Waffeninspektoren kontrollieren auch an Heilig Abend
Türkei sieht Irak-Krise an einem „ernsten Punkt“

Die Entwicklung im Abrüstungsstreit zwischen Irak und der internationalen Gemeinschaft ist nach Ansicht des türkischen Ministerpräsidenten Abdullah Gül an einem "ernsten Punkt" angelangt. "Unsere Gespräche über die Entwicklung in unserem Nachbarland sollten nicht als Vorbereitungen für einen Krieg angesehen werden, doch müssen wir uns auf verschiedene Szenarien einstellen", sagte Gül am Dienstag.

Reuters ANKARA/BAGDAD. Die USA haben erklärt, Iraks Verzicht auf Massenvernichtungswaffen notfalls mit Gewalt durchsetzen zu wollen, falls das Land die Abrüstungsforderungen der Vereinten Nationen (Uno) nicht erfüllt. Die Uno - Waffeninspektoren setzten ihre Kontrollen in Irak auch an Heiligabend fort. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet sich nach eigenen Angaben auf einen US-Angriff gegen Irak vor.

"Die Entwicklungen in Irak sind an einem ernsten Punkt angelangt". Wir haben enge Beziehungen zu Irak, wir können diesen Entwicklungen nicht gleichgültig gegenüberstehen", sagte Gül auf einer Fraktionssitzung seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) im Parlament. Einen Waffenbericht Iraks hatten sowohl die Uno-Chefinspektor Hans Blix als auch die USA in der vergangenen Woche als unzureichend bezeichnet. Im Falle eines US-Angriffs auf Irak könnte dem Nato-Mitglied Türkei wegen seine geographischen Lage eine wichtige strategische Rolle zukommen.

Am Montag hatte das irakische Militär ein unbemanntes US-Aufklärungsflugzeug im Süden des Landes abgeschossen. Es war der erste Vorfall dieser Art seit Verabschiedung der Uno-Resolution zu den neuen Waffenkontrollen am 8. November. US-Generalstabschef Richard Myers wertete den Abschuss allerdings nicht als Eskalation.

Gül bekräftigte, jedes militärische Vorgehen der USA gegen Irak solle in Einklang mit dem internationalen Recht stehen. Die türkische Regierung hatte sich in der Vergangenheit für eine neue Uno-Resolution vor einem Militärschlag stark gemacht. Ein Krieg gegen Irak könnte auch die schwache Wirtschaft der Türkei destabilisieren. Diese Angst hat sich in den vergangenen Tagen an den Devisenmärkten durch die Talfahrt der Landeswährung bemerkbar gemacht. Am Dienstag stützte die Notenbank mit Dollar-Verkäufen die Lira.

Uno-Inspektoren kontrollieren auch an Heiligabend

Die Uno-Inspektoren untersuchten am Dienstag mindestens sieben Militär- und Technologieeinrichtungen in Irak. Nach irakischen Angaben kontrollierten sie dabei auch erstmals Anlagen in den südirakischen Städten Kut und Basra. Die Inspektoren hatten bislang zumeist Anlagen in Bagdad und Umgebung untersucht. Einer Uno-Sprecherin zufolge nahmen Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auch zahlreiche Luft- und Wasserproben, um diese auf Radioaktivität zu untersuchen. Irak hat mehrfach versichert, keine chemischen, biologischen und atomaren Waffen zu besitzen, und bot dem US-Geheimdienst CIA an, vor Ort das Gegenteil zu beweisen. Die USA wiesen dieses Angebot zurück. Dies sei Aufgabe der UNO, hieß es in US-Regierungskreisen.

UNHCR: Vorbeiretungen für den Kriegsfall laufen

"Ja wir bereiten uns auf mögliche Konsequenzen eines eventuellen Krieges vor", sagte UNHCR-Sprecher Chris Jankowski dem Sender "Radio Eins". Es handele sich dabei um generelle Vorkehrungen, die in einem Krisenfall immer getroffen würden. "Wir bringen zum Beispiel Zelte und provisorische Plastikdecken in Lagerhäuser in der unmittelbaren Umgebung des Irak. Alles, was nötig ist, für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben."

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