Wälzer sind out: Immer mehr Verlage bieten Ratgeber mit Management-Tipps in handlichem Format an.
Abgespeckte Wälzer: Managementwissen im Westentaschen-Format

Die Regale ächzen unter der Last der schweren Bücher. Staub liegt auf den Standardwerken, in denen Buchhaltungs-, Vertriebs- und Marketingwissen auf mehreren hundert Seiten vermittelt wird. Gelesen werden solche Bücher nur selten und ungern. Zu abschreckend wirken die dicken Wälzer mit dem geballten Wissen.

DÜSSELDORF. Seit 1987 hat sich deshalb bei den Verlagen ein neuer Trend entwickelt: Management-Wissen im Taschenformat vermitteln. Der STS-Verlag, ein Tochterunternehmen der Haufe Mediengruppe, hat als erster Verlag begonnen, eine Serie von Taschenbüchern zu verschiedenen Managementthemen als Paperback zu entwickeln. Noch heute ist er damit Marktführer in dem Segment kleiner, handlicher und schnell lesbarer Management-Ratgeber.

Die Ratgeber kommen unter dem Namen "Taschenguide" auf den Markt, von dem mittlerweile über 50 verschiedene Titel vorliegen. Deren Themen decken die verschiedensten betriebswirtschaftlichen Bereiche mit Titeln wie "Arbeitsverträge", "Bilanzen lesen", "Existenzgründung" oder auch "Manipulationstechniken" ab. Bei allen Büchern gilt: Sie haben eine einheitliche Gestaltung, sind etwa 130 Seiten stark, mit lockerem Layout und einer Grafik, die die inhaltlichen Aussagen unterstreicht. Fast alle Titel werden für diese Serie verfasst, nur wenige sind abgespeckte Versionen größerer Bücher. Der STS-Verlag hat in diesem Segment eine Vorreiter-Rolle gespielt - mit gutem Erfolg: Im Durchschnitt verkaufen sich von jedem Titel wenigstens 7 000 Exemplare. Einzelne Titel erreichen sogar Auflagen von mehreren Zehntausend - insgesamt sind bereits eine Million Exemplare abgesetzt worden. Das spricht sowohl für die Popularität der Serie als auch für die Qualität der einzelnen Bücher.

Dass sich solche Taschen-Ratgeber nicht filigran und differenziert mit einzelnen Themen auseinandersetzen können, versteht sich von selbst. Jedes Büchlein soll Führungskräften - nicht nur den jüngeren - eine Grundorientierung vermitteln, ohne jeglichen theoretischen Ballast. Praxisbezogenheit und schnelle Umsetzbarkeit stehen im Vordergrund.

Längst haben auch andere Verlage den Trend erkannt: Der Gabal Verlag hat für das schnelle Lesen seine Serie "30 Minuten für ..." entwickelt. Sie hat ein ähnliches Format wie die STS-Bücher. Mit zirka 80 Seiten sind sie etwas dünner und auf Grund der kleineren Schrifttypen auch schwerer zu lesen. Trotzdem kann Gabal mit einer ganzen Reihe von Top-Autoren glänzen. Unter anderem Reinhard Sprenger: "30 Minuten für mehr Motivation" oder Lothar Seiwert: "30 Minuten für optimales Zeitmanagement". Pro Jahr erscheinen zwölf neue Titel mit einer Erstauflage von rund 5 000 Exemplaren. Inhaltlich sind sie weniger auf "harte" betriebswirtschaftliche Themen ausgerichtet, sondern mehr auf verschiedene Berufsfragen, Verhaltensweisen oder Führungsprobleme. Ob diese Büchlein tatsächlich immer in 30 Minuten zu lesen sind und ob sich das Thema wirklich in 30 Minuten erfassen lässt, sei dahingestellt.

Für Leser, die etwas mehr Zeit investieren wollen, bietet Gabal aber auch noch Ausführlicheres: "Gabal Business - Für Erfolg und Karriere". Diese Serie hat ein etwas größeres Format, einen Hardcovereinband und ihre Titel können auch schon einmal den Umfang von 200 Seiten erreichen. Die Themen behandeln jedoch weniger das konkrete Management, sondern konzentrieren sich mehr auf Geschäftssegmente (zum Beispiel Helga Schuler: "Verkaufserfolg am Telefon") oder allgemein auf Persönlichkeitsprobleme (Egon R. Sawizki: "NLP im Alltag") Einige der Titel haben inzwischen sehr hohe Auflagen erreicht (Josef W. Seifert: "Visualisieren, Präsentieren, Moderieren" - 120 000 Exemplare).

Etliche Titel aus beiden Reihen bietet der Verlag auch als Hörkassette oder als CD-ROM Video an.

Der Eichborn Verlag lebt im Wirtschaftssegment hauptsächlich von seinen Starautoren Hesse/Schrader. Diese vermarktet er konsequent und wirtschaftlich eindrucksvoll. Der Erfolg der Paperbacks zu Wirtschaftsfragen hat den Verlag veranlasst, zwei eigenständige Serien zu entwickeln. Die "Fast Reader" sind ebenfalls im Westentaschenformat gehalten und haben weniger als 100 Seiten. Bisher erscheinen darin im Wesentlichen frühere Titel von Hesse/Schrader, umgestrickt auf Bewerbungsstrategien. Deshalb ist ihre Auflage mit rund 15 000 Exemplaren auch sehr hoch. Ebenfalls als Paperback aber in einem größeren Format erscheint die Serie "don?t panic". Die Bücher haben etwas mehr als 100 Seiten, sind durch die größere Schrifttype gut lesbar, aber grafisch noch verbesserungsbedürftig. Auch sie sind im "Softskill"-Segment angesiedelt (zum Beispiel Thomas Wieke: "Clever verhandeln").

Auch der Hanser Verlag hat mit einer kleinen Serie "Pocket Power" (Bruno Augustoni, Professionell präsentieren) Erfolg. Allerdings ist dieses Segment bei Hanser nicht so umfangreich wie bei STS oder Gabal. Hanser hat bisher sehr viel weniger Titel auf den Markt gebracht - erreicht demzufolge auch nicht deren Verbreitung.

Diese Verbreitung hat zwar der Humboldt Verlag mit seinen Serien "Beruf" oder "Information Wissen" erreicht, indessen sind in seiner Serie nur vergleichsweise wenige Management-Titel enthalten. Auch die Titel dieser beiden Serien sind in der Regel gut gestaltet, wenngleich der Inhalt selbst für Taschenratgeber häufig recht dürftig geraten ist.

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