Währungsfonds wehrt sich gegen Vorwürfe von Kritikern: IWF weist Mitschuld am Argentinien-Debakel zurück

Währungsfonds wehrt sich gegen Vorwürfe von Kritikern
IWF weist Mitschuld am Argentinien-Debakel zurück

Wie bei allen großen Finanzkrisen steht der Internationale Währungsfonds (IWF) auch beim Thema Argentinien am Pranger.

dpa WASHINGTON. Die Feststellung von IWF-Direktor Horst Köhler am Rande eines Bankertreffens in Basel, die schwere argentinische Finanzkrise sei "hausgemacht", ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Sie sagen, die vom IWF gebilligten drakonischen und deshalb unhaltbaren Sparmaßnahmen hätten das Debakel erst ausgelöst.

Die Institution in Washington, die Ländern bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten mit kurzfristigen Geldern aus der Patsche helfen soll, will von einer Mitschuld an der schweren Krise nichts wissen. "Den IWF ins Fadenkreuz zu nehmen, ist ungerecht", sagte ein hoher IWF-Vertreter in Washington. Das Programm des vor Weihnachten zurückgetretenen Wirtschaftsministers Domingo Cavallo mit der Null-Defizit-Politik, dem Festhalten an der Schuldentilgung und der Währungsbindung an den $ sei eine argentinische Erfindung gewesen, und keinesfalls vom IWF aufoktroyiert worden. Kritiker sprechen von vorauseilendem Gehorsam, doch der IWF bestreitet das.

"Die Argentinier sind jetzt am Zuge. Sie müssen sagen, was sie tun wollen", sagt der IWF-Vertreter. "Köhler hat an jeden Präsidenten geschrieben. Das Angebot zur Zusammenarbeit besteht." Die neue Regierung müsse aber ihre Vorstellungen zur Haushaltskonsolidierung und zum Schuldenabbau erst mal darlegen, dann sei zu diskutieren, welche finanziellen Hilfen nötig seien und wer sie geben könne.

Die Devise in Washington heißt also: abwarten. Das bestehende Hilfspaket für Argentinien liegt seit dem 5. Dezember auf Eis. Der IWF verweigerte die Auszahlung einer Kredittranche von 1,3 Mrd. $. Argentinien habe die sich selbst verschriebenen Auflagen der Null-Defizit-Politik nicht erfüllt, hieß es. Weil die neue Regierung die Eckpfeiler von Cavallos Wirtschaftspolitik aber aufgehoben hat, ist das IWF-Programm, das darauf baute, praktisch gestorben. Die neue Regierung muss mit dem IWF ein völlig neues Hilfsprogramm aushandeln.

So leicht kann sich der IWF nach Ansicht von Kritikern jedoch nicht aus der Affäre ziehen. Die Vorwürfe kommen aus allen Richtungen: Zu drastische Ausgabenkürzungen, sagen die Liberalen, zu lange Unterstützung mit neuen Krediten, als der Staatsbankrott schon abzusehen war, sagen die Konservativen. Der IWF habe nicht dazugelernt: auch Russland habe 1998 noch IWF-Kredite erhalten, ehe es Wochen später doch den Schuldendienst einstellen musste.

"Argentinien im August mehr Geld zu gewähren, ohne eine Umschuldung und eine Änderung der Währungsbindung war ein schlimmer Fehler", sagte der Ökonom Morris Goldstein vom Institut für Internationale Wirtschaft der "Washington Post". Der langjährige Chefvolkswirt des IWF, Michael Mussa, der im Sommer vergangenen Jahres zurücktrat, bezeichnete die Entscheidung als "die schlimmste, die der Währungsfonds je getroffen hat".

Schwierigkeiten hatte damit auch der dem IWF gegenüber generell misstrauische amerikanische Finanzminister Paul O'Neill. Der IWF müsse helfen, ein gesundes Argentinien aufzubauen, "nicht eines, dass das Geld der amerikanischen Klempner und Tischler verbrate", sagte O'Neill vergangenen Sommer. Dass die USA, größte Teilhaber des IWF, dem 8-Milliarden-Dollar-Paket nach langem Zögern schließlich doch zustimmten, zeige die traditionell schwierige Gratwanderung des IWF, halten Experten IWF-Kritikern entgegen.

Die Organisation habe nur die Wahl gehabt, ein wenig aussichtsreiches Konsolidierungsprogramm zu unterstützen oder einer frei gewählten Regierung eigene Rezepte aufzuzwingen. "Man kann den Fonds dafür kritisieren, dass er ein Programm unterstützte, das wenig Aussicht auf Erfolg hatte, aber das ist die geringere Sünde", sagte Harvard Ökonom Jeffrey Sachs, ansonsten ein ausgesprochener IWF - Kritiker, der Agentur Bloomberg.

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