Wäschehersteller geraten durch immer neue Anbieter unter Druck – Weihnachtszeit ist Dessouszeit
Geschäft mit der Spitze floriert

Kurz vor Weihnachten herrscht Hochbetrieb in den Wäsche- und Dessousläden. Allerdings profitieren nicht mehr nur etablierte Hersteller von dem Fest, sondern immer mehr auch branchenfremde Anbieter.

DÜSSELDORF. Die wohl proportionierte blonde Frau schaut mit ihren strahlend blauen Augen von der Plakatwand gen Himmel. In ihrer roten Spitzenunterwäsche verdreht sie so manchem Passanten den Kopf. Bundesweit wirbt die junge Schönheit für den Wäschehersteller Schiesser aus Radolfzell am Bodensee. Werbeslogan: Alles, was Sie berührt. Auch wenn sie die Vorbeigehenden durch ihren reizenden Anblick und die sexy Unterwäsche anmacht: Ob sie die potenziellen Kunden tatsächlich auch zum Kaufen animiert, ist fraglich.

Denn es wird immer schwieriger für deutsche Wäschehersteller, sich im hart umkämpften Markt durchzusetzen. "In den vergangenen Jahren sind viele Anbieter hinzugekommen, die nicht aus der Branche kommen", sagt Peter Giernoth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Maschen-Industrie. Die Liste der Unternehmen, die sich im Dessous- und Wäschegeschäft tummeln, wird immer länger: Strumpfhersteller wie Sara Lee, Kunert und Falke haben ihre Affinität zur Wäsche entdeckt. Tchibo bringt in seinen wöchentlichen Themenwelten immer häufiger Slips und Hemden in die Kaffeelädchen, das Filialunternehmen Strauss Innovation expandiert mit günstigen Dessous und auch die Bekleidungsketten H & M, Zara und Mango setzen stärker auf das Geschäft mit der Spitze. Kürzlich hat H & M zwei eigenständige Wäsche-Filialen "H&M Details" für die weibliche Klientel in Köln und Oberhausen eröffnet.

Insbesondere zur Weihnachtszeit, der wichtigsten Saison, spüren traditionelle Hersteller und Fachhändler die neue Konkurrenz. Nach Schätzungen von Verbandsmanager Giernoth macht ein Fachgeschäft etwa 20 % seines Umsatzes im Dezember. "Das Weihnachtsgeschäft wird an dem bislang aufgelaufenen Minus nichts Wesentliches mehr ändern", heißt es beim Verband der Maschen-Industrie. "Die Kunden sind einfach zu zurückhaltend." Die Branche hat im laufenden Jahr bereits ein Umsatzminus von 3 % eingefahren. Viele Kunden halten sich selbst bei Anschaffungen wie Hemd und Höschen zurück. Im Vergleich zur gesamten Textilindustrie steht die Branche allerdings noch gut da: Die Bekleidungshändler hat bislang etwa ein Zehntel weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum umgesetzt. Hinzu kommt allerdings auch, dass viele der neuen Konkurrenten - sei es H&M, Zara oder Tchibo - ihre Umsätze stetig steigern und von dem Branchenverband nicht erfasst werden.

Bedarf an Luxus-Marken scheint es dennoch zu geben. Besonders teure Wäsche wie "La Perla" aus Italien, "Barbara" oder "Simone Pérèle" aus Frankreich - mit Preisen ab 100 Euro für BH und Höschen - würde sich nach wie vor gut verkaufen, sagt Verbandsmanager Giernoth. Diese Dessous würden als Anschaffung gesehen, die man sich nach wie vor noch leiste.

Auch etwas günstigere Labels wie Triumph, Mey oder Palmers entwickelten sich gut, sagt Giernoth. "Wir werden dieses Jahr mit einem leichten Plus abschließen", bestätigt Thomas Schudmann, Vertriebsleiter bei Palmers. Das österreichische Unternehmen, derzeit mit gut 50 Filialen in Deutschland vertreten, hat hier zu Lande auch in diesem Jahr noch drei Geschäfte eröffnet. "In der Weihnachtszeit kommen besonders viele Herren in die Läden, die ein passendes Geschenk für ihre Partnerinnen suchen", sagt Schudmann. Rote Wäsche verkaufe sich gut, auch Seidiges werde alle Jahre wieder gerne genommen. Ein Viertel seines Umsatzes macht Palmers im Weihnachtsgeschäft.

Auch Schiesser ist zufrieden mit der diesjährigen Entwicklung: "Mit unserer Kampagne für rote Wäsche liegen wir genau richtig", sagt Rebekka Kröger, Marketing-Leiterin bei Schiesser. Der neue Trend setze sich in diesem Jahr auch bei der jungen Zielgruppe durch.

Während bekannte Markenhersteller sich noch behaupten, gehören Produzenten mit geringer Bekanntheit zu den Verlierern. Insbesondere mittelpreisige Wäsche aus deutschen Landen gerät durch die neue Konkurrenz unter Druck. Denn Tchibo oder Strauss bringen Produkte ähnlicher Qualität auf den Markt - aber zu weitaus günstigeren Preisen, da sie überwiegend im Ausland nähen lassen. "Für den Verbraucher ist diese Entwicklung günstig, für inländische Produzenten allerdings katastrophal", sagt Giernoth. Der Verbandsmanager spricht für etwa 200 Hersteller, die zumindest teilweise noch in Deutschland fertigen. Sie könnten mit den niedrigen Preisen der neuen Konkurrenz nicht mithalten.

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