Monate bis Ende März meldet IMS ein Plus von 6 % im Apothekenmarkt.

In der Pharmabranche gehen die Wachstumsraten seit Ende der 90er Jahre tendenziell zurück, in den USA zum Beispiel von 16 % auf nur noch 10 %. Doch scheint dieser Prozess allmählich zum Stillstand zu kommen, nachdem die Welle der Patentabläufe wieder abgeebbt ist. Auch der Mangel an Neuentwicklungen wirkt sich offenbar nicht so gravierend aus wie zunächst befürchtet. Analysten und Investoren haben daher in den vergangenen Monaten wieder mehr Zuversicht für die Branche entwickelt. Merrill Lynch etwa stufte den Sektor jüngst von untergewichten auf neutral hoch. Pharmaexperte Andreas Theisen von WestLB Panmure erwartet ein Marktwachstum von 7 bis 8 % im Gesamtjahr. Er rechnet zudem mit weiteren positiven Nachrichten aus der Produktentwicklung, nachdem bereits in den vergangenen Monaten die Zahl der Neuzulassungen wieder zugenommen haben.

Unter den führenden Unternehmen der Branche mussten im ersten Quartal lediglich die US-Firmen Schering Plough, - Bristol-Myers Squibb (BMS) sowie Wyeth reale Umsatzeinbußen hinnehmen. Hier wirkten sich vor allem Patentabläufe negativ aus. Bei Wyeth spielte der durch negative Studien ausgelöste Einbruch bei Hormonersatz-Medikamenten eine Rolle . Generell stark beeinflusst wurden die Zahlen durch die erhebliche Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro. Sie bescherte US-Firmen etwa drei bis vier Prozentpunkte zusätzliches Wachstum, während europäische Pharmahersteller - soweit sie noch in Euro bilanzieren - zehn bis zwölf Punkte einbüßten. Dieser Effekt dürfte sich im zweiten Quartal eher noch verstärken. Denn immerhin notiert der Dollar derzeit rund ein Viertel niedriger als vor einem Jahr.

Gewisse Unsicherheit resultiert darüber hinaus aus der Frage, inwieweit Lagerhaltungseffekte die Quartalszahlen beeinflusst haben. Die Analysten von Lehman Brothers etwa gehen davon aus, dass vor allem amerikanische Großhändler in Erwartung weiterer Preiserhöhungen bei Medikamenten ihre Vorräte relativ kräftig aufgestockt haben. Alleine zwei Prozentpunkte Wachstum auf dem US-Markt könnten nach Schätzung von Lehman darauf beruhen. Zu den Unternehmen, die davon profitierten zählen sie neben den US-Firmen unter anderem Novartis und Astra Zeneca.

Patentabläufe und die nachfolgende Konkurrenz durch Nachahmerprodukte (Generika) bilden nach wie vor die größten Gefahren für die Performance der einzelnen Unternehmen. Allerdings wird der Einfluss teilweise auch überschätzt, was Ausmaß und Zeitdauer der Einbußen angeht. Das zeigt unter anderem die Entwicklung beim US-Konzern Eli Lilly, der den Patentablauf bei seinem einstigen Bestseller Prozac inzwischen verdaut hat und wieder kräftig expandiert.

Zudem zeigen Patentabläufe bisher unerwartet geringen Einfluss auf Konkurrenzprodukte. Altana etwa verbucht mit dem Magenmedikament Pantoprazol weiterhin starkes Wachstum, obwohl das vergleichbare Mittel Prilosec von Astra Zeneca inzwischen Generikakonkurrenz erhalten hat. Aventis und Pfizer konnten - entgegen den Prognosen vieler Analysten - ihre Marktanteile bei Allergiemedikamenten noch steigern, obwohl das vergleichbare Präparat Claritin von Schering-Plough den Patentschutz verloren hat und zudem frei verkäuflich ist. Trotz der Niedrigpreiskonkurrenz erwartet Aventis auch für das Gesamtjahr noch ein Umsatzplus für ihr Heuschnupfenmittel Allegra.

Quelle: Handelsblatt

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