Wahlfreiheit für Verbraucher betont
Mehr Wettbewerb im Telefon-Ortsnetz beschlossen

Fünf Jahre nach dem Fall des Telefonmonopols der Deutschen Telekom soll auch im Ortsnetz künftig ein schärferer Wettbewerb die Preise drücken. Nach der Einigung im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat über die Einführung der freien Netzbetreiberauswahl (Call-by-Call) begrüßten Bundesregierung, Verbände und Deutsche Telekom am Mittwoch grundsätzlich die Kompromisslösung.

HB DÜSSELDORF. Danach sollen die Telefonkunden vom 1. Dezember an im Ortsnetz auch über andere Telefongesellschaften telefonieren können, ohne den Hauptanschluss bei der Telekom kündigen zu müssen.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) bezeichnete die Einigung als einen "wichtigen Schritt für mehr Wettbewerb auf dem gesamten Telekommunikationsmarkt". Durch den Eintritt von neuen Anbietern im Ortsnetz können die Verbraucher mit sinkenden Telefonpreisen rechnen. Bislang entfällt auf die Telekom in diesem Bereich ein Marktanteil von rund 95 %.

Seit Anfang 1998 ist die freie Auswahl von Telefonanbietern bereits im Fern- und Auslandsbereich möglich. Dort hat sie bis heute zu einem drastischen Verfall der Preise um bis zu 90 % geführt. Bei einem Call-by-Call-Gespräch muss vor jedem Gespräch eine Netzzugangsziffer gewählt werden. Auch eine Voreinstellung auf einen bestimmten Anbieter soll künftig möglich werden (Pre-Selection).

Nach Ansicht des Telekommunikationsexperten der CDU/CSU - Bundestagsfraktion, Elmar Müller, wird die erzielte Lösung kaum für mehr Ortsnetz-Wettbewerb sorgen. Die Einkaufspreise für die Anmietung von Mietleitungen und Teilnehmeranschlussleitungen seien hoch, erklärte er in Berlin. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten VATM kritisierte: Es sei völlig inakzeptabel, dass die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post nicht in der Lage sei zu erklären, wie das neue Wettbewerbsangebot eingeführt werden soll, ohne bestehende Geschäftsmodelle zu gefährden.

Zufrieden mit dem Kompromiss zeigte sich dagegen der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften Breko. Die Regulierungsbehörde müsse jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, meinte der Geschäftsführer Rainer Lüddemann. Dabei forderte er eine Anhebung der Gebühren für die Netzzusammenschaltung im Ortsbereich. Neben der Telekom sind verschiedene Mitgliedsfirmen des Breko bereits im Ortsnetz aktiv (NetCologne, HanseNet).

Diese Unternehmen hatten ebenso wie die Telekom im Vorfeld die geplante Einführung des Call-by-Call kritisiert. Sie befürchteten, dass potenzielle Anbieter über ihre Netze einen ruinösen Preiswettbewerb entfachen könnten. "Diejenigen, die investiert haben, dürfen nicht bestraft werden", sagte Telekom-Sprecher Stefan Broszio. Neue Call-by-Call-Anbieter müssen ihre Leitungen deshalb an so vielen Punkten mit dem Telekom-Netz zusammenschließen können, dass kein großer Umwegverkehr entsteht. Noch liegen die entsprechenden Verordnungen nicht vor.

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