Währungsfonds sieht Schwellenländer vor Turbulenzen: IWF: Deflation in Japan dauert noch lange an

Währungsfonds sieht Schwellenländer vor Turbulenzen
IWF: Deflation in Japan dauert noch lange an

Der Konjunktur- Himmel über Japan bleibt düster. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stecke 2003 und 2004 weiter in der Deflationsfalle, schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem "World Economic Outlook", der dem Handelsblatt vorliegt und Mitte April offiziell vorgestellt wird.

WASHINGTON. Der IWF bescheinigt Japan ein weiterhin schwaches Wirtschaftswachstum, das zudem mit erheblichen Abwärtsrisiken belastet sei. Der Fonds verweist auf die Gefahr einer sich verschärfenden Banken-Krise, falls die Börsen nochmals einbrechen. Ein weiterer Negativ-Aspekt seien "falsch angepackte Reformen" - zum Beispiel, dass die Regierung die Banken zwinge, Problem-Kredite abzuschreiben, ohne neues Eigenkapital zuzuführen. Für 2004 prognostiziert der IWF ein Wachstum von 1,0 % nach 0,5 % im laufenden Jahr.

Insgesamt kommen die Ökonomen zu dem Schluss, dass die Weltwirtschaft 2003 auch ohne einen Irak-Krieg weniger stark wachsen werde als noch in ihrem letzten Outlook im Herbst erwartet. Erst für 2004 seien die Aussichten etwas rosiger: Die Weltwirtschaft wachse dann um 4,2 % nach 3,3 %. Für die USA erwartet der IWF 2004 3,9 % nach 2,4 %, für den Euro-Raum 2,4 % nach 1,3 %. Auch die deutsche Wirtschaft dürfte 2004 mit einem Wachstum von 2,0 % nach 0,7 % 2003 wieder mehr Fahrt aufnehmen, erwartet der Fonds.

Bei den Schwellen- und Entwicklungsländern rechnet der IWF mit weiteren Turbulenzen. "Lateinamerika erlebte 2001 und 2002 den schlimmsten Einbruch der beiden vergangenen Jahrzehnte - die Aussichten sind weiterhin unsicher", heißt es in dem Bericht. Die Wirtschaftskrise in Venezuela dürfte sich verschärfen, in Argentinien sei der Aufschwung noch schwach.

Wenig vielversprechend sind die Aussichten auch für die Türkei. Dort habe sich die Lage seit Beginn des Jahres verschlechtert - wegen des Irak-Konflikts, aber auch wegen einer "unzureichenden Finanz- und Bankenpolitik". Auch die GUS-Staaten müssen sich laut IWF 2003 auf ein langsameres Wachstum einrichten. So könne Russland für das laufende Jahr mit einem Plus von 3,5 % rechnen, 2004 jedoch nur mit 3,0 %.

Nur zwei Regionen können sich aus Sicht des IWF von der schwachen Weltkonjunktur abkoppeln: Die mittel und osteuropäischen Staaten (MOE) sowie Asien ohne Japan. In beiden Gebieten werde die Konjunktur wohl 2003 weiter Tritt fassen. Aber auch hier sieht der Fonds Risiken. Denn der Aufschwung hänge in beiden Fällen stark vom Export ab - und damit von den Industrieländern, in Asien vor allem von den USA, in den MOE-Staaten von Westeuropa.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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