Wahl des neuen Vize-Präsidenten vertagt
Indonesions Ex-Staatschef Wahid will Präsidentenpalast räumen

Der abgesetzte indonesische Präsident Abdurrahman Wahid will nach Angaben eines Vertrauten am Donnerstag den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Jakarta räumen und in die USA reisen. «So Gott will, wird Gus Dur (Wahids Spitzname) morgen Nachmittag den Palast verlassen», sagte Wahids Freund Emha Ainun Nadjib am Mittwoch. In den Vereinigten Staaten wolle sich der Ex- Staatschef ärztlich untersuchen lassen.

dpa JAKARTA. Der Volkskongress begann derweil mit der Wahl eines Stellvertreters der neuen Präsidentin Megawati Sukarnoputri. Die Stichwahl zwischen den beiden letzten Kandidaten wurde auf Donnerstag verschoben.

Wahids Vertrauter sagte weiter, vor der geplanten Abreise des ehemaligen Präsidenten sei ein Treffen mit dessen Anhängern geplant. Nadjib betonte, der USA-Besuch des nach zwei Schlaganfällen erblindeten Ex-Staatschefs habe rein medizinische Gründe. "Gus Dur hat mir gesagt, dass ein neuer Schlaganfall tödlich sein könnte."

Die bisherige Vizepräsidentin Megawati war am Montag als neues Staatsoberhaupt vereidigt worden, nachdem der Volkskongress Wahid in einem einstimmigen Votum abgesetzt hatte. Ihm wurden Inkompetenz, Korruption und Verfassungsbruch vorgeworfen. Der Amtsenthebung war ein monatelanger Machtkampf zwischen Präsident und Abgeordneten vorausgegangen. Sofort danach wurde die Tochter des Republikgründers Sukarno als fünftes Staatsoberhaupt Indonesiens vereidigt.

Nach dem zweiten Wahlgang im Volkskongress (MPR) waren kurz vor Mitternacht (Ortszeit) zwei der ursprünglich fünf Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten übrig geblieben. Bei ihnen handelte es sich um den Chef der islamisch orientierten Vereinigten Entwicklungspartei (PPP) Hamzah Haz sowie um den Vorsitzenden der Golkar-Partei des früheren Diktators Suharto, Akbar Tanjung.

Während der Abstimmung hatten sich vor dem Volkskongress-Gebäude rund 2 000 Studenten versammelt, die gegen die Kandidatur Tanjungs protestierten. In Sprechchören wandten sie sich gegen die mögliche Rückkehr von Politikern der Suharto-Ära in hohe Staatsposten. Über Zwischenfälle wurde zunächst nichts bekannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%