Waffeninspekteure treffen im Irak ein – US-Senatoren rechnen mit einem Krieg im Frühjahr
Blix stellt Saddam auf die Probe

Vier Jahre nach ihrem Abzug sind die Uno-Waffeninspektoren in den Irak zurückgekehrt. Vom Ergebnis ihrer Kontrollen hängt ab, ob die USA und ihre Verbündeten das Land angreifen. Zwar kann Chef- Inspektor Hans Blix auf modernste Hilfsmittel zurückgreifen. Doch bessere Technik alleine kann den Erfolg nicht garantieren.

cap/law DÜSSELDORF. Sie sind politisch und technisch besser gerüstet denn je - und sie sind fest entschlossen, der Gefahr von Massenvernichtungswaffen im Irak auf den Grund zu gehen. "Die Lage ist sehr gespannt, aber wir kommen mit einer Chance", sagte Uno-Chefinspekteur Hans Blix am Montag nach seiner Ankunft in Bagdad. Uno-Generalsekretär Kofi Annan rief Staatschef Saddam Hussein erneut auf, uneingeschränkt mit den Inspektoren zusammenzuarbeiten.

In den vergangenen Monaten hat die Zahl derartiger Zwischenfälle in der nördlichen und südlichen Flugverbotszone stark zugenommen.Trotz der relativ guten Voraussetzungen für ihre Arbeit warnen die Waffeninspekteure vor vorschnellen Erwartungen. Es werde "mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr" dauern, bevor die Kontrollen abgeschlossen werden könnten, sagte der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Mohamed El Baradei. Er war mit Blix und rund 30 Inspektoren am Montag als Vorauskommando nach Bagdad gereist. Bis Weihnachten sollen 80 bis 100 Inspektoren vor Ort sein. Nachdem die Logistik eingerichtet ist, beginnt die eigentliche Arbeit am 27. November.

Dabei sind die technischen Voraussetzungen für die Inspektion besser als vor vier Jahren, als die letzte Inspektorengruppe das Land verließ. Oliver Thränert von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagt, dass vor allem die Sensorentechnik für das Aufspüren von atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen verbessert wurde. Trotzdem gehe er davon aus, dass die Politik für einen Erfolg der Waffeninspektion wichtiger sei als die Technik: "Die Kooperation Saddams ist bedeutender." Das bestätigt Karl-Heinz Kamp von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Trotz besserer Überwachungsverfahren seien auch die Verstecke gewiefter geworden: "Wer etwas verstecken will, kann das auch tun".

Doch dafür fühlen sich die Inspektoren gewappnet. Im Gepäck haben sie zahlreiche Informationen über vermutete Anlagen zum Bau atomarer, biologischer und chemischer Waffen - darunter auch aus Geheimdienstquellen, bestätigte El Baradei. Damit verfügen seine Leute über einen taktischen Vorteil: Bagdad weiß nicht, was die Inspektoren wissen, muss laut Uno-Resolution aber bis zum 8. Dezember alle Informationen offen legen. Daher könnte es schon in knapp drei Wochen zum echten Test für Saddams Kooperationsbereitschaft kommen.

Der Uno-Sicherheitsrat sieht bei Verstößen gegen die einstimmig verabschiedete neue Irak-Resolution "ernste Konsequenzen" vor. Die USA haben gedroht, das Land in einem solchen Fall anzugreifen. US-Präsident George W. Bush hat zudem den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Husseins zum Ziel seiner Politik erklärt.Annan sagte, Saddam müsse mit den Inspektoren uneingeschränkt zusammenarbeiten und damit seinem eigenen Volk, der Region und der gesamten Welt gerecht werden. Annan fügte während eines Besuches in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo hinzu, die Arbeit der Inspektoren sei durch die neue Resolution des Uno-Sicherheitsrates gestärkt worden.Saddam wisse, was die Konsequenzen eines Mangels an Zusammenarbeit seien.Für den Fall, dass Bagdad nicht mitspielt, drohen die USA und Großbritannien mit Krieg. Die Vorbereitungen laufen heiß.. Allerdings gibt es Differenzen, welche Verstöße die angedrohten "ernsten Konsequenzen" auslösen können. So hatte US-Präsident George W. Bush erklärt, auch irakische Angriffe auf US-Flugzeuge in den Flugverbotszonen im Nord- und Südirak als Verstoß gegen die Uno-Resolution zu betrachten. Derartige Zwischenfälle sind aber seit Wochen an der Tagesordnung. Auch am Montag griffen US-Jets Stellungen der irakischen Luftabwehr in der nördlichen Flugverbotszone an, weil sie bedroht worden seien. Das sei ein Verstoß gegen die Uno-Resolution, urteilte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Er kenne aber derzeit keine Pläne, darauf zu reagieren.

Zwei Mitglieder des einflussreichen Geheimdienstausschusses des US-Senats erklärten unterdessen, sie gingen weiterhin von einem Militärschlag der USA gegen Irak aus. Der demokratische Ausschussvorsitzende Bob Graham sagte dem Sender CNN, er halte einen Krieg zwischen Januar und März zu 70 % für wahrscheinlich. Ähnlich äußerte sich der republikanische Senator Richard Shelby.

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