Währungsunion mit England besteht seit Jahrhunderten
Die Schotten freuen sich auf den Euro

Portree ist kein Ort, in dem man Euro-Enthusiasten vermuten würde. Das kleine Städtchen liegt auf der Isle of Skye, tief im schottischen Norden. Nachmittags um halb vier wird es dunkel, und ein eisiger Wind weht von den Bergen.

POTREE. Die Fenster sind beschlagen als Neil Trail im Kulturzentrum von Portree zum Vortrag ansetzt. Er ist aus Glasgow angereist, um schottische Kleinunternehmer über den Euro zu informieren. "Zwölf Länder gehören zur Euro-Zone. Zwölf Länder in denen mit einer Währung bezahlt werden kann. Schottland muss sich darauf einstellen sonst verlieren wir im Wettbewerb", sagt Trail. "Ihr müsst in Euren Läden auch den Euro akzeptieren und die Preise in Euro auszeichnen", appelliert er an seine Zuhörer.

Doch viel Überzeugungsarbeit muss Trail gar nicht leisten. Eine Abstimmung zu Beginn der Veranstaltung ergibt: 80 Prozent der anwesenden Unternehmer sind für eine schnelle Einführung des Euros in Schottland. Es sind zumeist Vertreter von Tourismusfirmen, die diese pragmatische Haltung einnehmen.

"Wissen Sie, dieses ganze Gerede von unserer angeblichen Liebe zum Pfund Sterling, das ist doch altes Denken. Wir Schotten sind Europäer, und deshalb werden wir den Euro bekommen", sagt Linda Henderson. Sie organisiert Wanderungen durch die schottischen Highlands. Ihre Kunden kommen zumeist aus Nordeuropa. Eine andere Zuhörerin vermietet "Bed and Breakfast"-Gästezimmer auf der Isle of Skye. Sie fürchtet, dass die amerikanischen Touristen ausbleiben, wenn es in den Ländern der Euro-Zone mit dem einheitlichen Geld bequemer ist als im Vereinigten Königreich.

Die schottischen Unternehmer wollen nicht ins Hintertreffen geraten. Vorsichtig wird die britische Regierung kritisiert. "Warum dauert das solange mit dem Euro-Referendum?" will ein Zuhörer in Portree wissen. Ian Trail, der im Auftrag von Scottish Enterprise, der staatlichen Wirtschaftsförderung, arbeitet, erzählt diplomatisch von schwierigen politischen Verhandlungen. Dann verteilt er Euro-Münzen aus Schokolade.

Donald Mac Rae, Chefvolkswirt der Bank Lloyds TSB Scotland, verweist darauf, dass fast die Hälfte aller schottischen Unternehmen enge Verbindungen zur Euro-Zone hat. "Von diesen Unternehmen haben bereits 60 Prozent Konten in Euro", sagt er stolz. Mac Rae ist Schotte durch und durch - und das heißt auch, dass er den Engländern immer ein Stück voraus sein will.

John Home Robertson, Mitglied im Europa-Ausschuss des schottischen Parlaments, hat seine eigene Theorie, warum die Schotten gegenüber dem Euro aufgeschlossener sind als die Engländer. Er holt aus seinem Portemonnaie eine Fünf- Pfund-Note der Bank of Scotland, einen Zehn-Pfund-Schein der Royal Bank of Scotland und eine Fünf- Pfund-Note der Bank of England.

"Wissen Sie, wir sind seit mehr als dreihundert Jahren Teil des Vereinigten Königreichs, aber wir haben immer noch unsere eigene Währung, das schottische Pfund", sagt Robertson. "Die Hoheit über das Geld teilen wir mit den Engländern. Deshalb ist es für uns Schotten sehr leicht, die Vorteile einer Währungsunion zu sehen - viel leichter als für unsere lieben englischen Nachbarn", sagt Robertson.

Manuela Kasper-Claridge leitet die Wirtschaftsredaktion von DW-TV, dem deutschen Auslandsfernsehen. Mehr zum Thema "Großbritannien und der Euro", erfahren Sie am 20.12.2001 um 20.30 Uhr, im Magazin Made in Germany auf DW-TV.

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