Währungshüter tragen der Kritik Rechnung
EZB baut ihre Strategie um

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ihre geldpolitische Strategie in wichtigen Punkten verfeinert. Ziel ist es, die oft kritisierte Kommunikation mit den Märkten und der Öffentlichkeit zu verbessern.

FRANKFURT/M. In der Sache bleibt zwar alles beim Alten; aber die Zinspolitik wird künftig geschickter verkauft. So lässt sich das Ergebnis der Überprüfung der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammenfassen, das die Währungshüter am Donnerstag vorstellten. "Es bleibt bei dem Zwei-Säulen-Konzept, und Geld hat nach wie vor eine prominente Rolle", sagte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing. "Es gibt keinen Grund, künftig eine andere Geldpolitik zu erwarten."

Die Strategie, mit der die Euro-Bank Anfang 1998 an den Start ging, besteht aus drei Hauptelementen: einer quantitativen Definition von Preisstabilität, einer herausragenden Rolle der Geldmenge bei der Beurteilung der Risiken für die Preisstabilität (erste Säule) und einer breit angelegten Beurteilung der Aussichten für die Preisentwicklung (zweite Säule). Nach gut vier Jahren kündigte die EZB Anfang des Jahres an, ihre Strategie vor dem Hintergrund der bisher gewonnenen Erfahrungen, neuer empirischer Studien sowie kritischer Kommentare aus Wissenschaft und Praxis zu überprüfen. "Das ist für eine so junge Währungsbehörde sehr selbstbewusst, aber vernünftig", kommentierte der Präsident der Federal Reserve Bank of St. Louis, William Poole.

Ihre bisherige Definition von Preisstabilität hat die EZB gestern bestätigt. Sie wurde 1998 festgelegt als "Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter 2 % gegenüber dem Vorjahr". Praktisch werde die EZB darauf abzielen, mittelfristig eine Preissteigerungsrate von "nahe 2 %" beizubehalten, erklärte Issing. Das habe sie auch bisher bereits getan. Dieses Ziel trage einerseits der Tatsache Rechnung, dass selbst niedrige Inflationsraten Kosten verursachten. Andererseits biete es eine ausreichende Sicherheitsmarge gegen Deflationsrisiken. Es trage zudem eventuellen Messfehlern beim HVPI sowie den Auswirkungen von Inflationsunterschieden im Euro-Raum Rechnung.

"Seine geldpolitischen Beschlüsse wird der EZB-Rat weiterhin auf der Basis einer umfassenden Analyse der Risiken für die Preisstabilität treffen", erläuterte EZB-Präsident Wim Duisenberg. Er wolle aber die Kommunikation hinsichtlich der gegenseitigen Prüfung von Informationen, die zur Bildung der einheitlichen Gesamtbeurteilungen der Risiken für die Preisstabilität herangezogen würden, gerne verbessern. Zu diesem Zweck werden die "einleitenden Bemerkungen" des Präsidenten bei den Pressekonferenzen neu strukturiert.

Sie beginnen mit der wirtschaftlichen Analyse zur Ermittlung der kurz- und mittelfristigen Preisrisiken. Daran schließt sich die monetäre Analyse an, in der die mittel- bis langfristigen Inflationstrends mit Blick auf den engen Zusammenhang zwischen der Geldmenge und den Preisen über längere Horizonte bewertet werden. Die neue Struktur werde besser verdeutlichen, dass die beiden Ansätze einander ergänzende Analyserahmen böten, wobei die monetäre Analyse dazu diene, die Ergebnisse der wirtschaftlichen aus mittel- bis langfristiger Perspektive zu überprüfen. Eine weitere Änderung: Die EZB wird den Referenzwert für das Wachstum der Geldmenge M3 nicht mehr jährlich überprüfen, sondern dann ändern, wenn sich Änderungen im Potenzialwachstum ergeben. "Die jährliche Überprüfung hat Verwirrung gestiftet", sagte Issing.

Quelle: Handelsblatt

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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