Wahid vor Auszug
Präsidentin Megawati nimmt Amtsgeschäfte auf

Nach Angaben aus dem Umfeld des am Vortag durch den Volkskongress gestürzten Staatschefs Abdurrahman Wahid bereitet dessen Familien bereits ihren Auszug aus dem Präsidentenpalast vor.

dpa JAKARTA.Volkskongress-Präsident Amien Rais sagte, das höchste Gesetzgebungsorgan des Landes wolle schon am Mittwoch über die Besetzung des Vizepräsidenten-Amts entscheiden. Am Tag nach dem Machtwechsel blieb es in der Hauptstadt Jakarta weiterhin ruhig.

Nach indonesischen Medienberichten gibt es mindestens drei Kandidaten für den Posten des Vize-Staatschefs. Unter ihnen ist auch der Vorsitzende der früheren Regierungspartei von Diktator Suharto, Akbar Tanjung. Daneben gelte Ex-Sicherheitsminister Susilo Bambang Yudhoyono als aussichtsreicher Bewerber, hieß es.

Die bisherige Vizepräsidentin Megawati war am Montag als Staatschefin vereidigt worden, nachdem der Volkskongress Präsident Abdurrahman Wahid in einem einstimmigen Votum abgesetzt hatte. Seine Gegner hatten ihm Inkompetenz, Korruption und Verletzung der Verfassung vorgeworfen. Der Amtsenthebung war ein monatelanger Machtkampf zwischen Wahid und dem Abgeordnetenhaus vorausgegangen. Unmittelbar danach wurde die Tochter von Republikgründer Sukarno als fünftes Staatsoberhaupt Indonesiens vereidigt.

Auch Volkskongress-Präsident Rais äußerte die Erwartung, dass Wahid in den nächsten ein bis zwei Wochen freiwillig den Präsidentenpalast in Jakarta verlässt. Die Familie habe bereits gepackt, hieß es aus dem Umfeld des gestürzten Präsidenten. Auch am Dienstag gab es keine offizielle Stellungnahme Wahids.

Indonesiens Medien begrüßten den Machtwechsel, mahnten aber zum respektvollen Umgang mit dem abgesetzten Präsidenten. "Führer, die versagt haben, sollten nicht grenzenloser Lächerlichkeit ausgesetzt werden", schrieb die "Jakarta Post". Die Nachbarstaaten des nach der Bevölkerungszahl viertgrößten Landes der Erde äußerten sich ebenfalls positiv, darunter auch China. Präsident Jiang Zemin drückte seine Hoffnung auf eine "dauerhafte, stabile und gutnachbarliche Beziehung" mit Indonesien aus.

Noch in der Nacht zum Montag hatte Wahid die Auflösung beider Parlamentskammern erklärt und den Ausnahmezustand verhängt, um seine drohende Absetzung in letzter Minute abzuwenden. Der Schritt war allerdings von den Abgeordneten wie auch der indonesischen Polizei- und Militärführung ignoriert worden. Der 60 Jahre alte moslemische Gelehrte war der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes seit mehr als vier Jahrzehnten. Er war erst im Oktober 1999 nach dem Sturz von Diktator Suharto ins Amt gelangt.

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