Wahl zum Parteivorsitzenden
Hintergrund: Westerwelle steht vor schwierigen Aufgaben

dpa DÜSSELDORF. Gleich zu Beginn des FDP-Bundesparteitages in Düsseldorf wurde der neue Parteichef Guido Westerwelle (39) verwundet - es floss Blut. Verantwortlich waren aber nicht etwa finstere innerparteiliche Gegner. Vielmehr hatte sich ein hervorstehender Nagel an Westerwelles Präsidiumstisch auf dem Podium der Stadthalle schmerzhaft in seinen Zeigefinger gebohrt. Er wurde schnell verpflastert und war wieder einsatzfähig.

Dies war aber die einzige Blessur, die Westerwelle am Freitag in Düsseldorf erleiden musste. Im Gegenteil: mit für FDP-Verhältnisse sehr große Mehrheit von 89,3 % kürten ihn die rund 660 Delegierten als Nachfolger von Wolfgang Gerhardt (57) zu ihrem neuen Vorsitzenden - er ist der jüngste Parteichef der Liberalen. Der als agil und rhetorisch glänzend geltende Westerwelle hat sich in den sechs Jahren als Generalsekretär zum populärsten FDP-Politiker gemausert.

Der neue Chef wurde vom Parteitag mit rhythmischem Klatschen gefeiert. Er versprach den Delegierten, er werde sich "mit Haut und Haar" für die FDP einsetzen. Und mit Blick auf die "Strategie 18 %" kündigte er an, dieser Parteitag werde mit dem Vorurteil aufräumen, die FDP sei eine Partei für wenige: Sie sei für alle im Volk da. Den Streit mit dem NRW-Parteichef Jürgen Möllemann (55) um einen FDP-Kanzlerkandidaten, der am Samstag entschieden werden soll, erwähnte Westerwelle nicht. Dies wird eine erste "Nagelprobe" für Westerwelle, der einen eigenen Kanzlerkandidaten für Unsinn hält.

Gerhardt bleibt Fraktionschef

Vorher hatte Gerhardt, der Fraktionschef bleibt, in seiner Abschiedsrede dem Nachfolger volle und faire Unterstützung zugesichert und um das Vertrauen für Westerwelle bei den Delegierten geworben. Der Parteitag dankte Gerhardt, der trotz großem Einsatz für die Partei jahrelang in der Öffentlichkeit weniger glänzen konnte als sein Generalsekretär, mit minutenlangem Beifall. Indirekt forderte Gerhardt die Delegierten auf, einen Kanzlerkandidaten abzulehnen und alle Führung bei Westerwelle zu belassen.

Einig waren sich alle Liberalen in Düsseldorf, dass Westerwelle vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht, wenn er nun die Partei dauerhaft aus den Zitterpartien von Wahl zu Wahl herausbringen und dauerhaft konsolidieren will. Der Anspruch, eine Partei nicht nur für Besserverdiener, sondern für alle zu sein, garantiere noch nicht, dass die Wähler auch in Scharen kommen.

Das von Möllemann erfundene 18-Prozent-Ziel bei der nächsten Bundestagswahl sei dabei kaum eine Erleichterung: Wenn das 2002 sehr schief gehe, könne sich die FDP auch schwer blamieren, befürchten viele. Die ersten schweren Hürden warten auf Westerwelle im Herbst und im Frühjahr bei den Landtagswahlen in Hamburg und in Sachsen- Anhalt. Bei beiden Wahlen wären Hoffnungen auf 18 % Traumtänzerei, wird in der Partei eingeräumt. Dort würden die Liberalen froh sein, wenn sie endlich wieder mit mehr als fünf Prozent in die Parlamente zurückkehren könnten.

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