Währungsumstellung könnte für Konfusion sorgen
Euro-Start für die meisten Griechen noch in weiter Ferne

Die Plakate mit den Abbildungen der Euro-Münzen und Banknoten hängen zwar in den meisten griechischen Bankfilialen, aber viel Beachtung finden sie offenbar nicht. Sechs Wochen vor der Einführung des Euro als gültiges Zahlungsmittel wissen viele Griechen immer noch sehr wenig über das neue Geld.

HANDELSBLATT

ghö ATHEN. Laut jüngsten Umfragen fühlen sich 40 % der Hellenen gar nicht oder nur unzureichend informiert. Auf die Frage nach dem Wechselkurs, zu dem die Drachme in Euro getauscht wird, weiß nur jeder zweite die richtige Antwort.

"Erhebliche Informationsdefizite der Öffentlichkeit" sieht auch Christos Kefalas, Euro-Beauftragter bei der Alpha Bank, Griechenlands größtem privaten Kreditinstitut. Die Banken allerdings seien "sehr zufrieden" mit der Vorbereitung auf die neue Währung. Die Umstellung der Konten auf Euro sei bei vielen Kreditinstituten bereits im laufenden Jahr erfolgt. Von den 750 Geldautomaten der Alpha Bank sollen in der Neujahrsnacht innerhalb von zwei Stunden mindestens 500 auf Euro umgestellt werden, verspricht Kefalas. Bereits an den Tagen vor dem 31. Dezember will die Alpha Bank zwei der vier Schächte ihrer Geldautomaten mit Euro-Noten bestücken. Zum Jahreswechsel wird dann nur noch eine Software-Umstellung nötig sein.

Weniger gut als die Banken sind allerdings viele griechische Unternehmen auf die neue Währung vorbereitet. Die Nachfrage nach Euro-Münzen und Scheinen seitens der Unternehmen sei bisher weitaus geringer als erwartet, berichtet Kefalas. "Vor allem die mittleren und kleinen Betriebe haben noch gar nicht begriffen, was auf sie zukommt", meint der Banker. Mit Problemen müsse man wegen des parallelen Umlaufs von Drachmen und Euro während der zweimonatigen Übergangsfrist vor allem im Einzelhandel rechnen.

Das glaubt auch Götz Funck, Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen. "Aber man wird diese Probleme wahrscheinlich in Griechenland flexibel und mit dem sprichwörtlichen griechischen Improvisationstalent lösen, pagmatischer wohl als zum Beispiel in Deutschland", vermutet Funck. Dass die Drachme wirklich, wie vorgesehen, nach Ablauf der Übergangsfrist am 1. März in Griechenland aus dem Geldumlauf verschwunden ist, glauben die wenigsten Beobachter. In entlegenen Bergdörfern dürfte sich der Euro erst allmählich durchsetzen. Dort wird man wohl auch nach dem 1. März 2002 im Kaffeehaus den "elliniko", den griechischen Mokka, mit Drachmen bezahlen können.

Ungewohnt wird für die meisten Griechen nicht nur der Umgang mit Dezimalstellen sein. Sie müssen künftig in ganz anderen Dimensionen denken. Die größte griechische Banknote ist bisher der 10 000-Drachmenschein. Das entspricht gerade einmal 30 ?. Um die Hellenen allmählich an das neue Geld zu gewöhnen, wird die griechische Zentralbank deshalb die 200er und 500er Euro-Noten zunächst gar nicht in Umlauf bringen. Ein Fünfhunderter entspricht immerhin 17 bisherigen Zehntausendern. Frühestens 2003 sollen die beiden größten Euro-Banknoten eingeführt werden. Ausländische Urlauber, die im kommenden Jahr ihre Hotelrechnung mit diesen Banknoten bezahlen wollen, könnten also Schwierigkeiten bekommen. Nur die Banken werden diese Scheine annehmen - und aus dem Verkehr ziehen.

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