Währungshüter lassen Euro-Leitzinsen unverändert
EZB sieht Inflationsrate bald unter zwei Prozent

Der EZB-Rat sieht Preisstabilität und Konjunktur durch die gestiegenen Ölpreise noch nicht gefährdet. Im Gegenteil: Er erwartet ein Aufhellen des Konjunkturhimmels im Euro-Raum. Sollte die Ölpreise aber hoch blieben oder weiter steigen, habe das Konsequenzen für Wachstum und Inflation.

mak FRANKFURT/M. Etwas optimistischer als noch vor vier Wochen beurteilt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) die Perspektiven für das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum. Die reale Wachstumsrate sollte im Laufe des Jahres wieder auf 2,5 % anziehen, erklärte EZB-Chef Wim Duisenberg nach der gestrigen Sitzung des Rates. Bisher sahen die Währungshüter diese Rate erst wieder "zum Jahresende" erreicht. Umfragen, Frühindikatoren und Finanzmarktindikatoren hätten in den vergangenen Wochen die Hoffnung auf eine Erholung bestärkt, sagte der EZB-Präsident.

Der von Duisenberg präsentierten Analyse liegt zugrunde, dass der aktuelle Ölpreisanstieg nicht von Dauer sein wird. So erwartet der Rat, dass der Aufschwung nicht in erster Linie von den Exporten, sondern von der Inlandsnachfrage getragen wird, durch erhöhte Ölrechnungen also nicht in nennenswertem Umfang Kaufkraft abgeschöpft wird. "Wir gehen nach wie vor davon aus, das die Inflationsrate in den kommenden Monaten unter 2 % fallen und im Jahresdurchschnitt unter 2 % oder nahe 2 % liegen wird", sagte Duisenberg. Er hoffe, dass die kritische Marke von 2 % - wie erwartet- bereits im Mai unterschritten werde. Sollte der Ölpreis hoch bleiben oder weiter steigen, habe das Auswirkungen auf die Inflation und die Produktion. Das sei aber noch keinesfalls sicher.

"Wenn es Risiken für die Preisstabilität gibt, dann sind es hauptsächlich Inflationsgefahren", so Duisenberg. "Es ist aber noch zu früh zu sagen, in welchem Umfang sie eintreten." Von dem in den vergangenen Monaten raschen Wachstum der Geldmenge befürchtet der Rat nach wie vor keine negativen Auswirkungen auf das Preisniveau. Die Dynamik des Geldmengenwachstums habe sich abgeschwächt. Erst wenn die wirtschaftliche Aktivität an Fahrt gewinne, könnte die anhaltend hohe Liquidität Anlass zur Sorge geben.

Entsprechend hat der EZB-Rat die Euro-Leitzinsen unverändert gelassen. Der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems liegt nach wie vor bei 3,25 %. Die Ecksätze für den Geldmarkt betragen wie bisher 2,25 % und 4,25 %.

Auch die Bank of England hat erwartungsgemäß ihren Leitzins mit 4 % bestätigt. Die Notenbank gab keine Begründung für ihren Beschluss. Die britischen Notenbankzinsen liegen auf dem niedrigsten Niveau seit 38 Jahren.

Duisenberg räumte ein, dass die Einführung des Euro im Dienstleistungsbereich zum Teil zu Preiserhöhungen geführt hat. Das könnte zu dem fälschlichen Schluss führen, dass die Preise infolge der neuen Währung allgemein angezogen hätten. "Ich hoffe, dass dieser Effekt bald abklingt", sagte der EZB-Chef.

Der Ankündigung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke, die Bundesbank wolle einen Teil ihrer Goldreserven auflösen, steht der EZB-Präsident gelassen gegenüber. Die Bundesbank habe das Abkommen mit unterschrieben, in dem sich 15 Notenbanken verpflichten, bis September 2004 jährlich nur etwa 400 Tonnen Gold abzusetzen. Welteke könne nur die Zeit danach im Auge gehabt haben. "Ich bin sicher, dass die Bundesbank - wie alle anderen Zentralbanken - sehr verantwortungsbewusst handeln wird", beruhigte Duisenberg. Das Management der Währungsreserven und der nationalen Aktiva aller Notenbanken des Eurosystems unterliege den Regeln der EZB. Dass eine Notenbank Aktien erwerbe, sei nicht ungewöhnlich.

Quelle: Handelsblatt

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