Währungsexperten: Signal der Europäischen Zentralbank vor den US-Wahlen
Erneute Euro-Interventionen verpuffen

Die Europäische Zentralbank (EZB) verhindert nach Aussage von Währungsexperten mit ihren Interventionen, dass der Euro ins Bodenlose fällt. Den langfristigen Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung könne die EZB allein aber nicht brechen, sagen Experten.

swi/yo DÜSSELDORF/ FRANKFURT/M. Zum Wochenauftakt hat die Europäische Zentralbank (EZB) an den Devisenmärkten erneut zu Gunsten des Euros interveniert. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte unter ihrem Vortagesschluss. Der unmittelbare Einfluss der Intervention - der Euro kletterte kurzfristig auf 0,8727 $ - blieb zurück hinter der Wirkung des EZB - Eingriffs vom vergangenen Freitag. Die Intervention zum Wochenschluss hatte den Euro auf eine Höchstmarke von 0,8787 $ steigen lassen. Bis zum Montagnachmittag verpuffte der Wechselkurseffekt.

Den Erfolg der Intervention könne man aber nicht am Wechselkurs lesen, da man nicht wisse, wie der Euro ohne die Intervention auf die schwachen Konjunkturdaten aus der Euro-Zone reagiert hätte, sagt Stefan Schneider von DB Research. "Aus unserer Sicht waren sie erfolgreich", kommentierte Matti Vanhala, finnischer Notenbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied, die jüngsten Interventionen.

Mit den jüngsten Interventionen habe die EZB den Märkten ein Signal gesetzt und gezeigt, dass sie entschlossen sei, den Euro weiterhin - auch ohne die Hilfe anderer Notenbanken - zu unterstützen, urteilten Währungsexperten. "Die Händler sind nach unten vorsichtiger geworden", sagt Sarah Lütgert, Währungsanalystin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Würde sich die EZB jetzt aus dem Markt ziehen, läge der Kurs ganz schnell wieder bei 0,80 US-Dollar," sagt Tony Norfield, Währungsanalyst von ABN Amro.

EZB hat Zähne gezeigt

"Den langfristigen Abwärtskanal, in dem der Euro sich gegenüber dem US-Dollar bewegt, hat die EZB nicht durchbrechen können, sagt Dorothea Huttanus, Währungsanalystin der DG Bank. "Die EZB hat aber Zähne gezeigt und den Boden des Euros verteidigt." Die untere Grenze scheine bei 86,40 $ zu liegen. "Die EZB versucht mit den Eingriffen, den kurzfristigen Aufwärtstrend am Leben zu halten. Die Aussichten dafür sind nach Ansicht unserer technischen Analysten gut," kommentiert der Merrill Lynch-Ökonom Peter Saacke die Aktion der EZB.

Die Präsidentschaftswahlen in den USA könnten jedoch Druck auf den Euro ausüben. "US-Wahlen stärken tendenziell den Dollar", sagt Michael Heise, Chef-Volkswirt der DG Bank. "Ich halte das für eine weitere Belastungsprobe für den Euro. Zumal ich in naher Zukunft mit schwächeren Konjunkturdaten aus der Euro-Zone rechne."

Vor allem ein Wahlsieg der Republikaners George W. Bush könnte nach Ansicht von Experten den Euro schwächen. Denn der mögliche Kandidat Bushs für das Amt des US-Finanzministers, Lawrence Lindsey, gilt als Gegner von Interventionen. "Noch kann die EZB ihren Alleingang damit rechtfertigen, dass die amerikanische Notenbank wegen der US-Wahlen nicht an den Interventionen teilnehmen kann, sagt ABN-Amro-Experte Norfield.

Adolf Rosenstock, Ökonom der japanischen Nomura Bank ist der Meinung, die EZB wolle den Euro stabilisieren, für den Fall dass dieser nach einem Bush-Sieg unter Druck geraten sollte. "Die Intervention ist sinnvoll und erfolgreicher als bislang wahrgenommen wird. Die EZB hat vor einem wichtigen Datum wie der US-Wahl Flagge gezeigt. Der Euro könnte erheblich unter Druck geraten, wenn durchsickert, dass Lindsey Finanzminister wird und er ein paar kräftige Kommentare abgibt." Wie viele andere Währungsexperten rechnet er jederzeit mit weiteren Interventionen der EZB.

Wahl für Finanzmärkte uninteressant

Einige Analysten sind allerdings der Meinung, dass die US-Wahlen die Wechselkurse nur vorübergehend beeinflussen. "Bei einer Patt-Situation bleibt alles beim Alten. Wenn Bush gewinnt, gibt es einen kurzfristigen Schub für den Dollar", meint Lütgert von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

"Diese Wahl trifft auf geringes Interesse an den Finanzmärkten, weil sich die Programme nicht so sehr unterscheiden," sagt Gerd Müller, Chef-Devisenhändler der BfG-Bank. "Der Markt wird zurzeit von anderen Faktoren als der Wahl geführt. Der Ölpreis und die Wirtschaftsdaten haben einen viel größeren Einfluss auf den Euro- Kurs."

Mit den Interventionen verschaffe sich die EZB eine Verschnaufpause meint Analyst Norfield. "An den Euro-Kursen sind keine Spekulanten schuld. Europäische Anleger und Unternehmen legen ihr Geld lieber in den USA an. Solange sich an den Fundamentaldaten hier nichts ändert, kauft sich die EZB mit den Interventionen nur Zeit."

"Nachhaltig kann der Kurs nur mit einer anderen Geldpolitik unterstützt werden. Seit dem Sommer war die EZB sehr nachlässig gegenüber der Inflation. Den Vertrauensmangel, der entstanden ist, kann man mit ein bis zwei Zinserhöhungen besser aus der Welt schaffen", sagt Alex Blinkhorn von der Bank of Tokyo-Mitsubishi.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%