Währungshüter bleiben bei ihrer abwartenden Haltung
Gemischte Signale bei der Inflationsentwicklung

Die europäischen Währungshüter bleiben bei ihrer abwartenden Haltung in der Zinspolitik: "Zwar tendieren die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht weiterhin nach oben, von den jüngsten Entwicklungen sind jedoch gemischte Signale ausgegangen", schreibt die EZB in ihrem heute vorgelegten Monatsbericht für Juli.

HB/mak FRANKFURT/M. Während der Anstieg des Euro-Wechselkurses zu einer geringeren Teuerungsrate beitragen dürfte, deuteten die Geldmengen- und die Lohnentwicklung nicht auf ein Nachlassen des längerfristigen Preisdrucks hin. Die Geldpolitik müsse daher die für die Preisstabilität auf mittlere Sicht ausschlaggebenden Faktoren "weiterhin aufmerksam beobachten".

Den voraussichtlichen Rückgang des Anstiegs der Verbraucherpreise im Juni auf unter 2,0 % wertet die EZB noch nicht als ein Nachlassen des Inflationsdrucks. Abhängig von der Ölpreis- und der Wechselkursentwicklung erwartet sie vielmehr, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten um die Marke von 2,0 % schwanken wird. Ausschlaggebend dafür seien Basiseffekte und das zögerliche Nachgeben der Kerninflationsrate - Verbraucherpreisanstieg ohne die Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel.

Auf längere Sicht dürfte die Aufwertung des Euros, sofern sie sich fortsetzt, die Teuerung dämpfen, schreibt die EZB: "Damit die Inflationsraten jedoch nachhaltig sinken, ist es von wesentlicher Bedeutung, dass Lohnsteigerungen mittelfristig mit der Preisstabilität vereinbar bleiben." Vor allem bei Dienstleistungen rechnet die Euro-Bank mit einem starken Einfluss der Löhne auf die Preisentwicklung. Die Lohnstückkosten seien 2001 mit durchschnittlich 2,6 % deutlich schneller gestiegen als im Vorjahr. 2000 lag der Durchschnittswert bei 1,0 %.

Nach wie vor hält die EZB ein weiteres Anziehen der Inlands- wie der Auslandsnachfrage für die wahrscheinlichste Entwicklung. Ein Nachlassen des Preisauftriebs dürfte das verfügbare Einkommen erhöhen und die Konsumausgaben wieder stärker wachsen lassen. Das Anziehen der Kreditvergabe an den privaten Sektor von 5,5 % im März und April auf 5,8 % im Mai ist für die EZB ein Indiz für die "konjunkturelle Aufhellung". Sorge bereitet ihr, dass in Euro-Land "deutlich mehr Liquidität vorhanden ist, als zur Finanzierung nachhaltigen inflationsfreien Wachstums benötigt würde". Allerdings sei die Stärke des Aufschwungs immer noch unsicher, was auch die Entwicklung an den Finanzmärkten zeige.

Quelle: Handelsblatt

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