Währungsrisiko beeinflusst ausländische Aktien und Anleihen – Aufwärtstrend beim Euro würde US-Wertpapiere für deutsche Anleger billiger machen
Euro-Schwankungen verunsichern Investoren

Kurzfristig beeinflussen schwankende Wechselkurse den Wert internationaler Depots enorm. Wer sein Geld weltweit anlegt, kommt um das Währungsrisiko nicht herum. Vermögensberater empfehlen eine breite Streuung und einen langfristigen Anlagehorizont, um die Wirkung der Schwankungen zu mildern.

DÜSSELDORF. Auf die Aktie von General Electric hat Bernd Hafel (Name geändert) schon lange ein Auge geworfen. Doch kaufen wird er die Papiere des US-Konzerns vorerst nicht. "Bei diesem Euro-Kurs sind mir Dollar-Aktien einfach zu teuer", sagt der Privatanleger.

Hafel fürchtet Währungsverluste. "Was nutzen mir zehn Prozent Kursgewinn mit einer US-Aktie, wenn der Dollar im gleichen Zeitraum zwanzig Prozent gegenüber dem Euro verliert?" sagt er.

Viele Privatanleger sorgen sich um die schwankenden Devisenkurse, die ihre Depots durcheinander wirbeln. Die Sorge ist berechtigt - zumindest auf kurze Sicht. Denn "jede Anlageentscheidung ist gleichzeitig auch eine Währungsentscheidung", betonte der legendäre Spekulant George Soros. "Viele Investoren machen sich darüber zu wenig Gedanken", ärgerte sich Soros.

Theoretisch lässt sich das Währungsrisiko ausschalten durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente - so genannter "Hedges" (von "hedging" = absichern). Doch Vermögensverwalter raten davon ab. "Bei Hedges liegt man mal richtig und mal falsch, aber Geld zahlt man immer", sagt Vermögensverwalter Eckhard Sauren, der drei weltweit anlegende Dachfonds verwaltet. Die meisten Aktienfondsmanager verzichten auf "Hedges", die nichts anderes als eine Währungsspekulation sind. Und da halten sich selbst die meisten Aktienprofis zurück.

Ohnehin beeinflussen Wechselkurse den Depotwert auf Dauer weniger als kurzfristig, sagt Alfred Dragon vom US-Geldhaus Prudential. "Darauf weisen wir unsere Kunden immer wieder hin", sagt der Vermögensberater, der in Düsseldorf Portfolios von Privatkunden betreut.

"Manche Kunden wollen den hohen Dollarkurs nutzen, um ihre US-Aktienbestände abzubauen", erzählt Dragon. Doch der starke Dollar sei kein Grund, um gute Aktien zu verkaufen. "Die Positionen dienen ja eigentlich zum langfristigen Vermögensaufbau und nicht zur Devisenspekulation", sagt Dragon.

Währungsschwankungen wirken zwiespältig

Auf die Dauer werden Währungsschwankungen zum Teil durch gegenläufige Bewegungen der Aktienkurse ausgeglichen. Das gilt besonders für internationale Firmen.

Beispiel Dow Chemical: Wer als deutscher Anleger vor einem Jahr Papiere des amerikanischen Chemie-Konzerns gekauft hat, kann sich über Währungsgewinne freuen. Denn der Wert der in Dollar notierten Aktie klettert schon allein durch den Anstieg der US-Währung. Andererseits Dow Chemical kann wegen des teuren Dollars seine Produkte schwerer exportieren. Zudem sind die Umsätze der europäischen Dow-Werke nun plötzlich weniger Dollar wert. Beides belastet die Bilanz - und führt tendenziell zu einem Kursrückgang.

Umgekehrt ist die Lage bei Porsche: Ein US-Investor sitzt zwar auf Währungsverlusten, falls er die in Euro notierte Aktie gekauft hat. Doch der edle Autobauer kann seine in Euro-Land produzierten Sportwagen in den USA besser absetzen - was den Kurs beflügelt. Beide Effekte gleichen sich tendenziell aus.

Vermögensberater empfehlen ein ausgewogenes Portfolio und einen langfristigen Anlagehorizont als bestmöglichen Schutz gegen Währungsschwankungen. "Dabei sollten kontinental-europäische Investoren den Schwerpunkt seiner Geldanlage auf den Euro legen", rät Dachfondsmanager Sauren.

Experten empfehlen breit gestreute Portfolios

Keineswegs sollten langfristig orientierte Investoren aber ihr gesamtes Vermögen auf die eigene Währung konzentrieren, betont Thomas Vöcking, Direktor der Abteilung Strategic Asset Consulting der Deutschen Bank. Denn eine breite Streuung führe zu einem besseren Chance-Risiko-Verhältnis. Diesen Rat zu befolgen, fällt beim Aktienkauf offenbar leichter als bei Anleihe-Investments, beobachtet der Deutsche-Bank-Stratege.

"Wer in Aktien investiert, nimmt ohnehin das Kursrisiko auf sich", sagt Vöcking, "da werden Währungsschwankungen eher in Kauf genommen". Doch auch sicherheits-orientierte Anleihekäufer könnten ihre Renditechancen durch einen Anteil von Fremdwährungspapieren verbessern.

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